Verheerendes Beben in Peru Über 500 Tote, verzweifelte Suche nach Überlebenden

Mehr als 500 Menschen starben, über 1500 wurden verletzt: Nach dem schwersten Erdbeben in Peru seit 40 Jahren suchen Rettungskräfte fieberhaft nach Überlebenden unter den Trümmern. Das Land hat eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.


Pisco - Die Regierung spricht von mehr als 500 Toten - jetzt reagiert die Staatengemeinschaft: Das Auswärtige Amt stellte nach eigenen Angaben 200.000 Euro Soforthilfe bereit, Kanada kündigte Hilfen in Höhe von umgerechnet 1,4 Millionen Euro an. Ihre Unterstützung boten unter anderem auch die USA, Spanien, Italien und zahlreiche südamerikanische Staaten an.

Über 500 Tote: Peru erlebte das schwerste Erdbeben seit fast 40 Jahren
AFP

Über 500 Tote: Peru erlebte das schwerste Erdbeben seit fast 40 Jahren

Nach dem Beben der Stärke acht auf der Richterskala in Perus Küstenregion wurden unter den Trümmern noch zahlreiche Tote vermutet. Die Regierung in Lima richtete eine Luftbrücke zur Versorgung der Katastrophengebiete ein, die von hunderten Nachbeben erschüttert wurden.

Präsident Alan García, der die Erdbebengebiete besuchte, rief eine dreitägige Volkstrauer aus, während der alle öffentlichen Einrichtungen geschlossen bleiben. Ein Feuerwehrsprecher hatte zuvor mitgeteilt, die Opferzahlen seien auf 500 bis 510 Tote und 1600 Verletzte gestiegen.

In der am meisten betroffenen Stadt Pisco konnten sechs Menschen aus den Trümmern einer Kirche gerettet werden. Zum Zeitpunkt des Bebens war eine große Trauergemeinde in dem Gotteshaus versammelt. In Chincha nutzten nach Behördenangaben 600 Häftlinge das Beben zur Flucht. Bislang wurden nach Angaben der Justizbehörden nur 29 Gefangene wieder festgenommen.

Das 130.000 Einwohner zählende Pisco wurde nach Angaben von Bürgermeisters Juan Mendoza zu 70 Prozent zerstört. Im gesamten Erdbebengebiet waren Häuser eingestürzt, Strommasten umgeknickt und Straßendecken aufgerissen worden. In Peru galt die höchste Stufe des Katastrophenalarms. Weiterhin campierten zahlreiche Menschen auf den Straßen, weil sie sich aus Angst vor weiteren Erdstößen nicht zurück in ihre Häuser trauten. Mehr als 300 Nachbeben erschütterten die Region.

In Lima brachen zwei Flieger der peruanischen Luftwaffe zum 300 Kilometer entfernten Ica auf, um die besonders betroffene Stadt an der Südküste des Landes mit 50 Tonnen Hilfsgütern zu versorgen. In die benachbarten Städte Pisco und Chincha wurden zwei Hubschrauber der Bundespolizei geschickt, die insbesondere Zelte an Bord hatten. Auch das Internationale Rote Kreuz in Genf schickte zwei Flugzeuge mit Hilfsgütern.

24 Stunden nach dem Erdstoß der Stärke 8,0 sagte Gesundheitsminister Carlos Vallejos bei Einbruch der Dunkelheit, die Wahrscheinlichkeit sinke, dass es noch Überlebende unter den Trümmern eingestürzter Häuser gebe.

Möglicherweise gab es mehrere ausländische Opfer, zumal das Touristengebiet Paracas in der Nähe von Pisco von dem Beben betroffen war. Dort wurden zudem mehrere Fischerdörfer durch Tsunamis überschwemmt. Das US-Außenministerium teilte den Tod eines US-Bürgers mit. Das Auswärtige Amt erklärte, die Deutsche Botschaft in Lima stehe in Kontakt mit den Behörden um zu prüfen, ob eventuell Deutsche unter den Betroffenen seien. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Horst Köhler und Außenminister Frank-Walter Steinmeier schickten Kondolenzschreiben an Präsident García.

Dem US-Institut für Geologische Überwachung (USGS) zufolge lag das Epizentrum des Bebens im Meer vor der Küste Perus etwa 150 Kilometer südwestlich von Lima in 30 Kilometer Tiefe. Es war das schwerste Erdbeben in Peru seit fast 40 Jahren. Überhaupt gibt es Erdstöße der Stärke Acht laut USGS im Durchschnitt weltweit nur einmal im Jahr. Bei einem ähnlich starken Beben waren im Jahr 1970 in Peru rund 70.000 Menschen ums Leben gekommen.

flo/AFP/AP



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