Vermisstes Geschwisterpaar "Wir gehen von einem Verbrechen aus"

Nach Aussagen der Polizei gibt es kaum Zweifel, dass es sich bei der am Morgen in der Nähe von Aachen entdeckten Kinderleiche um den vermissten elfjährigen Tom aus Eschweiler handelt. Von seiner neunjährigen Schwester Sonja fehlt bislang jede Spur.




Tom und Sonja S. aus Eschweiler
Polizei Aachen

Tom und Sonja S. aus Eschweiler

Eschweiler - Am Montagmorgen entdeckte ein Spaziergänger eine Kinderleiche in einem Wald bei Stolberg. Der Fundort der Leiche befindet sich nach bislang unbestätigten Angaben etwa 15 Kilometer von dem früheren Zechengelände entfernt, auf dem der elfjährige Tom mit seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Sonja am Sonntag spielen wollte.

"Sehr wahrscheinlich" handele es sich bei dem Toten um Tom, sagte ein Polizeisprecher. Ähnlich äußerte sich auch der Aachener Oberstaatsanwalt Robert Deller: Die Leiche des Jungen sei noch nicht identifiziert. Es handele sich aber mit "hoher Wahrscheinlichkeit" um den seit Sonntagabend vermissten Jungen.

Wie das Kind zu Tode kam, ist bislang nicht bekannt. Eine Obduktion soll weitere Erkenntnisse bringen, mit einem ersten Ergebnis wird am Dienstag gerechnet. "Wir gehen von einem Verbrechen aus", sagte der Polizeisprecher. Darauf lasse die Auffindesituation schließen. Oberstaatsanwalt Deller erklärte, eine heiße Spur zu einem möglichen Täter gebe es noch nicht. Einzelheiten zur Situation am Fundort nannte Deller aus ermittlungstaktischen Gründen nicht.

Rund 200 Beamte und Hilfskräfte suchten am Montag fieberhaft in Eschweiler und Umgebung nach Sonja. Bislang gibt es keine Spur zum Verbleib des Kindes. Bei der Suche wurden auch Hubschrauber mit Wärmebildkameras und Rettungshunde eingesetzt. Das Kind wird von der Polizei wie folgt beschrieben: etwa 145 Zentimeter groß, mittelblondes Haar mit Zöpfen. Das Mädchen trug zum Zeitpunkt des Verschwindens schwarze Leggins, einen dunkel-blauen Pulli und Gummistiefel.

Die beiden Kinder waren am Sonntag vom Spielen auf einem ehemaligen Bergwerksgelände im Eschweiler Stadtteil Bergrath nicht nach Hause zurückgekehrt. Am Sonntagabend alarmierten die Eltern die Polizei. Noch in der Nacht begann eine groß angelegte Suchaktion in der 55.000-Einwohner-Stadt. Mehr als 150 Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr Technischem Hilfswerk und Deutschem Roten Kreuz durchsuchten das von Schächten und Höhlen durchzogene Bergwerksgelände, das die Kinder der Umgebung gerne als Abenteuerspielplatz benutzen.



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