Verdacht auf giftige Fracht Verletzte bei Feuer im Eurotunnel

Feuer im Tunnel unter dem Ärmelkanal: Elf Kilometer vor der französischen Küste ist auf einem Zug, der durch den Eurotunnel fährt, ein Brand ausgebrochen. Es besteht der Verdacht, dass er einen Lastwagen mit giftigen Chemikalien geladen hatte. Mehrere Menschen wurden leicht verletzt.


London - Schwerer Zwischenfall unter Wasser: Der Kanaltunnel zwischen Frankreich und Großbritannien, durch den auch der Hochgeschwindigkeitszug Eurostar fährt, ist am Donnerstag wegen eines Brandes gesperrt worden. Französischen Medienberichten zufolge soll ein Lastwagen mit hochtoxischer Ladung gebrannt haben. Dabei habe es sich um die Chemikalie Phenol gehandelt, die für pharmazeutische Produkte verwendet wird.

Eurotunnel: Keine Gefahr für Leib und Leben
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Eurotunnel: Keine Gefahr für Leib und Leben

Möglicherweise hätte dieser Stoff gar nicht mit dem Zug durch den Tunnel transportiert werden dürfen, berichteten Medien unter Berufung auf Behördenangaben. Nach Darstellung der Rettungskräfte habe das Feuer auf drei Lastwagen übergegriffen. Sechs Menschen erlitten demnach eine leichte Rauchvergiftung, acht weitere wurden teilweise durch zersplitterndes Glas leicht verletzt. Gefahr für Leib und Leben bestehe nicht, teilte der Tunnelbetreiber Eurotunnel mit.

32 Menschen, darunter vor allem Lastwagenfahrer, wurden durch einen weiteren Tunnel in Sicherheit gebracht. Der Tunnel bleibt nach Angaben der Eisenbahngesellschaft SNCF voraussichtlich bis Freitagvormittag gesperrt.

Das Unglück ereignete sich den Angaben zufolge gegen 15.55 Uhr. Der Frachtzug war auf dem Weg von Calais nach Folkestone, als rund elf Kilometer von der französischen Hafenstadt entfernt das Feuer ausbrach. Der Zugverkehr wurde eingestellt, wie das Unternehmen Eurostar mitteilte. Es sei aber zum Zeitpunkt des Notfalls keiner der Passagierzüge in dem Tunnel gewesen.

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Neben dem Eurostar wird der längste Unterwassertunnel der Welt auf einer getrennten Trasse für den Frachtverkehr und für Autozüge genutzt. Ein dritter Sicherheitstunnel ist als Servicetunnel auch für Evakuierungen vorgesehen. Medienangaben zufolge brach das Feuer wahrscheinlich aus, als ein Lastwagen auf dem Frachtzug umstürzte.

Die Feuerwehr der südenglischen Grafschaft Kent schickte wegen des nach eigenen Angaben "ernsten Vorfalles" Unterstützung an den Unfallort. Ein Zug sei unterwegs und bringe die Menschen zurück nach Frankreich. Ein Sprecher der Rettungskräfte in Südost-England sagte, es gebe keine Berichte über Verletzte. Die Betreibergesellschaft forderte Reisende dazu auf, ihre Pläne zu ändern und den Ärmelkanal zunächst zu meiden. Auf beiden Seiten des Tunnels bildeten sich lange Warteschlangen und Staus.

Der 50 Kilometer lange Channel Tunnel läuft unter dem Ärmelkanal und ist mit zehn Milliarden Pfund eines der teuersten Bahnprojekte Großbritanniens. Er wurde nach einer Bauzeit von sieben Jahren 1994 eröffnet. Der Schnellzug Eurostar verbindet die Städte Paris, London und Brüssel und gilt als Prestigeprojekt der Länder. In den ersten drei Monaten dieses Jahres fuhren 2,17 Millionen Passagiere mit dem Eurostar, ein Plus von 21,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Der Tunnel wurde schon einmal im Jahr 1996 bei einem Feuer schwer beschädigt. Damals geriet ein Zug, der Lastwagen transportierte, in Brand. Das Feuer brannte mehrere Stunden und verursachte einen Schaden von 200 Millionen Pfund.

amz/jjc/AP/dpa/AFP



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