Uups! - et orbi Satanische Krise

Investoren aufgepasst: Italiens defizitäre Staatsfluglinie ist nachweislich vom bösen Geist besessen. Darin sind sich der ehemalige Alitalia-Präsident und der päpstliche Exorzist einig. Und auch bei der Finanzkrise dürfte der Antichrist seine Finger im Spiel gehabt haben.


Rom - Als Benedikt XVI. am 12. September vergangenen Jahres eine Maschine der Alitalia bestieg, um nach Paris zu fliegen, wurde er vom Sonderkommissar der Fluglinie, Augusto Fantozzi, mit der Bitte verabschiedet: "Heiliger Vater, bitte beten Sie für die Gesellschaft..." - "Schon lange bete ich für Euch", antwortete der Papst.

Teufelsfratze: Schlechte Ratschläge für Bankiers und Fondsmanager
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Teufelsfratze: Schlechte Ratschläge für Bankiers und Fondsmanager

Spätestens nämlich, seit der langjährige Alitalia-Präsident Maurizio Prato erklärt hatte, sein hochdefizitärer Laden bräuchte keinen Sonderkommissar, sondern "einen Exorzisten".

Das war im Juni gewesen. Air France hatte gerade angeboten, Alitalia mitsamt aller Schulden zu übernehmen und damit vor dem Bankrott zu retten. Der Plan scheiterte im letzten Moment an der Sturheit einiger Korporationen, die im Aufsichtsrat Sitz und Stimme haben. Im Juni wurde über den Satz des Präsidenten noch gelächelt.

Inzwischen ist Alitalia zerschlagen und wird abgewickelt, die Schulden tragen die Bürger. Den noch brauchbaren Teil der Gesellschaft wird voraussichtlich, zu sehr viel schlechteren Konditionen, Air France übernehmen. Und das Wort vom Exorzisten klingt heute wie eine der rationaleren Aussagen zum Thema.

Jetzt hat der ebenso legendenumwehte wie vielbeschäftigte Chefexorzist von Rom, Pater Gabriele Amorth, ein Urteil abgegeben: "Die Krise von Alitalia hat etwas unheilvoll Satanisches", erklärte der 88-jährige dem Webmagazin "Pontifex.roma".

Wo Spaltung und Unsicherheit herrschten, herrsche Beelzebub, sagte Amorth, der zugleich Ehrenpräsident des Weltverbandes der Exorzisten ist. Das Phänomen, fuhr er fort, sei allerdings nicht auf den Luftraum Italiens beschränkt. Auch die gegenwärtige Verfassung des Kreditmarkts müsse grundsätzlicher analysiert werden: "Hinter dieser äußert ernsten Wirtschaftskrise verbirgt sich die Kralle des Satans. Wenn es zu Spaltungen, Wirrungen, Krisen kommt, ist der große Versucher immer gegenwärtig. Er lacht sich ins Fäustchen, wenn all die Krisen und Zerrüttungen unausweichlich Auswirkungen haben auch auf die Privatsphäre."

Der Teufel nämlich habe den Bankiers und Fondsmanagern schlechte Ratschläge eingeblasen. Er stecke hinter all den fatalen Leverages und den hanebüchenen Credit Default Swaps. Insofern müssen Bankhäuser überlegen, ob sie nicht statt all der Finanzmathematiker einen Teufelsaustreiber einstellen sollten, einen "Corporate Exorcist", der jedes Hedgefonds-Zertifikat mit Weihwasserwedel und Rosenkranz austestet.

Noch mehr schaden kann es jedenfalls nicht.


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