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TEXTILIEN Verdächtig günstig

Franz-Josef Wortmann, 46, Leiter der Faseranalytik am Deutschen Wollforschungsinstitut der Technischen Hochschule Aachen, über angebliche Betrügereien bei der Kennzeichnung von Kaschmirware
aus DER SPIEGEL 5/1999

SPIEGEL: Vergangene Woche erschienen Presseberichte, wonach 60 Prozent der als Kaschmir gekennzeichneten Wolltextilien getürkt seien. Sollten die Kunden bei ihren Beutezügen im Schlußverkauf mißtrauischer sein?

Wortmann: Das Ganze ist nicht so dramatisch. Falsch gekennzeichnet sind nicht 60 Prozent der im normalen Handel erhältlichen Produkte, sondern 60 Prozent der Ware, die zum Beispiel den Einkäufern großer Kaufhäuser angeboten wird.

SPIEGEL: Und die wenden sich an Sie, weil sie unsicher sind?

Wortmann: Ja, etwa wenn sie große Posten Kaschmirpullover zu verdächtig günstigen Preisen kaufen können. Sie wollen wissen, ob alles mit rechten Dingen zugeht.

SPIEGEL: Dennoch: Das große Angebot an Kaschmirware zu ungewöhnlich niedrigen Preisen erstaunt zur Zeit viele Kunden.

Wortmann: Dafür ist die angespannte wirtschaftliche Lage in Asien verantwortlich. Die Hersteller der Rohstoffe und der Textilien verkaufen zu niedrigeren Preisen.

SPIEGEL: Auffällig sind die Preisschwankungen: Im Handel sind Pullover für 150, aber auch für 500 Mark.

Wortmann: Es gibt dicke und dünne Kaschmirfasern: je dünner die Faser, desto höher der Preis.

SPIEGEL: Also totale Entwarnung?

Wortmann: In den Kaufhäusern schon. Aber ich würde für nichts garantieren, was auf einer Kaffeefahrt verkauft wird.

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