Neue Hochwasserschutzanlage Mose Venedig macht die Schotten dicht

78 Fluttore, jedes gut 250 Tonnen schwer, sollen Venedig in Zukunft vor verheerenden Hochwassern schützen. Fast zwei Jahrzehnte wurde an der Anlage gebaut, nun muss sie ihren ersten Praxistest bestehen.
Die Tore der Flutschutzanlage Mose verschließen alle drei Zugänge zur Lagune von Venedig

Die Tore der Flutschutzanlage Mose verschließen alle drei Zugänge zur Lagune von Venedig

Foto: Andrea Pattaro / AFP

Nach Unwettern in Norditalien hat Venedig am Samstag die neue Hochwasserschutzanlage Mose hochgefahren. Die Tore der Flutschleusen seien in Betrieb genommen worden, schrieb die Nachrichtenagentur Ansa. Die neu gebaute Anlage war in den vergangenen Monaten ausgiebig getestet worden, jedoch noch nicht bei Hochwasser. Sie soll Überflutungen in der Lagunenstadt verhindern.

In Venedig kommt es besonders im Herbst und Winter häufig zu Überschwemmungen. Herrscht während einer außergewöhnlich starken Flut gleichzeitig niedriger Luftdruck, schiebt Sahara-Wind das Wasser bis in die Kanäle. Im vergangenen November führten zusätzliche, heftige Regenfälle zu den schlimmsten Überflutungen seit mehr als 50 Jahren. Die Stadt musste den Notstand ausrufen, die Schäden waren enorm.

Das Unglück hätte verhindert werden können. Um Venedig vor der steigenden Zahl an Hochwassern zu schützen (mehr zu den Ursachen lesen Sie hier), baut die Stadt seit Anfang der Neunzigerjahre an einem riesigen Bollwerk, das sie vor Fluten schützen und vom steigenden Meeresspiegel abschirmen soll.

Am Samstagmorgen wurden erstmals bei einem drohenden Hochwasser die 78 Fluttore hochgefahren. Sie sollen die drei Zugänge zur Lagune von Venedig verschließen. Jedes Tor wiegt gut 250 Tonnen und ist bis zu fünf Meter dick, 20 Meter breit und 30 Meter hoch.

Unwetter: Starke Schäden in Norditalien und Südfrankreich

Mit der Entscheidung reagieren die Behörden auch auf heftige Unwetter, die in der Nacht zum Samstag mit Regen und Sturm im Norden Italiens verheerende Schäden angerichtet hatten. Ein freiwilliger Feuerwehrmann wurde bei einer Rettungsaktion im Aostatal durch einen umgestürzten Baum getötet, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Samstagmorgen berichtete.

Auch in anderen Regionen wie in Ligurien und im Piemont führten überschwemmte Flüsse und umgekippte Bäume zu starken Schäden. Zahlreiche Menschen wurden nach Feuerwehrangaben vermisst. "Die Lage ist dramatisch", berichteten die Retter aus dem Alpengebiet um die Stadt Cuneo. Viele Telefone funktionierten nicht. Allein aus der Region Piemont meldeten die Behörden am Mittag elf Vermisste. Auch eine deutsche Trekkinggruppe habe sich zunächst nicht bei einem Hotelier gemeldet, der sie nach einer mehrtägigen Tour bei Terme di Valdieri abholen sollte, hieß es.

In Südfrankreich werden nach Unwettern mit sintflutartigen Regenfällen und Überschwemmungen ebenfalls mehrere Menschen vermisst. Unter den Betroffenen befanden sich nach Feuerwehrangaben auch zwei Feuerwehrleute, deren Fahrzeug während eines Einsatzes von Fluten mitgerissen wurde. Mehrere Dörfer im Hinterland der Côte d'Azur waren von der Außenwelt abgeschnitten. An einigen Orten drohten Erdrutsche, sodass auch am Samstag viele Straßen gesperrt blieben.

Anmerkung: In einer früheren Version war das Gewicht der Fluttore im Vorspann mit Kilogramm statt Tonnen angegeben. Wir haben den Fehler korrigiert.

irb/AFP/dpa
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