Vatikan Kardinal tritt ab - Spekulationen über Finanzskandal

Der Rücktritt eines Kardinals kommt äußerst selten vor - doch nun geht Angelo Becciu diesen Schritt. Über die Hintergründe herrscht Schweigen, italienische Medien verweisen aber auf eine Finanzaffäre.
Giovanni Angelo Becciu 2018 mit Papst Franziskus

Giovanni Angelo Becciu 2018 mit Papst Franziskus

Foto: Tony Gentile / REUTERS

Kardinal Angelo Becciu ist von seinem Amt als Präfekt der vatikanischen Kongregation für Heilig- und Seligsprechungen zurückgetreten. Er verzichtet auch auf seine Rechte als Kardinal. Diesen ungewöhnlichen Schritt eines Spitzenmannes der katholischen Kirche gab das Presseamt des Vatikans am Donnerstag bekannt.

Für den Rückzug des 72-jährigen Italieners wurde keine Begründung genannt. Medienberichte brachten den Schritt in Zusammenhang mit einem Skandal um eine Investition des Vatikans in eine Luxusimmobilie im Zentrum Londons. In der Mitteilung hieß es nur, Papst Franziskus habe den Rücktritt am Donnerstag angenommen.

Ein Kardinalsrücktritt kommt äußerst selten vor. Zunächst war auch nicht ganz klar, ob Becciu zumindest den Titel, wenn auch nicht die Rechte, weiter behalten würde. In der Regel ist eine Entlassung aus diesem Stand nach Expertenangaben innerkirchlich nicht vorgesehen. Zu seinem Rückzug befragt, sagte der ehemalige Kirchendiplomat der italienischen Nachrichtenagentur Adnkronos nur: "Ich ziehe es vor, zu schweigen."

In einer früheren Tätigkeit im Staatssekretariat, der zentralen Bürokratie des Vatikans, beaufsichtigte Becciu das umstrittene Immobiliengeschäft, das den Heiligen Stuhl laut Medienberichten Millionen von Euro in Zahlungen an Mittelsmänner kostete. Die Staatsanwälte des Vatikans untersuchen den Fall seit einiger Zeit. Im Juni nahmen Ermittler Gianluigi Torzi, einen in London ansässigen italienischen Finanzier, fest.

Becciu streitet jedes Fehlverhalten ab

Er hatte den Berichten zufolge als Mittelsmann fungiert, als der Vatikan versuchte, die volle Kontrolle über das Objekt zu erlangen. Torzi, der jegliches Fehlverhalten bestreitet, wurde der Erpressung, Veruntreuung, des schweren Betrugs und der Geldwäsche beschuldigt. Nach einigen Tagen kam er gegen Kaution frei.

Becciu hat stets auf seiner Unschuld bestanden und beteuert, im alleinigen Interesse des Heiligen Stuhls gehandelt zu haben. Während des fraglichen Geschäfts sei er nicht zuständig gewesen. Becciu wäre laut Medienberichten der ranghöchste Kirchenfunktionär, der wegen eines Finanzskandals seine Ämter im Vatikan aufgeben musste.

Obwohl normalerweise eher rar, ist es nun schon der zweite Rücktritt eines Kardinals im Jahr 2020. Im März trat der französische Kardinal Philippe Barbarin im Zusammenhang mit der angeblichen Vertuschung von sexuellem Missbrauch in der Kirche durch einen Priester zurück.

jak/dpa/AP
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