"Keine Angst vor der Geschichte" Vatikan öffnet Geheimarchiv zu Weltkriegs-Papst Pius XII.

Pius XII. war einer der umstrittensten Päpste der Neuzeit. Nun sollen Forscher Zugang zum Geheimarchiv über den Geistlichen erhalten.

Papst Pius XII. (Aufnahme von September 1945)
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Papst Pius XII. (Aufnahme von September 1945)


Papst Franziskus lässt das Geheimarchiv des Vatikans zum umstrittenen Pontifikat von Pius XII. während des Zweiten Weltkriegs öffnen. Die Akten sollen ab dem 2. März 2020 für Forscher zugänglich sein, wie Franziskus bei einer Audienz vor Mitarbeitern des Archivs ankündigte.

Pius XII. war von 1939 bis zu seinem Tod im Jahr 1958 Oberhaupt der katholischen Kirche. Nach dem Krieg wurde Kritik laut, Pius habe angesichts der NS-Verbrechen, nicht entschieden genug seine Stimme erhoben und über den Holocaust geschwiegen.

"Die Kirche hat keine Angst vor der Geschichte, im Gegenteil, sie liebt sie", sagte Franziskus. Ziel sei es, dass "seriöse und objektive" Forschung die "glänzenden Momente dieses Papstes ebenso wie die Momente größter Schwierigkeiten" im rechten Licht und mit der angemessenen Kritik erscheinen lassen kann. Pius habe versucht, "in den Zeiten größter Dunkelheit und Grausamkeit die kleine Flamme humanitärer Initiativen wach zu halten".

Papst Franziskus
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Anlass für die Ankündigung ist der 80. Jahrestag der Wahl des Italieners Eugenio Pacelli zum Papst am 2. März 1939. Seit Langem streiten sich Historiker über dessen Rolle und die des Vatikans während der Nazi-Herrschaft.

Die katholische Kirche war in den letzten Jahren der Weimarer Republik als Kritikerin des Nationalsozialismus aufgetreten. Der Vatikan erhoffte sich von dem 1933 vereinbarten Reichskonkordat einen gewissen Schutz der katholischen Kirche vor der Gleichschaltung. Pacelli war damals Kardinalstaatssekretär und damit oberster Diplomat des Vatikans. Doch schnell wurde klar, dass sich das NS-Regime nicht an die Zusicherungen hielt.

Das päpstliche Rundschreiben "Mit brennender Sorge" vom März 1937 - damals war noch Pius XI. im Amt - verurteilte die Vertragsbrüche und distanzierte sich von der nationalsozialistischen Ideologie. Die Situation der Juden wurde allerdings nicht konkret genannt.

Kritiker warfen anschließend Pius XII. vor, nicht oder nicht genügend gegen die Räumung des jüdischen Gettos in Rom und die Deportation der Bewohner nach Auschwitz im Herbst 1943 eingeschritten zu sein. Seine Verteidiger betonten allerdings, er habe Tausenden Juden Kirchenasyl gewährt.

1963 wurde in Berlin erstmals das Stück "Der Stellvertreter" von Rolf Hochhuth aufgeführt, das weltweit Schlagzeilen machte. Es stellt Pius als kaltherzigen Diplomaten dar, der sich mitschuldig am Tod vieler Juden gemacht habe.

sen/dpa/AP



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