Verletzte in spanischer Arena Ein Stier sieht rot

Ein gereizter Bulle hat die Zuschauertribüne einer Stierkampfarena in Nordspanien gestürmt. Menschen flohen in Panik, Dutzende wurden verletzt. Mitarbeiter konnten das Tier erst nach etwa 15 Minuten stoppen. Es wurde anschließend getötet.
Verletzte in spanischer Arena: Ein Stier sieht rot

Verletzte in spanischer Arena: Ein Stier sieht rot

Foto: ALBERTO GALDONA/ AFP

Madrid - Während eines Stierkampfes in der nordspanischen Stadt Tafalla nahm ein Bulle Anlauf, machte einen gewaltigen Satz und sprang auf die vollbesetzte Tribüne der Arena. Das Tier kletterte die Zuschauerränge hoch und stürmte mit gesenkten Hörnern auf Besucher zu, die in Panik auseinanderrannten.

Fernsehbilder zeigten dramatische Szenen von kreischenden Menschen, darunter auch Kinder, die versuchten, sich vor dem Stier in Sicherheit zu bringen. Mehrere Menschen in roten Hemden und T-Shirts waren unter den Verletzten, was jedoch kein Beleg für eine bewusste Handlung des Tieres ist. Wie die meisten Säugetiere haben auch Stiere keine Farbwahrnehmung.

32 Menschen wurden vor allem wegen diverser Prellungen und Quetschungen in Krankenhäusern in Tafalla und Pamplona behandelt, wie die Regierung der nordspanischen Region Navarra mitteilte. Noch in der Arena seien einige weitere Zuschauer mit Angstzuständen und leichten Prellungen versorgt worden.

Nach etwa 15 Minuten stoppten Mitarbeiter der Arena den mehr als eine halbe Tonne schwere Bullen, der den Namen "Quesero" trug. Sie fesselten ihn mit Stricken und töteten ihn später.

Schon vor dem Vorfall hatte der Stier während der Vorstellung zwei Mal versucht, die Absperrungen zu durchbrechen, wobei er sich ein Horn abbrach. Das Tier hatte gerade aus der Arena weggebracht werden sollen, als es zu seinem Angriff startete.

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Spanien: Drama bei Stierkampf

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Eine junge Frau sagte dem baskischen Fernsehen nach dem Zwischenfall: "Ich hatte Panik. Ich rannte heulend aus dem Stadion. Eine andere Frau sagte, sie sei in die Arena gefallen. Die Menschen seien übereinander gestolpert: "Es war schrecklich."

Drei Verletzte mussten in einem Krankenhaus in Pamplona am Donnerstag noch in Behandlung bleiben. Es handelte sich um einen zehnjährigen Jungen mit einer Bauchverletzung, dessen Zustand aber stabil sei. Auch eine 23-Jährige, die an einem Rückenwirbel verletzt wurde, sowie ein 47-Jähriger, den der Stier am Rücken aufgespießt hatte, blieben in der Klinik. Sie seien aber auf der Weg der Besserung, hieß es.

Es passiert gelegentlich, dass ein Stier die Absperrungen durchbricht, aber äußerst selten gelangt ein Tier bis in die Zuschauerränge. Der Vorfall in der Arena von Tafalla nahe Pamplona in der Region Navarra ereignete sich nicht während eines klassischen Stierkampfes, bei dem das Tier getötet wird, sondern bei einem Wettkampf von "Recortadores". Diese versuchen, dem Tier auszuweichen, während sie stets in seiner Nähe bleiben.

In Spanien wird derzeit lebhaft über den Stierkampf debattiert, nachdem die Region Katalonien ihn Ende Juli verboten hatte. Katalonien brach als erste spanische Region auf dem Festland mit der jahrhundertealten Tradition.

Ende Mai rammte ein 530 Kilo schwerer Stier sein Horn in den Kiefer des Toreros Julio Aparicio. Nur wenige Wochen später gab Aparacio sein Comeback - und machte das Geschäft seines Lebens.

siu/apn/AFP/dpa