Rettungsmission in Riesending-Höhle Österreichischer Arzt auf dem Weg zu verletztem Forscher

Ein Höhlenforscher wartet in den Berchtesgadener Alpen in 1000 Metern Tiefe weiter auf medizinische Hilfe - doch nun kommen die Retter voran. Ein Arzt aus Österreich wird in den Berg steigen. Der Weg zum Einsatzort wird ihm alles abverlangen.

Aus Berchtesgaden berichtet


"Bauernhof mit Milchvieh in Alleinlage", so wirbt der Schnitzhof für seine Ferienwohnung für zwei bis sechs Personen in Marktschellenberg. Aber derzeit ist nicht viel mit bäuerlicher Idylle, vielmehr spielt sich vor der Haustür des Hofes zwischen Berchtesgaden und Salzburg ein Teil der dramatischen Rettungsaktion für den 52-jährigen Höhlenforscher Johann Westhauser ab, der an Pfingsten in der Riesending-Schachthöhle verunglückt war und seitdem in rund 1000 Meter Tiefe auf seine Rettung wartet.

Mit roten Fahnen wurde eine Wiese vor dem Hof provisorisch zu einem Hubschrauberlandeplatz markiert. Regelmäßig starten und landen hier jetzt die zwei Hubschrauber, die derzeit für die Aktion im Einsatz sind. Am Dienstagmittag steigt die Gruppe in die blaue Maschine der Bundespolizei, die die Rettung des Mannes einen wichtigen Schritt voranbringen soll. An Bord: ein Schweizer Team und ein Arzt aus Österreich. Über die österreichische Höhlenrettung war es gelungen, einen Mediziner zu finden, der für die heikle Mission geeignet ist. Zudem sind nun ein Arzt aus Frankfurt am Main und einer aus Mailand involviert, sie bereiten sich bereits auf ihren Einsatz vor.

Der Weg zum Unfallort ist beschwerlich und riskant: Bereits am Einstieg in die Höhle am Untersberg in rund 1800 Meter Höhe geht es per Seil zunächst 300 Meter in die Tiefe. "Es gibt Kriechstrecken und Abseilstrecken", sagt Roland Ampenberger, Sprecher der bayerischen Bergwacht.

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Zuletzt hatte ein Mediziner zusammen mit Rettern versucht, in die Höhle zu gelangen. Der Arzt war zuvor aber bereits stundenlang im Noteinsatz und hatte seinen Versuch abbrechen müssen. Umso glücklicher sind die Einsatzkräfte, dass es gelungen ist, einen weiteren Mediziner mit Höhlenerfahrung ausfindig zu machen. Für den Einsatz sei "körperliche und psychische Höchstleistung" nötig, sagt Stefan Schneider, stellvertretender Vorsitzender der bayerischen Bergwacht.

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Schwerverletzter in Alpen-Höhle: Dutzende Helfer im Einsatz
Den Angaben der Bergwacht zufolge hat sich der Gesundheitszustand des Mannes verbessert. Er leidet unter einer Hirnverletzung, sei aber "dauerhaft ansprechbar". Zudem kann er offenbar zumindest vorübergehend aus eigener Kraft stehen und gestützt wenige Schritte gehen. Dies dürfte für die Bergung des Mannes von entscheidender Bedeutung sein - endgültige Klarheit wird es darüber aber erst geben, wenn der Arzt das Unfallopfer untersucht hat. Wegen des anspruchsvollen Weges in der Höhle - das erste Schweizer Team benötigte dafür rund zehn Stunden - wird damit gerechnet, dass das zweite Schweizer Team nicht vor Mitternacht vor Ort sein wird.

Das zweite Team hat weitere Medikamente im Gepäck. Auch Nahrungsmittel sind dabei. Zuletzt waren bereits Ein-Mann-Pakete der Bundeswehr, Wasser, Apfelschorle, Müsliriegel und Obst für das Unfallopfer und die Einsatzkräfte in die Höhle transportiert worden.

