Missbrauch in der katholischen Kirche Vatikan-Kinderschutzexperte sieht »weiterhin große Widerstände« bei Aufarbeitung

Hans Zollner, Berater von Papst Franziskus in Missbrauchsfragen, ruft Kirchenobere dazu auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz Bätzing sorgt sich unterdessen um die Gläubigen.
Vatikan-Kinderschutzexperte Zollner: »Überidentifizierung mit der Institution«

Vatikan-Kinderschutzexperte Zollner: »Überidentifizierung mit der Institution«

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Gregorio Borgia/ AP

Der Berater von Papst Franziskus in Missbrauchsfragen, Hans Zollner, hat Widerstände in der katholischen Kirche gegen die Aufklärung von sexuellem Missbrauch angemahnt. Die Veröffentlichung des Gutachtens zum Missbrauch und seiner Vertuschung in der Erzdiözese München-Freising zeige, »dass Aufklärung und Aufarbeitung in der Kirche weiterhin großen Widerständen begegnen«, sagte Zollner der »Welt am Sonntag« .

Die Übernahme von persönlicher Verantwortung sei offensichtlich sehr schwer, ergänzte Zollner. Das habe mit der »Überidentifizierung mit der Institution« und mit einem »einseitigen Kirchenbild« zu tun – als ob »alles nach außen hin makellos sein müsste«. Das betreffe »auch die Rolle des vormaligen Erzbischofs, Kardinal Ratzinger, heute der emeritierte Papst Benedikt XVI«.

Am Vortag war ein Gutachten veröffentlicht worden, in dem schwere Vorwürfe gegen den emeritierten Papst im Umgang mit Missbrauchsfällen erhoben werden. Der Jesuit Zollner ist Mitglied der Kinderschutzkommission im Vatikan und leitet das Zentrum für den Schutz von Minderjährigen an der Päpstlichen Universität Gregoriana.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Limburgs Bischof Georg Bätzing, kündigte eine »schonungslose« Aufklärung des Missbrauchsskandals an. »Ja, manchmal schäme ich mich auch, dass wir eine solche Vergangenheit gehabt haben«, sagte er am Freitagabend in einem Gottesdienst vor dem Neujahrsempfang des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) im Bezirk Trier. »Damit die Welt glaubt, deshalb müssen wir tun, was gestern auch wieder geschehen ist: Schonungslos die Wahrheit sehen, wie wir gewesen sind in der Kirche«, sagte Bätzing. Man müsse klar sehen, was an »desaströsem Verhalten« auch von der Führung und den Spitzen der Kirche »bis hin zu einem emeritierten Papst angerichtet« worden sei. Die Kirche müsse sich »der Wahrheit stellen, so schmerzlich das auch ist«.

Bätzing sagte weiter, er wisse, dass auf vielen Gläubigen diese Situation »ungeheuerlich« laste. Sie müssten sich bei Freunden und Familie dafür rechtfertigen, dass sie noch »zu diesem Verein gehören«. »Verdeckt und vertuscht wurde lange genug, jetzt ist die Zeit der Wahrheit«, sagte der Chef der Deutschen Bischofskonferenz. Er appellierte an die Gläubigen: »Verlieren Sie nicht den Mut. Wir tun, was wir in dieser Zeit tun müssen.« Die Kirche müsse darum werben, dass ihr die Menschen vielleicht neu vertrauten.

jso/AFP/dpa