Venedig Kreuzfahrtschiff rammt Touristenboot

In Venedig ist ein Kreuzfahrtschiff mit einem kleineren Touristenboot kollidiert, mindestens fünf Menschen wurden verletzt. Der Vorfall heizt die Debatte um die Überlastung der Stadt weiter an.

Giovanni Pellysate

Ein Kreuzfahrtschiff hat in der italienischen Lagunenstadt Venedig eine Anlegestelle gerammt und ist mit einem kleineren Touristenboot zusammengestoßen. Das Unglück ereignete sich am Sonntagmorgen im zentralen Kanal von Giudecca an der Haltestelle San Basilio, wie die Feuerwehr mitteilte.

Einige Passagiere des kleineren Schiffes "Michelangelo" seien aus Angst ins Wasser gesprungen, so die Zeitung "Nuova Venezia" unter Berufung auf Augenzeugen. Mindestens fünf Menschen wurden verletzt, wie die Nachrichtenagentur ADN Kronos berichtete. Die Situation sei unter Kontrolle, twitterte die italienische Feuerwehr.

Videoaufnahmen zeigen, wie das Kreuzfahrtschiff "MSC Opera" mit lautem Sirenengeheul Richtung Anlegestelle fährt und Menschen an Land in Panik davonlaufen. An Bord des Ausflugsschiffs sollen rund 130 Menschen gewesen sein. Auf der "MSC Opera" haben mehr als 3500 Passagiere Platz.

Die Ursache des Unglücks war zunächst unklar. Spekuliert wurde, dass möglicherweise das Tau des Schleppers gerissen sei und das Kreuzfahrtschiff daraufhin von starken Strömungen gegen den Kai gedrückt wurde.

Große Kreuzfahrtschiffe aus der Stadt verbannen?

Seit Jahren wird über die Schiffskolosse in der Unesco-Welterbestadt gestritten, die von Millionen Touristen besucht wird. Kritiker wollen die großen Kreuzfahrtschiffe komplett aus Venedig verbannen. Bisher fahren sie im Kanal von Giudecca in Sichtweite von Sehenswürdigkeiten wie dem Markusplatz. Der Bürgermeister der Stadt, Luigi Brugnaro, erklärte, das Unglück sei "der x-te" Beweis, dass in dem Kanal keine Kreuzfahrtriesen mehr fahren könnten. Auch Italiens Verkehrsminister Danilo Toninelli erklärte, Venedig müsse besser geschützt werden.

Geplant ist, dass die besonders großen Kreuzfahrtschiffe eine weniger spektakuläre Route um die Stadt fahren und in der Industriegegend Marghera anlegen. Über dieses Projekt wird allerdings auch seit Jahren debattiert.

Die Unesco hat Venedig bereits gewarnt, dass die Riesenschiffe den Status der Stadt als Welterbe gefährdeten. Umweltschützer sehen hohe Risiken für das besondere Ökosystem der Lagune. Unternehmer wähnen dagegen ihr Geschäft in Gefahr, wenn man die Schiffe verbannt.

wbr/dpa/AFP



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