Vereiteltes Flugzeugattentat Behörden leiten Verfahren gegen Terrorverdächtigen ein

Gegen den verhinderten Flugzeugattentäter von Detroit läuft offiziell ein Ermittlungsverfahren der US-Behörden, jetzt muss der Nigerianer vor Gericht erscheinen. Ermittler fanden bei Untersuchungen hochexplosiven Sprengstoff - den der 23-Jährige an Bord des Northwest-Jets zünden wollte.

AP

Washington - Nach dem vereitelten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug ist der aus Nigeria stammende Täter von der US-Justiz angeklagt worden. Umar Faruk Abdulmutallab werde zur Last gelegt, er habe die Maschine zerstören wollen und zudem einen Sprengsatz an Bord gebracht, teilte das US-Justizministerium am Samstag mit. Die Bombe habe einer ersten Analyse der US-Ermittler zufolge Pentaerythritol (PETN) enthalten, einen hochexplosiven Sprengstoff.

"Hätte dieser Plan, das Flugzeug zu zerstören, Erfolg gehabt, wären Dutzende von unschuldigen Menschen getötet oder verletzt worden", sagte US-Justizminister Eric Holder. Der Vorfall werde weiterhin mit Hochdruck untersucht. Abdulmutallab sollte noch im Laufe des Samstags (Ortszeit) vor Gericht erscheinen.

Inzwischen wurden weitere Details zu den Vorgängen an Bord von Flug 253 bekannt. Laut Augenzeugen hielt sich der Verdächtige kurz vor dem Zwischenfall rund 20 Minuten auf der Toilette auf, dann sei er auf seinen Sitzplatz zurückgekehrt. Dort soll er gegenüber Mitreisenden über Magenprobleme geklagt und sich mit einer Decke verhüllt haben.

Kurz darauf seien Geräusche wie bei einem Feuerwerk zu hören gewesen, dann habe Abdulmutallabs Kleidung Feuer gefangen. Sekunden später wurde der Mann von Reisenden und Bordpersonal überwältigt. Wegen schwerer Verbrennungen am Bein wird er derzeit in einem US-Krankenhaus behandelt. In der Nähe des Sitzes fanden Ermittler eine teils geschmolzene Spritze, mit der der Verdächtige ein Pulvergemisch an seinem Bein zur Explosion hatte bringen wollen.

Nach Informationen von ABCNews und dem "Wall Street Journal" hatte Abdulmutallabs, dessen Vater in Nigeria ein Ministeramt innehatte und zudem als Bankier arbeitet, in Verhören Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida angedeutet. Er habe den Sprengsatz im Jemen erhalten, ebenso die Anweisungen, wie und wo die Substanz zu mischen sei.

Die Behörden haben die Informationen bislang nicht bestätigt - im Gegenteil: Wer weiß, ob das stimmt", wird ein hochrangiger Behördenvertreter im "Wall Street Journal" zitiert. CNN berichtet, dass es nach ersten Verhören eher nach dem Werk eines Einzeltäters aussehe. Abdulmutallab erzähle dem FBI "eine Menge", zitierte der Sender einen namentlich nicht genannten Regierungsvertreter. Es gebe bisher keine Hinweise, dass der Mann wirklich Kontakte zu organisierten Terrorgruppen habe.

Vater soll US-Botschaft gewarnt haben

Dabei soll Abdulmutallab den US-Behörden bereits vor dem versuchten Anschlag bekannt gewesen sein. Die "New York Times" berichtet, Vater Alhaji Umaru Mutallab habe sich schon vor einiger Zeit bei der US-Botschaft in Abuja besorgt über die radikalen Ansichten seines Sohnes geäußert.

Nähere Informationen habe der Vater aber nicht gehabt. Deshalb sei der 23-Jährige nicht auf eine Liste gesetzt worden, die ihm Flüge in die USA verboten oder ihn besonderen Sicherheitskontrollen unterworfen hätten. Die Informationen hätten auch nicht ausgereicht, Abdulmutallab das im Juni 2008 erteilte Besuchervisum für die USA wieder zu entziehen.

