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03. Oktober 2004, 14:51 Uhr

Vatikan

Österreichs letzter Kaiser, selig sei er!

Der letzte österreichische Kaiser und eine Mystikerin aus dem Münsterland sind auf dem Weg zu Heiligen der katholischen Kirche. Die Voraussetzung dafür erfüllte Papst Johannes Paul II. heute mit der Seligsprechung von Karl I. und der Nonne Anna Katharina Emmerick, die als "Seherin von Dülmen" verehrt wurde.

Papst Johannes Paul II.: Rekordhalter in Seligsprechungen
REUTERS

Papst Johannes Paul II.: Rekordhalter in Seligsprechungen

Rom - Rund 30.000 Menschen auf dem Petersplatz in Rom jubelten dem Papst zu, nachdem der 84-Jährige die lateinischen Worte für die Seligsprechung mit brüchiger Stimme verlesen hatte. An der Fassade von St. Peter wurden Transparente mit den Bildern der insgesamt fünf selig gesprochenen Persönlichkeiten aufgehängt. Das Wort Gottes habe diesen als Leuchtturm gedient, "der nie aufhörte, ihren Weg zu erleuchten".

Umstritten war insbesondere die Seligsprechung von Karl I., der 1916 den Wiener Thron bestieg und zum Ende des Ersten Weltkriegs seine Abdankung erklärte - vier Jahre vor seinem Tod im Jahre 1922. Kritiker räumen zwar ein, dass Karl I. versucht habe, den Krieg zu beenden. Zugleich beanstanden sie aber, dass der Vatikan keinen Herrscher selig sprechen könne, der die letzte Verantwortung für den Einsatz von Giftgas getragen habe.

Anna Katharina Emmerick wurde 1774 bei Coesfeld geboren, wurde Näherin und trat 1802 ins Kloster Agnetenberg in Dülmen ein. Nach der Aufhebung des Klosters im Zuge der Säkularisation diente sie einem aus Frankreich geflohenen Priester als Haushälterin. In dieser Zeit zeigten sich bei ihr 1812 die Wundmale Christi an Brust, Stirn und Händen. Neben diesen erstmals bei Franz von Assisi aufgetretenen Stigmata wurde sie vor allem wegen ihres Einsatzes als Seelsorgerin verehrt. Ihre von Clemens Brentano aufgezeichneten Visionen vom "bitteren Leiden unseres Herrn Jesu Christi" sollen den Regisseur Mel Gibson zu seinem Film "Die Passion Christi" inspiriert haben.

Johannes Paul bestimmte den 9. Februar, den Todestag der Nonne im Jahr 1824, als kirchlichen Festtag der Seligen. Gedenktag für Karl ist der 21. Oktober - an diesem Tag heiratete der Thronanwärter 1911 Prinzessin Zita.

Selig gesprochen wurde auch die in Italien geborene Nonne Maria Ludovica De Angelis, die sich bis zu ihrem Tod im Jahr 1962 um die medizinische Versorgung von Kindern in Argentinien kümmerte. Den gleichen religiösen Status erlangten auch der französische Mönch Joseph-Marie Cassant (1878-1903) und der französische Ordensgründer Pierre Vigne (1670-1740).

Frances d'Emilio, AP

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