Vatikan Der Papst nimmt Geld mit ins Grab
Rom - In der Nacht zu Freitag soll Johannes Paul II. in einen Sarg aus Zypressenholz umgebettet werden. Zu dem Leichnam werden die Mitra, eine versiegelte Zusammenfassung seines Lebens in lateinischer Sprache sowie ein Säckchen mit Silber- und Bronzemünzen, die während seines Pontifikats geprägt wurden, in den Sarg gelegt.
Spekulationen polnischer Gläubiger, das Herz des Papstes könnte in seiner Heimat in Krakau beerdigt werden, machte Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls heute ein Ende: "Der Pontifex wird als ganzer Körper in der Erde beigesetzt werden."
Während der Totenmesse am Freitag wird der Sarg dann auf den Stufen des Petersdomes stehen. Die Zeremonie, zu der über zwei Millionen Gläubige aus aller Welt erwartet werden, zelebriert der deutsche Kurienkardinal Joseph Ratzinger. Er wird dabei von mehreren katholischen Kardinälen und orthodoxen Patriarchen der östlichen Kirchen unterstützt. Am Ende der Messe gibt es ein spezielles Ritual: die "Ultima Commandatio" (letzte Empfehlung) und das "Valedictio" (Grabrede).
Anschließend wird der Sarg des Papstes in einen Zinkbehälter eingeschlossen und versiegelt. Dieser wiederum wird in einen Eichensarg eingelassen. Wenige hohe Kurienvertreter bringen die Totenlade in den Petersdom und anschließend in die Heiligen Grotten unter der Basilika. An der früheren Grabstelle von Johannes XXIII., der 2001 in einen gläsernen Sarg im Petersdom umgebettet wurde, wird der Sarg schließlich in die Erde eingelassen.
Johannes Paul II selbst hatte 1996 in der Apostolischen Konstitution "Universi Dominici Gregis" die Organisation der Beerdigung und der anschließenden Wahl eines neuen Papstes festgelegt. In dem Dokument heißt es unter anderem, dass die Beisetzung vier bis sechs Tage nach dem Tod eines Papstes stattfinden muss. Mit der Organisation ist die Versammlung der Kardinäle beauftragt.
Zu den Trauerfeierlichkeiten wollen bis zu 200 ranghohe politische und religiöse Repräsentanten kommen. Unter anderen haben bis heute zugesagt:
Vereinte Nationen: Uno-Generalsekretär Kofi Annan
USA: Präsident George W. Bush mit Ehefrau Laura
Russland: Ministerpräsident Michail Fradkow
Europäische Union: Kommissionspräsident José Manuel Barroso mit Frau, Regionalkommissarin Danuta Hübner, Justizkommissar Franco Frattini und die außenpolitische Kommissarin Benita Ferrero-Waldner sowie der Präsident des Europa-Parlaments, Josep Borrell
Deutschland: Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber
Polen: Staatspräsident Aleksander Kwasniewski und der Gründer der Gewerkschaft "Solidarnosc", Lech Walesa
Frankreich: Staatspräsident Jacques Chirac mit Ehefrau Bernadette
Großbritannien: Prinz Charles
Niederlande: Ministerpräsident Jan Peter Balkenende
Belgien: König Albert II. und Königin Paola
Schweiz: Bundespräsident Samuel Schmid
Spanien: Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero und das Königspaar Juan Carlos und Sofía
Norwegen: Königin Sonja in Vertretung des kranken Königs Harald und Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik
Schweden: Ministerpräsident Göran Persson
Dänemark: Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen
Finnland: Ministerpräsident Matti Vanhanen
Tschechien: Präsident Vaclav Klaus
Kroatien: Präsident Stipe Mesic and Premierminister Ivo Sanader
Ungarn: Staatspräsident Ferenc Madl und Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány
Rumänien: Staatspräsident Traian Basescu und Ministerpräsident Calin Popescu-Tariceanu
Griechenland: Staatspräsident Karolos Papoulias
Türkei: Premierminister Recep Tayyip Erdogan und Staatsminister Mehmet Aydin
Israel: Außenminister Silvan Schalom und religiöse Würdenträger
Ägypten: Kulturminister Farouk Hosni
Iran: Präsident Mohammad Khatami
Arabische Liga: Generalsekretär Amr Moussa
Indien: Vize-Präsident Bhairon Singh Shekhawat
Mexiko: Präsident Vicente Fox
Brasilien: Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva
Südafrika: Ex-Präsident Nelson Mandela
Demokratische Republik Kongo: Präsident Joseph Kabila
Japan: Yoriko Kawaguchi, frühere Außenministerin und jetzige Beraterin von Regierungschef Junichiro Koizumi
Orthodoxe Kirche: Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel
Russisch-orthodoxe Kirche: Kirill, Metropolit von Smolensk und Kaliningrad
Griechisch-orthodoxe Kirche: Erzbischof Christodoulos