Vatikan Papst mit Atemproblemen im Krankenhaus

Papst Johannes Paul II. ist gestern Abend mit Atembeschwerden in eine römische Klinik eingeliefert worden. Alle Termine des 84-Jährigen wurden abgesagt. Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa geht es dem Kirchenoberhaupt jedoch "recht gut".


Papst Johannes Paul II (im November): Mit Grippe im Krankenhaus
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Papst Johannes Paul II (im November): Mit Grippe im Krankenhaus

Rom - Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls erklärte in der Nacht, die Entscheidung, den Papst in ein Krankenhaus zu bringen, sei vorsorglich getroffen worden. Johannes Paul habe eine Bronchitis mit einer Luftröhrenverengung. Er habe "gewisse Atemschwierigkeiten" gehabt, liege aber nicht auf der Intensivstation des Gemelli-Krankenhauses in Rom. Heute würden weitere Untersuchungen durchgeführt, sagte der Sprecher, der selbst Mediziner ist. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete heute Morgen, dem Papst ginge es "recht gut" und er habe eine ruhige Nacht im Hospital verbracht. Am Vormittag will der Vatikan weitere Einzelheiten zum Gesundheitszustand des Papstes bekanntgeben.

Italienischen Medienberichten zufolge hat der Papst bereits seit einigen Tagen Fieber. Nach einer angeblichen Besserung war aus dem Vatikan zu hören, der Papst wolle bereits in wenigen Tagen seine Arbeit wieder aufnehmen. Gestern aber hatte der 84-Jährige dann wegen der Erkrankung alle Termine für die kommenden Tage abgesagt. Zuletzt trat Johannes Paul am Sonntag öffentlich auf.

Seine Einlieferung in die Klinik um 22.50 Uhr überraschte selbst seine Mitarbeiter, die Entscheidung wurde offenbar von seinen engsten Beratern getroffen. Nach italienischen Medienberichten wurde der Papst mit dem Krankenwagen in die Klinik gefahren, die stets für ihn bereitsteht.

Johannes Paul liegt laut Navarro-Valls in einer Zimmer-Suite im 10. Stock des Gemelli-Krankenhauses, die er bereits von früheren Aufenthalten kennt. Nach dem Attentat auf dem Petersplatz 1981 wurde er in derselben Klinik operiert. Vor dem Krankenhaus versammelten sich in der Nacht zahlreiche Journalisten.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche leidet seit längerem an der Parkinson-Krankheit sowie an chronischen Hüft- und Knieproblemen. Italien ist seit Dezember von einer Grippewelle betroffen, besonders in Rom erkrankten viele Menschen.

Johannes Paul steht seit Oktober 1978 an der Spitze der katholischen Kirche. Bereits seit Jahren macht der aus Polen stammende Papst bei Messen und öffentlichen Auftritten einen hinfälligen Eindruck, so etwa bei seiner 104. und bisher letzten Auslandsreise im vergangenen Sommer nach Lourdes in Frankreich. Am 18. Mai wird der Papst 85 Jahre alt, trotz Altersschwäche hatte er eigentlich vor, im August zum Weltjugendtreffen nach Köln zu reisen.

Der Kirchenführer hatte zwar in den vergangenen Jahren mehrfach Audienzen wegen Erkältungen abgesagt, hatte sich aber niemals für mehrere Tage zurückgezogen. 1994 musste er nach einem Sturz im Badezimmer an der Hüfte operiert werden, zwei Jahre zuvor überstand der Pole eine schwere Darmoperation. Zugleich gab es damals Gerüchte über Krebs. Zu einem spektakulären Zwischenfall kam es Weihnachten 1995, als Johannes Paul seine Botschaft wegen eines Schwächeanfalls abbrechen musste.



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