Offizielles Schreiben Vatikan verteidigt Beichtgeheimnis - auch bei Missbrauch

Angesichts kirchlicher Missbrauchsskandale wird der Ruf nach einer Aufhebung des Beichtgeheimnisses immer lauter. Der Vatikan verbittet sich solche Angriffe auf die Freiheit der Kirche.

Papst Franziskus beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz
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Papst Franziskus beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz


Keine Regierung und kein Gesetz können das Sakrament der Beichte entweihen: Dies hat jetzt ein päpstlicher Gerichtshof in einer offiziellen Note betont.

Die "Apostolische Pönitentiarie" ist einer der drei höchsten Gerichtshöfe der katholischen Kirche und seit acht Jahrhunderten für Fragen der Beichte und des Gewissens zuständig. Offenbar fand man es an der Zeit, angesichts der Diskussion über andauernden sexuellen Missbrauch in den eigenen Reihen klarzustellen, dass eine Aufweichung des Beichtgeheimnisses zur Aufdeckung von Sexualstraftaten in der Kirche keine Option ist. "Diese Pflicht kommt direkt von Gott", heißt es in der zehnseitigen Mitteilung.

Das Beichtgeheimnis sei etwas anderes als die Vertraulichkeit, zu der Ärzte oder Anwälte angehalten sind, denn es sei nicht von außen auferlegt, sondern gehöre intrinsisch zum Sakrament und könne noch nicht einmal vom Beichtenden selbst gelöst werden.

Die meisten Staaten respektieren die kirchliche Auflage für katholische Priester, im Rahmen der Beichte anvertraute Informationen in keinem Fall weiterzugeben. Der Missbrauchsskandal aber hat die Frage aufgeworfen, ob dies weiter so gehandhabt werden sollte.

In Australien gab es die Forderung, ein Gesetz zu schaffen, das Geistliche verpflichtet, Kindesmissbrauch zu melden, auch wenn er im Rahmen der Beichte bekannt geworden ist. Bisher haben zwei der acht australischen Bundesstaaten und Territorien entsprechende Gesetze eingebracht. Andere verhandeln noch darüber.

In Kalifornien gab es im Mai einen entsprechenden Vorstoß. Der Senat des Bundesstaates verabschiedete ein Gesetz, wonach das Beichtgeheimnis gelüftet werden muss, wenn ein Priester von Missbrauch erfährt oder einen entsprechenden Verdacht hegt.

Kirchenobere in den USA und Australien haben sich gegen solche Gesetze ausgesprochen - und mit dem Schreiben des Gerichtshofs nun von offizieller Stelle Unterstützung erhalten.

Jedes politische Vorgehen, das dazu angetan sei, das Beichtgeheimnis zu verletzten, sei "ein inakzeptabler Angriff auf die Freiheit der Kirche", heißt es in dem Schreiben. Bedroht seien sowohl die Religions- als auch die Gewissensfreiheit von Beichtendem und Beichtvater. Die Kirche erhalte ihre Legitimation zudem nicht von einzelnen Staaten, sondern ausschließlich von Gott.

Opfervertreter halten die Auflösung des Beichtgeheimnisses gleichwohl für dringend angezeigt. "Kirchliche Geheimdokumente, die in den USA und Australien veröffentlicht wurden, zeigen, dass in zahlreichen Fällen die Beichte genutzt wurde, um den Missbrauchstäter von Schuld freizusprechen, sodass er sein Amt weiter wahrnehmen konnte", berichtet Anne Barrett Doyle vom Anti-Missbrauchs-Portal BishopAccountability.org. Damit werde den Schuldigen weiterer Missbrauch ermöglicht.

ala/Reuters/AP



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