Verbrechen Amokläufer mit Samuraischwert durch Kirche gestürmt

In Stuttgart ist ein Amokläufer während eines Gottesdienstes in eine Kirche gestürmt und hat mit einem Samuraischwert um sich geschlagen. Er tötete einen Menschen und verletzte mehrere. Die Polizei spricht von einem "Bild des Grauens".


Stuttgart Zuffenhausen: Abgedeckte Leiche eines Opfers
AP

Stuttgart Zuffenhausen: Abgedeckte Leiche eines Opfers

Stuttgart - Der erste Notruf ging um 15.48 Uhr bei der Polizei ein. Was die Beamten wenige Minuten später am Tatort im Stadtteil Zuffenhausen vorfanden, war, so eine Polizeisprecherin, "ein Bild des Grauens". Mitten in einem Gottesdienst war ein Amokläufer über die versammelte Gemeinde in der evangelisch-methodistischen Kirche hergefallen.

Der 25 Jahre alte Tamile hatte, bewaffnet mit einem Samurai-Schwert und einer Pistole, die Kirche gestürmt. Er tötete eine 43 Jahre alte Frau, verletzte eine weitere Frau lebensgefährlich und zwei Männer schwer. Einem der Männer hackte er eine Hand ab. Bei den Opfern handelt es sich ebenfalls um Tamilen, die von dem Täter wahllos angegriffen wurden, wie die Polizei mitteilte. Er wurde von Polizisten mit Pfefferspray überwältigt und festgenommen.

"Der Tamile hat ein Blutbad angerichtet", sagte Kriminaldirektor Michael Kühner. Die Polizei geht von einem persönlichen Racheakt aus und berichtete, er habe bereits einmal vor Ostern Gottesdienstbesucher bedroht. Kühner betonte: "Das Drama war nicht vorauszusehen." Der Täter sei Polizei bekannt und komme aus dem Großraum Stuttgart. Er soll am (morgigen) Montag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Zur Zeit der Tat befanden sich etwa 65 Besucher eines tamilischen Gottesdienstes in der Kirche, darunter zur Hälfte Kinder. In der Nähe des Eingangs kam es zu tumultartigen Szenen, wie Kühner mitteilte. Besucher hätten zum Teil mit Stühlen bewaffnet versucht, den Mann herauszudrängen. Daraufhin habe der Täter wahllos auf Menschen eingestochen, die in seinem Weg standen.

Eine 43-jährige Frau starb an ihren Stichverletzungen. Die andere lebensgefährlich verletzte Frau rang nach Polizeiangaben mit dem Tod. Über die Identität der Opfer konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen.

Die Gottesdienstbesucher wurden von einem Kriseninterventionsteam psychologisch betreut. Einige hatten per Notruf die Polizei alarmiert. "Es ist die Rede von abgeschlagenen Gliedmaßen, die in der Kirche herumlagen", sagte Polizeisprecherin Sybille Ahlborn.

Eine 56-jährige Nachbarin sah eine blutüberströmte Frau laut schreiend aus der Kirche auf die Cheruskerstraße laufen. Dort kümmerten sich Sanitäter um die lebensgefährlich Verletzte und brachten sie ins Krankenhaus. Das Opfer hinterließ auf der Straße eine große Blutlache. Der Tote lag eine Zeit lang unter einer grauen Plane vor dem Eingang der Kirche.

In den vergangenen Jahren hatte es mehrfach Amokläufe mit Schwertern gegeben. Erst im Oktober vergangenen Jahres metzelte ein 22-Jähriger den Besitzer eines Waffenladens in Amberg in der Oberpfalz mit einer Machete nieder.

Wie ein Samurai mit freiem Oberkörper tötete zudem im April 2004 ein 25 Jahre alter Mann in Schleswig-Holstein einen 22-Jährigen mit sechs Schwertstichen. Im September 2003 hatte ein junger Versandhaus-Angestellten aus Pforzheim einer Kollegin ebenfalls den Schädel gespalten. Und im Juni 2002 hatte ein 22-Jähriger in Bayern seine Mutter mit einem Schwert geköpft.



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