Uups! - et orbi Kaiman und Abel

Papst Benedikt XVI. hat den Steuerparadiesen auf Erden seinen Segen entzogen. Die finden das ziemlich unchristlich - zumal der Vatikan selbst eine Taxfree-Zone ist.

Rom - Es klingt, als sei der Papst bei "Attac" eingetreten. Oder wolle sich als Glaubenshüter der Antiglobalisierungsbewegung hervortun. "Offshore-Märkte können auch mit dem Recyclen illegaler Profite in Verbindung gebracht werden", heißt es.

Steueroasen hätten die "unklugen finanziellen Praktiken unterstützt", die zu dem gegenwärtigen Finanzcrash geführt haben. Sie würden "durch Steuerhinterziehung eine gigantische Kapitalflucht erlauben", schadeten den armen Ländern und müssten deshalb sofort geschlossen werden - als "notwendiger erster Schritt". Das ist O-Ton Heiliger Stuhl.

Der Päpstliche Rat für "Gerechtigkeit und Frieden" hat damit vergangene Woche in Doha für Aufsehen gesorgt , beim Folgetreffen der "Monterrey"-Gruppe für Entwicklungsfinanzierung. Jedes wichtige Schreiben eines päpstlichen Rates muss vom Chef persönlich abgesegnet sein.

Insofern besteht kein Zweifel mehr, was Benedikt XVI. von Steuerparadiesen wie Liechtenstein, den Kanal- oder Kaiman-Inseln hält: Das ist Teufelszeug. Götzendienst am Kapital. Denn du sollst dem Kaiser geben, was des Kaisers ist und seien es auch Steuern.

Diese Botschaft ist in den betroffenen Gebieten mit Erstaunen, ja Unglauben aufgenommen worden. "Papst Benedikt verdient hohen Respekt, aber man fragt sich, woher seine Berater ihren ökonomischen und finanziellen Sachverstand haben", schreibt der ehemalige Notenbankchef der Kaiman-Inseln, Timothy Ridley. Die Krise habe ihren Ursprung nicht offshore, sondern onshore, bei der blinden Kreditvergabepraxis von US-Banken.

Und außerdem solle der Papst einmal in seine eigene Steuergesetzgebung schauen: "Der Vatikan hat selbst 1929 einen Deal mit Mussolini geschlossen, wonach er de facto zur Steueroase wurde. Es steht in den aktuellen Yellow Pages der EU: 'Bürger des Vatikans zahlen keine Steuern.' In Italien genießt die katholische Kirche jede Menge Steuervorteile. Erst 2005 hat die Regierung Berlusconi die Kirche von allen Steuern auf die meisten ihrer Immobilien befreit."

Die Überschrift von Ridleys Artikel ist "Matthäus, 7:3". Dieser Vers des Evangeliums lautet: Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?


Wieso gibt es im Vatikan ein Standesamt, und warum ist die Kriminalitätsrate dort höher als in São Paulo? Und wie komme ich an der Schweizergarde vorbei? SPIEGEL-ONLINE-Vatikanist Alexander Smoltczyk hat durchs Schlüsselloch des päpstlichen Appartements geblickt und beantwortet gnadenlos alle Fragen, die andere noch nicht einmal zu stellen wagen: "Vatikanistan - Eine Entdeckungsreise durch den kleinsten Staat der Welt" ist jetzt im Buchhandel.