Uvalde in Texas US-Justizbehörde will Polizeieinsatz bei Schulmassaker untersuchen

Die Sicherheitskräfte werden nach dem Amoklauf an der Grundschule im texanischen Uvalde heftig kritisiert. Das US-Justizministerium hat nun eine Untersuchung angekündigt. Präsident Biden besuchte den Tatort.
US-Präsident Joe Biden und Ehefrau Jill besuchen den Tatort in Uvalde, Texas

US-Präsident Joe Biden und Ehefrau Jill besuchen den Tatort in Uvalde, Texas

Foto: Evan Vucci / AP

Angesichts offensichtlicher Versäumnisse der Polizei bei dem Massaker an einer Grundschule im Bundesstaat Texas beabsichtigt das US-Justizministerium, eine Untersuchung anzustoßen. Die Behörde teilte am Sonntag in Washington mit, das Vorgehen der Sicherheitskräfte solle unter die Lupe genommen werden. Der Bürgermeister der betroffenen Kleinstadt Uvalde, Don McLaughlin, habe darum gebeten. Ziel der Untersuchung sei es, einen unabhängigen Bericht über das Vorgehen der Strafverfolgungsbehörden an diesem Tag zu erstellen und Lehren daraus zu ziehen für andere Attacken. Der Bericht solle am Ende auch veröffentlicht werden. Die Überprüfung werde »fair, transparent und unabhängig« sein.

Der 18 Jahre alte Täter hatte am Dienstag an der Grundschule in der texanischen Kleinstadt Uvalde 19 Kinder und zwei Lehrerinnen getötet. Der Angreifer hatte sich mit Schülern und Lehrern in zwei miteinander verbundenen Klassenräumen eingeschlossen und dort um sich geschossen. Neue Ermittlungserkenntnisse zu den Abläufen an jenem Tag setzen die Polizei schwer unter Druck: Sie sei zu lange untätig geblieben.

Was Ermittler auf Basis von Videoaufnahmen, Zeugenaussagen, Polizeikommunikation und Notrufen bislang rekonstruiert haben, ist erschütternd. Der Schütze drang demnach um kurz nach 11.30 Uhr Ortszeit in die Grundschule und in den Klassenraum ein und begann zu schießen. Wenige Minuten später waren die ersten Polizisten vor dem Klassenzimmer. Es folgten weitere Beamte. Um kurz nach 12 Uhr Ortszeit waren 19 Polizisten im Flur vor dem Klassenraum postiert.

Die Polizei stand vor der Klassenzimmertür und griff nicht ein

Um die gleiche Zeit begannen nach offiziellen Angaben Schüler aus dem Inneren des Zimmers verzweifelt, den Notruf der Polizei zu wählen. Darunter war eine Schülerin, die mehrmals hintereinander anrief. Mit flüsternder Stimme berichtete sie zuerst von mehreren Toten. In einem anderen Anruf sagte sie wenig später, acht bis neun Schüler seien noch am Leben. Noch immer kam keine Hilfe. 40 Minuten nach dem ersten Anruf flehte das Mädchen, man möge bitte sofort die Polizei schicken.

Die Polizisten vor der Tür warteten derweil auf Verstärkung, wie die Behörde für öffentliche Sicherheit in Texas am Freitag offenbart hat. Der verantwortliche Beamte sei der Meinung gewesen, dass nach den ersten Schüssen keine Kinder mehr in Gefahr seien. Das sorgt nun für Fassungslosigkeit. Erst um 12.50 Uhr drangen Einsatzkräfte in den Raum ein – mit einem Schlüssel, den sie vom Hausmeister besorgt hatten – und töteten den Amokläufer. Mehr als 75 Minuten, nachdem dieser drinnen das Feuer eröffnet hatte. In der Zwischenzeit löschte der Angreifer 21 Leben aus. 17 weitere Menschen wurden verletzt. Angehörige warfen der Polizei vor, sie hätten Leben retten können.

US-Präsident Joe Biden reiste am Sonntag gemeinsam mit seiner Ehefrau Jill nach Uvalde, wo die Trauer zunehmend in Wut umschlägt. Vor der Grundschule legten der Präsident und die First Lady einen Blumenstrauß nieder – an einer improvisierten Gedenkstätte mit Blumen, Spielsachen und Fotos. Die Bidens liefen einzeln von Bild zu Bild, berührten die Fotos der Getöteten. Später wollten sie Angehörige der Todesopfer sowie Überlebende treffen.

jso/dpa
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