Restrisiko für die Retter

Ein erster Erfolg ist den Einsatzkräften bereits gelungen: Eine Funkverbindung wurde aufgebaut, sodass es einen dauerhaften Kontakt zwischen den Helfern und dem Unfallopfer unten in der Höhle sowie den weiteren Einsatzkräften gibt. Insgesamt sind derzeit rund 80 Einsatzkräfte beteiligt, neben deutschen Experten sind Spezialisten aus Österreich, Italien und der Schweiz dabei.

In den vergangenen Tagen wurden in der Höhle fünf Biwakstationen eingerichtet. Als denkbar gilt, dass der Mann etappenweise aus der Höhle transportiert wird, von Biwakstation zu Biwakstation. Wie lange die Aktion dauern wird, ist derzeit noch unklar. "Das kann drei oder vier Tage oder eben auch zwei Wochen dauern", sagt Stefan Schneider. Entscheidend ist, ob und wie sich das Unfallopfer bewegen kann.

Auch für die Einsatzkräfte bestehe "ein Restrisiko", heißt es bei der Bergwacht. Wegen der Gefahr von Steinschlägen werden deshalb nur kleine Teams - bestehend aus vier Personen - in die Höhle geschickt. Ein Steinschlag hatte auch zum Unfall des 52-jährigen Höhlenforschers geführt.

Morgen müssen die Einsatzkräfte mit Wärmegewittern rechnen, Donnerstag soll es regnen. Doch sie wollen auch im Falle eines Wetterumschwungs mit der Rettung fortfahren. Starker Regen bedeutet für die Menschen im Berg offenbar keine akute Gefahr: Es gebe in der Höhle Rückzugsräume, heißt es.

Die Bedingungen in der Höhle dürften allerdings alles andere als angenehm sein: Die Luftfeuchtigkeit ist enorm hoch, die Temperaturen liegen bei 1,5 bis 5 Grad. Man warte jetzt auf das Urteil des Arztes, heißt es bei der Bergwacht. Die Einsatzkräfte sind optimistisch, für alle Eventualitäten vorbereitet zu sein: "Bei einer Rettungsaktion mit dieser Dimension und Schwierigkeit kommen nur die besten Leute zum Einsatz", sagt Schneider, "die besten in Europa."



insgesamt 67 Beiträge
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kimba_2014 10.06.2014
1.
Zitat von sysopDPAEin Höhlenforscher wartet in den Berchtesgardener Alpen in 1000 Metern Tiefe weiter auf medizinische Hilfe - doch nun kommen die Retter voran. Ein Arzt aus Österreich wird in den Berg steigen. Der Weg zum Einsatzort wird ihm alles abverlangen. http://www.spiegel.de/panorama/verletzter-hoehlenforscher-arzt-steigt-in-riesending-hoehle-a-974347.html
Zahlt den ganzen Einsatz die Krankenkasse? Bisschen viel verlangt, dass die Mitglieder für solche Extremsportler mitzahlen dürfen. Gilt auch für andere Risikosportarten.
JaguarCat 10.06.2014
2. Tolle Sache!
Dass Menschen sich so gegenseitig helfen! Ich wünsche dem Verletzten alles Gute und schnelle Genesung! Jag
mannheimer34 10.06.2014
3. Viel Erfolg
Ich wünsche den Rettern vieel Glück und Erfolg. Und dem Forscher drücke ich die Daumen.
Hilfskraft 10.06.2014
4. bin gespannt ...
... wie verletzt der Verletzte tatsächlich ist. Die Rettung soll Wochen dauern ... ... und wir werden über jede Sequenz informiert werden. Besser kann man das Sommerloch nicht füllen. Man möge mir meine Gefühlskälte verzeihen. Erworben durch viel zu viel Erfahrung auf dem Gebiet der Medienberichterstattung und deren mediale Dramatik. Irgenwann sitzt der Verunfallte in 130 Talkshows und hält sein Buch in die Kamera ...
gorkamorka 10.06.2014
5.
Zitat von kimba_2014Zahlt den ganzen Einsatz die Krankenkasse? Bisschen viel verlangt, dass die Mitglieder für solche Extremsportler mitzahlen dürfen. Gilt auch für andere Risikosportarten.
Nein, Bergrettung ist kostenlos. Die Bergretter arbeiten ehrenamtlich. Spenden sind aber gern gesehen.
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