Tornados, arktische Luft, Eisregen Winterstürme wüten in den USA – mehr als 20 Tote

Einige erfroren, andere starben beim Versuch, sich aufzuwärmen: Die Todeszahlen infolge der massiven Winterstürme in den USA steigen. In Texas soll die Krise politisch aufgearbeitet werden.
Foto: Chengyue Lao / imago images/Xinhua

In Chicago türmt sich der Schnee, an der Grenze zu Mexiko sind unzählige Haushalte ohne Strom und Wärme. Ein Wintereinbruch historischen Ausmaßes hat die Vereinigten Staaten im Griff, mit dramatischen Folgen: Mehr als 20 Menschen sollen laut Medienberichten infolge der extremen Wetterbedingungen ums Leben gekommen sein.

DER SPIEGEL

So starben in der Stadt Houston im besonders hart getroffenen US-Bundesstaat Texas eine Frau und ein Mädchen infolge einer Kohlenmonoxidvergiftung. Der Polizei zufolge hatten die beiden den Motor eines Autos in einer Garage laufen lassen, um sich zu wärmen. Zudem erfroren allein in Houston mindestens zwei Obdachlose, wie das Büro des Sheriffs in Harris County mitteilte.

In Louisiana starb ein Mann nach einem Sturz auf glatter Eisfläche an einer Kopfverletzung. Ein zehnjähriger Junge starb bereits am Sonntag in Tennessee, nachdem er zusammen mit seiner sechsjährigen Schwester auf einem zugefrorenen Teich eingebrochen war. In Texas, Kentucky und Missouri verloren mehrere Menschen bei wetterbedingten Verkehrsunfällen ihr Leben.

Tote durch Tornados

Todesfälle gab es auch im benachbarten Mexiko: Im Norden des Landes starben den Behörden zufolge sechs Menschen – fünf von ihnen an Unterkühlung, einer erstickte wegen einer defekten Heizung. Aufgrund der Kälte waren Gasleitungen eingefroren, was Stromausfälle zur Folge hatte. In mehreren Bundesstaaten waren zeitweise fast fünf Millionen Haushalte ohne Strom, wie der staatliche Stromanbieter CFE mitteilte.

Das extreme Winterwetter löste zudem mindestens vier Tornados in den USA aus, wie es auf der Website Weather.com hieß, darunter einen in North Carolina, durch den mindestens drei Menschen getötet und zehn weitere verletzt wurden. Der US-Wetterdienst warnte  vor weiteren Tornados im ohnehin schon schwer getroffenen Südwesten der Vereinigten Staaten.

Eisige Temperaturen herrschen bereits seit mehreren Tagen in fast allen US-Bundesstaaten – in Chicago etwa türmt sich der Schnee so hoch, dass sich Autos kaum noch freischaufeln lassen. Landesweit sind laut CNN fast Dreiviertel der kontinentalen USA von Schnee bedeckt . Seit Beginn der Aufzeichnung 2003 hat es einen derartigen Wert noch nicht gegeben, in den vergangenen Tagen wurden demzufolge mehr als 2000 Kälterekorde im ganzen Land eingestellt. Allein am Dienstag verzeichneten 20 Städte die niedrigsten Temperaturen ihrer Geschichte.

Das Weiße Haus teilte mit, Präsident Joe Biden habe mit den Gouverneuren betroffener US-Bundesstaaten wie Texas, Louisiana und Kentucky über die Situation gesprochen. Die Regierung werde alle verfügbaren Ressourcen einsetzen, um den Menschen zu helfen, »diesen historischen Sturm« zu überstehen.

Der Nationale Wetterdienst sprach von einem »noch nie dagewesenen und weitreichendem gefährlichen Winterwetter« von einer US-Küste zur anderen. Im Zentrum des Landes halte sich »kalte arktische Luft«, auch am Mittwoch entspanne sich die Lage noch nicht, sie könne sich sogar noch verschärfen.

Die Behörden in Texas warnen indes unter anderem vor Eisregen. Der Website Poweroutage.us zufolge  fehlte zuletzt allein in dem südlichen Staat noch etwa drei Millionen Haushalten der Strom. Kunden sollten sich darauf einstellen, dass die Versorgung möglicherweise über Dienstagabend hinaus unterbrochen sein könnte, teilte das Elektrizitätswerk in der Hauptstadt Austin mit.

Kontrollierte Unterbrechungen der Stromversorgung seien derzeit die »Ultima Ratio«, um die Zuverlässigkeit des gesamten Stromnetzes zu erhalten, erklärte der Stromnetzbetreiber Southwest Power Pool, der für 14 Bundesstaaten zuständig ist.

Der Gouvernor von Texas, Greg Abbott, kritisierte den Stromlieferanten Ercot scharf. »Wir wussten eine Woche im Voraus, dass dieser Sturm kommt«, sagte der Republikaner im TV-Sender KLBK. »Ercot sollte über einen Notfallplan verfügen.« Abbott verlangte eine parlamentarische Untersuchung, um die Fehler aufzuarbeiten.

mxw/dpa/AFP/Reuters