Vatikan Papst ruft zum Frieden auf

In seiner ersten Ostermesse hat sich Papst Benedikt XVI. politischen Themen gewidmet: Er rief zur Gründung eines eigenständigen Palästinenser-Staates auf und zur Einigung im Atomkonflikt mit Iran. Hunderttausende verfolgten anschließend, wie er den Ablasssegen "Urbi et Orbi" spendete.    


Rom - Papst Benedikt XVI. widmete sich in seiner Ostermesse einigen der derzeit brisantesten politischen Konfliktherde. So forderte er in seiner Osterbotschaft eine für alle ehrenvolle Schlichtung im Atomstreit. Ohne Iran ausdrücklich beim Namen zu nennen, sagte das Kirchenoberhaupt: "Was die internationalen Krisen im Zusammenhang mit der Atomkraft angeht, so möge durch ernsthafte und aufrichtige Verhandlungen eine für alle ehrenvolle Schlichtung erreicht werden."

Zudem rief er zur Hilfe für das palästinensische Volk auf, damit es einen "wirklichen Staat" aufbauen könne - bei Beachtung des Existenzrechts Israels. Die internationale Gemeinschaft solle dem palästinensischen Volk dazu verhelfen, seine "prekäre" Lage zu überwinden und seine Zukunft aufzubauen, forderte das katholische Kirchenoberhaupt. Die Konfliktparteien im "Heiligen Land" lade er zum "geduldigen Dialog" ein, sagte der Papst auf dem Petersplatz in Rom.

Benedikt XVI. wünschte auch Frieden für die sudanesische Krisenregion Darfur und andere Regionen Afrikas. Er rief auch zu einer Verbesserung der Lebensumstände und einer Demokratisierung in Lateinamerika auf.

Anschließend spendete der Papst vor rund 100.000 Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom den Segen "Urbi et Orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis) und sprach in 62 Sprachen die Osterwünsche. Auf Deutsch rief er: "Euch allen ein gesegnetes und frohes Osterfest! Der Friede und die Freude des auferstandenen Herrn sei mit Euch!" Mit diesem Segen wird nach katholischer Lehre allen, die ihn hören oder sehen und die guten Willens sind, ein vollkommener Ablass ihrer Sünden gewährt. Seit 1967 funktioniert das auch über Radio oder Fernsehen, Gläubige müssen nicht mehr persönlich in Rom anwesend sein.

Schon in der Nacht zum Sonntag feierte Benedikt XVI. mit Tausenden Gläubigen die Ostermesse im Petersdom. In seinem ersten Ostergottesdienst als Oberhaupt der katholischen Kirche pries er die Auferstehung Jesu als "entscheidendsten Sprung" in der Geschichte der Menschheit. In seiner Predigt wandte sich der Papst gegen die Auffassung, dass die von der Kirche an Ostern gefeierte Auferstehung für den heutigen Menschen irrelevant sei.

In den Worten der Evolutionslehre könne man dieses Ereignis als die größte "Mutation" bezeichnen, sagte Benedikt XVI. Es gehe um den "Sprung in eine völlig neue Dimension", von dem jeder Einzelne und die gesamte Geschichte betroffen seien. Eine "Transformation zu neuem Leben" feierte der Pontifex auch bei der Taufe von sieben Gläubigen.

Zugleich mit dem Osterfest feiert Joseph Ratzinger heute seinen 79. Geburtstag. Allerdings verzichten Päpste in aller Regel auf eine größere öffentliche Geburtstagsfeier und begehen das Fest höchstens im kleinsten Kreis. Benedikt wird nach der Ostermesse in die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo vor den Toren Roms fahren.

ler/AP/dpa/AFP



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