Angelo Becciu Kardinal zeichnete heimlich Telefonat mit Papst Franziskus auf

»Ich glaube, ich hatte Sie über all dies informiert, erinnern Sie sich?«: Angelo Becciu war mal eine Nummer im Vatikan. Dann wurde er wegen eines Finanzskandals seiner Ämter enthoben. Und angeklagt. Aber das war nicht alles.
Giovanni Angelo Becciu

Giovanni Angelo Becciu

Foto: Johannes Neudecker / dpa

Angelo Becciu ist wegen Veruntreuung im Vatikan angeklagt. Nun kommt heraus: Er hat auch noch heimlich ein Telefongespräch mit Papst Franziskus aufgezeichnet. In der Aufnahme vom Juli 2021 kurz vor Beginn seines Prozesses bat der italienische Kardinal den Papst zu bestätigen, dass er Gelder für die Befreiung einer in Mali entführten kolumbianischen Nonne genehmigt habe, berichteten italienische Medien am Freitag. Das Telefonat wurde demnach bei einer Anhörung am Donnerstag abgespielt.

»Haben Sie mir die Erlaubnis gegeben, die Operationen zur Befreiung der Nonne einzuleiten, oder nicht?«, fragt Becciu in dem Gespräch laut Medienberichten. »Für das Lösegeld hatten wir 500.000 festgelegt, mehr wollten wir nicht, weil es unmoralisch schien«, sagt Becciu weiter. »Ich glaube, ich hatte Sie über all dies informiert, erinnern Sie sich?«

Der Papst sagte laut den Berichten, er erinnere sich »vage« und bat Becciu, seine Bitte schriftlich zu formulieren. Das Gespräch wurde in Beccius Wohnung von einer Verwandten aufgezeichnet. Die Nonne, die 2017 in Mali von mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida in Verbindung stehenden Dschihadisten als Geisel genommen worden war, wurde im Oktober 2021 befreit.

Becciu hatte die ebenfalls angeklagte Cecilia Marogna als Sicherheitsberaterin beauftragt. Sie soll laut Staatsanwaltschaft vom Vatikan 575.000 Euro für die Befreiung von entführten Priestern und Nonnen im Ausland erhalten haben, die sie jedoch für Hotelübernachtungen und Luxusartikel ausgab.

Becciu, einst ein enger Berater von Papst Franziskus, war im September 2020 wegen eines Finanzskandals seines Amtes enthoben worden und musste seine Kardinalsprivilegien aufgeben. Neben der Veruntreuung der Gelder im Fall der entführten Geistlichen geht es dabei auch um den Kauf einer Londoner Luxusimmobilie durch den Vatikan. Außer Becciu müssen sich noch neun weitere Angeklagte vor Gericht verantworten. Die Vorwürfe reichen von Veruntreuung über Amtsmissbrauch bis hin zu Korruption. Becciu weist alle Anschuldigungen zurück.

dop/AFP

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