Uups! - et orbi Hans Tietmeyer - von Kohl zu Gott?

Er war Helmut Kohls Finanzberater bei der Wiedervereinigung, jetzt ist der ehemalige Bundesbankchef Hans Tietmeyer im Gespräch als Chefbanker des Papstes. Statt für den "Soli" wäre er dann für den "Peterspfennig" zuständig.


Rom - Gleich hinterm Dienstboteneingang des Vatikans, dem St.-Anna-Tor, steht ein wuchtiger, an einen Geldspeicher erinnernder Festungsturm. Papst Nikolaus V. hat das Ding kurz vor der Entdeckung Amerikas bauen lassen und keiner seiner Nachfolger hatte den Mut, den Bunker einfach abzureißen.

Finanzexperte Tietmeyer: Einige Semester Theologie
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Finanzexperte Tietmeyer: Einige Semester Theologie

Jetzt sitzen Banker darin, die Banker des Papstes vom I.O.R., "Istituto per le Opere di Religione". Hier werden unter anderem all die "Peterspfennige" gesammelt und verwaltet, "welche die Gläubigen zum Zeichen ihrer Verbundenheit mit den vielfältigen Aufgaben des Nachfolgers Petri" (so die Selbstdefinition) leisten. Denn Caritas kostet.

Die Vatikanbank geriet bekanntlich in Schwierigkeiten (vgl. Francis Ford Coppola, "Der Pate III."), als Ende der Siebziger angebliche Mafia-Gelder womöglich dazu verwendet wurden, die Solidarnosc-Bewegung in Polen zu unterstützen. Der verantwortliche Banker wurde später tot in London aufgefunden, an einem Strick hängend unter der Blackfriars Bridge, der "Brücke der Schwarzen Brüder".

All dies ist längst gebeichtet und gebüßt, und damit es nicht wieder vorkommt, hat Papst Woityla dem I.O.R. einen Wächterrat aus fünf Kardinälen vorangestellt. Der Posten des altershalber ausscheidenden Kardinals Soldano muss jetzt neu besetzt werden, möglichst mit einem Deutschen oder US-Amerikaner, denn aus diesen beiden Ländern kommen die meisten "Peterspfennige".

Insgesamt sollen es knapp 100 Millionen Dollar sein, Tendenz: sinkend. Die Skandale um Ministrantenmissbrauch haben die Spendenbereitschaft in den reichen Diözesen von Chicago, Los Angeles oder Boston stark abgekühlt. Genaue Zahlen sind nicht zu bekommen, denn die Bilanzen der Vatikanbank werden nicht offengelegt.

Es halten sich aber auch Gerüchte, wonach im kommenden Jahr ein Deutscher auf den Posten des I.O.R.-Generaldirektors rücken könnte: Hans Tietmeyer, Kanzler Kohls Finanzberater bei der Wiedervereinigung.

Die "Times" hatte den inzwischen 75-Jährigen schon im vergangenen Herbst als Favoriten genannt. Tietmeyer war bis 1999 Präsident der deutschen Bundesbank, bereitete die Euro-Einführung vor und erwähnt in seinem Lebenslauf auch einige Semester Theologiestudium (röm.-kath.). Seit dem Jahr 2004 sitzt Tietmeyer auch in der Leitung der "Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften". Dort soll derzeit die alte katholische Soziallehre auf die Bedingungen der Globalisierung angepasst werden - das Thema der kommenden dritten Enzyklika.

P.S. Wer Benedikt XVI. direkt Geld zukommen lassen möchte, kann dies jetzt auch per Kreditkarte und Online tun (Visa, Diners, Master Card, American Express). Die Kontonummer ist 000005329965, bei der Unicredit Banca d’Impresa (Swift UNCRIT2V). Stichwort: "Peterspfennig".



insgesamt 1 Beitrag
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Hartmut Dresia, 18.12.2007
1. gute Lösung
Hans Tietmeyer als Chefbanker des Papstes, eine sehr gute Lösung, die Charme hat. Sie zeigt zudem, dass es ehrenvolle Aufgaben für ehemalige hohe Funktionsträger des Staates gibt, Kohl, Schröder, Clement sollten sich ein Beispiel nehmen.
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