USA verschärfen Passagier-Kontrollen

Die US-Heimatschutzministerium verschärfte inzwischen die Kontrollen für alle Flüge. Zugleich arbeiteten die USA eng mit anderen Regierungen zusammen, um die Sicherheitsvorkehrungen auf Flughäfen und in Maschinen zu verstärken, sagte Heimatschutzministerin Janet Napolitano. Wer aus dem Ausland in die USA fliege, müsse sich auf zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen einstellen.

Die EU-Kommission untersucht derweil, ob alle Sicherheitsregeln in Europa eingehalten wurden. "Ich bin entsetzt über die versuchte Terrorattacke auf einem Flug von Amsterdam nach Detroit am Weihnachtstag", erklärte EU-Innen- und Justizkommissar Jacques Barrot. Niederländische Parlamentarier fordern nun eine lückenlose Aufklärung der Umstände: Das Justizministerium müsse erklären, wie der Nigerianer am Airport Schiphol explosionsfähiges Material mit an Bord der Maschine bringen konnte. Der Ruf des Amsterdamer Flughafens als zuverlässiges internationales Luftdrehkreuz stehe auf dem Spiel, erklärte der Abgeordnete der regierenden Sozialdemokraten, Ton Heerts.

jok/dpa/REUTERS/APD

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Seite 1
pietro-del-cesare 27.12.2009
1.
Zitat von sysopGegen den verhinderten Flugzeugattentäter von Detroit läuft nun offiziell ein Ermittlungsverfahren der US-Behörden, jetzt muss der Nigerianer vor Gericht erscheinen. Ermittler fanden bei Untersuchungen hochexplosiven Sprengstoff - den der 23-Jährige an Bord des Northwest-Jets zünden wollte. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,669112,00.html
Zugleich arbeiteten die USA eng mit anderen Regierungen zusammen, um die Sicherheitsvorkehrungen auf Flughäfen und in Maschinen zu verstärken, sagte Heimatschutzministerin Janet Napolitano. Wer aus dem Ausland in die USA fliege, müsse sich auf zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen einstellen. Bin gespannt, wie diese zusätzlichen Maßnahmen aussehen sollen. Da gibt's bestimmt was zu schmunzeln.
petsche 27.12.2009
2. Terrorverdaechtigen
Der arme missgeleitete Mann ist ein Opfer der Gesellschaft und sollte einige Millionen Euro Schmerzensgeld und einen persoenlichen Psychiater bekommen.
Querspass 27.12.2009
3. Na sowas auch.
Zitat von sysopGegen den verhinderten Flugzeugattentäter von Detroit läuft nun offiziell ein Ermittlungsverfahren der US-Behörden, jetzt muss der Nigerianer vor Gericht erscheinen. Ermittler fanden bei Untersuchungen hochexplosiven Sprengstoff - den der 23-Jährige an Bord des Northwest-Jets zünden wollte. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,669112,00.html
Heutzutage reist man mit Schweinegrippe o.ä.. Wenn man "Glück" hat, gibts mehr Tote.
eidechsenkino 27.12.2009
4. nicht vereitelt
was soll diese falschmeldung? der anschlag wurde NICHT vereitelt. er hat "nur" nicht funktioniert. glück gehabt.
chrisfritsch 27.12.2009
5. Da stimmt doch was nicht...
PETN (Pentaerythrittetranitrat, Nitropenta, "Plastik"sprengstoff) ist ein kommerzieller, weit verbereiteter Sprengstoff der ohne Weiteres nicht gezündet werden kann. Um diesen Sprengstoff zu zünden, benötigt man einen hohen Druck UND eine hohe Temperatur, wie sie nur von sogenannten Initialsprengstoffen, die in Sprengzündern verwendet werden, zu erwarten sind. Eine hohe Temperatur und einen hohen Druck in einer handelsüblichen Spritze zu erzeugen ist wohl sehr unwahrscheinlich. Außerdem ist Nitropenta sehr einfach zu dedektieren. Es gibt keinen bekannten Sprengstoff, der ohne größeren Aufwand unbemerkt von Laien in einer Flugzeugtoilette zu synthetisieren ist und dann auch noch ohne Initialladung reagiert...
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