Verdacht bestätigt Organspenderin war mit Tollwut infiziert

Untersuchungen lassen keinen Zweifel mehr zu: Eine junge Frau, deren Organe kurz nach ihrem Tod anderen Patienten eingepflanzt wurden, war tatsächlich mit Tollwut infiziert. Der Zustand der sechs Organempfänger ist teilweise sehr kritisch.


Neu-Isenburg - Die Deutsche Stiftung Organtransplantation räumte heute in Neu-Isenburg letzte Zweifel aus. Der Verdacht sei an Hand histologischer und immunhistologischer Untersuchungen des Hirngewebes der Spenderin am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg bestätigt worden. "Es gibt keinen Zweifel mehr an der Diagnose", sagte Herbert Schmitz, Direktor der Abteilung Virologie des Bernhard-Nocht-Institutes, "die untersuchten Gewebeproben ergaben einen eindeutigen Befund".

Die 26-Jährige, der nach ihrem Tod im Dezember in der Mainzer Universitätsklinik Lunge, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Leber und Augenhornhäute entnommen worden waren, hatte sich vermutlich bei einer Indien-Reise mit dem tödlichen Virus angesteckt. Sie hatte jedoch keinerlei Tollwut-Symptome gezeigt.

Drei der sechs Organempfänger befinden sich weiter in kritischem Zustand. Bei dem auf der Intensivstation der Marburger Uni-Klinik liegenden Mann sei ein langsames Fortschreiten des Krankheitsbildes festzustellen, teilte die Klinikleitung mit. Der Zustand der Tollwut-Patientin in der Medizinischen Hochschule Hannover bleibt ebenfalls ernst. Einzelheiten zum Befinden der Frau, die eine Lunge von der Mainzer Spenderin bekommen hatte, wollte die Klinik mit Verweis auf die ärztliche Schweigepflicht nicht bekannt geben. Ein zweiter in Niedersachsen betroffener Patient liegt im Nephrologischen Zentrum Hannoversch Münden. Der 70-Jährige hatte Anfang Januar eine Niere der Spenderin bekommen. Es gebe kaum Hoffnung, sein Leben zu retten, sagte der Ärztliche Direktor Kliem.

Der Empfänger einer Leberspende in Heidelberg zeigt dagegen nach Angaben der Universitätsklinik weiterhin keine Tollwut-Symptome. Auch bei zwei weiteren Patienten, die in der Uni-Klinik Mainz behandelt werden, sind weiterhin keine Anzeichen einer Erkrankung aufgetreten. Den beiden gehe es gut, teilte das Krankenhaus mit. Sie seien von den übrigen Patienten isoliert.



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