Katastrophale Überschwemmungen "Venedig wurde in die Knie gezwungen"

Schiffe und Gebäude sind schwer beschädigt, Hotels und der Markusdom geflutet: Venedig erlebt ein katastrophales Hochwasser, es gibt mindestens einen Toten. Es ist die Rede von "apokalyptischen Zerstörungen".

Manuel Silvestri/ REUTERS

Die italienische Lagunenstadt Venedig ist mit einer Hochwasserkatastrophe offenbar historischen Ausmaßes konfrontiert. "Wir haben es mit apokalyptischen Zerstörungen zu tun", sagte der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia. Nach Dauerregen und starkem Wind ist das Wasser in der Nacht so hoch gestiegen wie zuletzt vor 53 Jahren.

Ein Mensch starb beim Versuch, in seinem überfluteten Haus die Entwässerungspumpe wieder in Gang zu setzen, meldete die Nachrichtenagentur Ansa. Ein weiterer Bewohner sei tot in seinem Haus gefunden worden, die Todesursache ist unklar. Bürgermeister Luigi Brugnaro sprach von einer Katastrophe und kündigte an, den Notstand auszurufen.

Die Lage ist in großen Teilen der Stadt chaotisch: Der Wind schleuderte Wasserbusse ans Ufer und versenkte einige, mindestens 60 Schiffe wurden beschädigt. Gondeln und Boote wurden aus Vertäuungen gerissen und trieben durch Kanäle. Hotels wurden überschwemmt, geflutet sind Medienberichten zufolge auch Teile des Opernhauses "La Fenice".

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Hochwasser in Venedig: Notstand in der Welterbestadt

Wasser flutete zudem den Markusdom mitsamt der Krypta, bis zu 1,10 Meter hoch soll es gestiegen sein. Auf dem weltberühmten Platz waren am Dienstag noch schaulustige Besucher durch das hüfthohe Wasser gestiefelt. Doch dann wurde es zu gefährlich, inzwischen patrouillieren dort Polizisten - in Booten.

Bürgermeister Brugnaro zeigte sich wütend - und äußerte sich besorgt: Die Stadt werde den Wassermassen bald nicht mehr gewachsen sein. "Venedig wurde in die Knie gezwungen. Der Markusdom hat schwere Schäden abbekommen, genauso wie die ganze Stadt und die Inseln", sagte er. Er macht die Klimakrise für die Katastrophe verantwortlich.

Video: Feuerwehr filmt Hochwassereinsatz

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Um kurz vor Mitternacht war das Wasser auf 187 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel gestiegen. Das sei der höchste Wert seit der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1966, teilte die Gemeinde mit. Damals waren 194 Zentimeter erreicht worden.

Wissenschaftler warnen seit Langem vor den Folgen der Erderwärmung für die Welterbestadt an der Adria: Je mehr der Meeresspiegel steigt, desto höher ist das Risiko von Überflutungen. Auch sackt der Boden in Venedig ab, wo ein Großteil der Gebäude auf Pfählen steht. Ebbe und Flut und Wellenbewegungen durch Schiffe gefährden die Bauten. Kritiker machen zudem das Ausbaggern von Fahrrinnen für große Schiffe für das Absacken verantwortlich.

"Venedig werden wir verlieren, das ist nicht umstritten", sagte vor einem Jahr Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Die Frage sei nur, wann: "Es kann Jahrhunderte dauern." Die Entwicklung sei langsam, aber unaufhaltsam. Es gebe zwar Anpassungsmöglichkeiten, diese müssten jedoch sehr groß angelegt sein (mehr darüber erfahren Sie hier).

Venedig ist immer wieder von Hochwasser betroffen, die Lage verschärft sich jedoch zunehmend. Derzeit entstehen elektronische Barrieren in der Lagune, die bei Hochwasser ausgefahren werden können. Das Projekt namens "Mose" hat sich allerdings unter anderem wegen eines Korruptionsskandals verzögert.

mxw/dpa



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PriseSalz 13.11.2019
1. Apokalyptisch?
Darunter gehts wohl nicht mehr. Und fragt mal die Holländer, die machen Euch die Schleusen eh' man sichs versehen hat. Und erzählen Euch vielleicht noch warum das Ausbaggern gar keine gute Idee ist...
Rincewind 13.11.2019
2. Venedig versinkt, nicht der Meeresspiegel steigt!
Wie schon in einer Debatte zuvor sollte man darauf hinweisen, dass Venedig einfach im Grund versinkt, da dieser nicht stabil ist. Der Meeresspiegel des Mittelmeeres SINKT durch den Klimawandel. Nur versinkt Venedig noch schneller im Erdboden...
mborevi 13.11.2019
3. Nie vergessen, das ...
... ist erst der harmlose Anfang. Regierung bitte nicht aufwecken, schlafen lassen. Irrsinn treibt weiter fröhliche Urstände in Berlin.
k70-ingo 13.11.2019
4. Elektronische Barrieren?
Was ist mit "elektronische Barrieren" gemeint? Können wir uns auf "elektronisch gesteuerte Barrieren" einigen?
didel-m 13.11.2019
5. Wie kann das sein bei erst 0,9°C Klima-Erwärmung?
Wie so oft ist das nämlich nur Wetter + Totalversagen der Behörden (Bau von Dämmwerken vergeigt).
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