Attentäter von Utøya Anders Breiviks Vater hat Schuldgefühle

"Wenn ich ein besserer Vater gewesen wäre - vielleicht wäre er dann heute ein anderer Mensch": Jens Breivik, Vater des Attentäters von Utøya, hat über seine Schuldgefühle gesprochen. Er denke viel über die Opfer seines Sohnes nach.

Jens Breivik, Vater von Attentäter Anders Breivik: "Er wird extremer und extremer"
DPA

Jens Breivik, Vater von Attentäter Anders Breivik: "Er wird extremer und extremer"


Oslo - Der Vater des norwegischen Attentäters und Massenmörders Anders Breivik wird von Schuldgefühlen geplagt. Vielleicht sei er seinem Sohn in dessen Kindheit nicht nahe genug gewesen, sagte Jens Breivik bei seinem ersten öffentlichen Auftritt vor Journalisten seit den Anschlägen vom 22. Juli 2011.

"Wenn ich mehr Kontakt zu ihm gehabt hätte, wenn ich ein besserer Vater gewesen wäre - vielleicht wäre er dann heute ein anderer Mensch", sagte Breivik über seinen Sohn, der seit seiner Verurteilung eine mindestens 21-jährige Haftstrafe absitzt. Er selbst habe ihn im Gefängnis besuchen wollen, Anders habe diesen Wunsch aber per Brief abgelehnt. Darin schreibe er, sein Vater müsse erst eine "faschistische Ideologie" annehmen, bevor es zum Kontakt kommen könne.

"Dieser Brief hat mir Angst gemacht", sagte Breivik senior, der seine Gedanken über den Attentäter in einem Buch zusammengefasst hat ("Meine Schuld"). "Ich glaube, er wird extremer und extremer. Vielleicht auch gefährlicher. Ich weiß es nicht." Er selbst denke viel über die Opfer seines Sohnes nach. "Ich wünschte, ich könnte an seiner Stelle um Vergebung bitten."

Jens Breivik verlor nach eigenen Angaben einen Sorgerechtsstreit, als Anders vier Jahre alt war. Der spätere Attentäter wuchs bei seiner Mutter in Oslo auf. Zum Vater, einem norwegischen Diplomaten, hatte er nur sporadisch Kontakt. "Ich hätte ihn positiv beeinflussen können", sagte Breivik senior nun. "Aber das ist nicht passiert."

Anders Breivik hatte im Juli 2011 zunächst im Regierungsviertel in Oslo mit einer Autobombe acht Menschen getötet und danach in einem Jugendlager der Arbeiterpartei auf der Insel Utøya 69 Menschen erschossen. Im August 2012 stufte ihn ein Gericht in Oslo als schuldfähig ein und verhängte die Höchststrafe von 21 Jahren Haft mit möglicher Verlängerung.

rls/AP



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