Vatikan Papst will Messe auf Latein zurück

Schon häufiger hat Papst Benedikt XVI. die Welt mit seiner konservativen Auslegung des katholischen Glaubens überrascht. Mit dem heute veröffentlichten Schreiben dürfte er allerdings Kirchengeschichte schreiben: Er will, dass Messen wieder in Latein zelebriert werden.


Rom - Vierzig Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil will Papst Benedikt XVI. die lateinische Sprache in der katholischen Messe aufwerten. Mit Blick auf "die immer häufigeren internationalen Treffen" empfehle er, dass die großen Gebete im Gottesdienst wieder in Latein gesprochen werden.

Papst Benedikt XVI: Aufwertung der lateinischen Sprache
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Papst Benedikt XVI: Aufwertung der lateinischen Sprache

Zugleich gab er in dem heute veröffentlichten Apostolischen Schreiben "Sacramentum Caritatis" (Sakrament der Liebe) dem Wunsch nach einem gemeinsamen Abendmahl von Katholiken und Protestanten eine klare Absage.

Das Thema einer Wiedereinführung des Latein wird in Rom seit längerem diskutiert. In dem über 140 Seiten langen Dokument heißt es: "Es ist gut, wenn außer den Lesungen, der Predigt und den Fürbitten der Gläubigen die Feier in lateinischer Sprache gehalten wird; ebenso sollen die bekanntesten Gebete aus der Überlieferung der Kirche in Latein gesprochen und eventuell einige Teile in gregorianischem Choral ausgeführt werden." Ausdrücklich bittet der deutsche Papst darum, dass künftig Priesteranwärter in ihrer Seminarzeit lernen, "die heilige Messe in Latein zu verstehen und zu zelebrieren."

"Das kann den Glauben nicht fördern"

So könnte es also in katholischen Kirchen in Deutschland demnächst "Pater noster, qui es in caelis" heißen, statt dem bisher üblichen "Vater unser, der du bist im Himmel." Bei Messen im Vatikan oder bei Papstmessen werden die Wandlungsworte und Gebete in aller Regel in Latein gesprochen. Das Kirchenoberhaupt betont in seinem Schreiben, dass seine Empfehlungen durchaus mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil vereinbar seien.

Die Deutsche Bischofskonferenz kommentierte das Papstschreiben zunächst nicht. "Es verlangt eine gründliche Analyse", sagte ihr Vorsitzender Kardinal Karl Lehmann. Der katholische Liturgiewissenschaftler Professor Klemens Richter von der Universität Münster plädierte gegen eine Rückkehr zum Lateinischen. "Was hilft ein Gottesdienst auf Latein, wenn die Leute kein Latein verstehen - das kann den Glauben nicht fördern." Auch die meisten Priester seien des Lateinischen kaum noch mächtig.

In dem päpstlichen Schreiben, das in vielen Einzelheiten auf die Riten der Messe und der Eucharistiefeier eingeht, verweigert Benedikt außerdem wiederverheirateten Geschiedenen erneut den Zugang zur Kommunion. Allerdings räumt er ein, es handele sich dabei "um ein dornenreiches und kompliziertes pastorales Problem". Ausdrücklich heißt es: "Die wiederverheirateten Geschiedenen gehören jedoch trotz ihrer Situation weiter zur Kirche."

Verbot sexueller Betätigung für Priester

Für nicht katholische Christen sei es "unmöglich, das Sakrament der Kommunion zu empfangen". Wörtlich fügt Benedikt hinzu: "Noch sinnloser wäre eine regelrechte Konzelebration mit Amtsträgern anderer Kirchen." Eindeutig bekräftigt der deutsche Papst auch das Verbot sexueller Betätigung für Priester. "Der in Reife, Freude und Hingabe gelebte priesterliche Zölibat ist ein sehr großer Segen für die Kirche und die Gesellschaft"

Außerdem appellierte Benedikt XVI. an die Politik, Gesetze zur Legalisierung von Abtreibung, Euthanasie und homosexuellen Partnerschaften abzulehnen. Die Werte der katholischen Kirche zu diesen Themen seien unverhandelbar. Die italienische Regierung hatte vor einem Monat nach langem Tauziehen einen Entwurf für ein Lebenspartnerschaftgesetz gebilligt. Danach sollen Schwule und Lesben erstmals die Möglichkeit erhalten, ihre Beziehung gesetzlich anerkennen zu lassen.

jus/dpa/AFP



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