Verregneter Sommer Deutschland unter

Vollgelaufene Keller, überflutete Straßen: Mitten im Sommer kämpfen Einsatzkräfte in Ostdeutschland gegen die Fluten des Dauerregens. Wird wenigstens der August sonnig? Meteorologen winken ab.

DPA

Hamburg - Fast könnte man meinen, die Menschen in der Uckermark würden sich nach dem vielen Regen der letzten Tage auf die Sintflut vorbereiten: Im nordbrandenburgischen Lychen hat ein Verein ein Floß gebaut, rund 1200 Quadratmeter ist es groß, 400 Menschen sollen darauf Platz finden. Doch so schlimm ist es nicht, die Floßbauer wollen am Samstag einen neuen Weltrekord aufstellen, bisher liegt der bei 300 Menschen.

Der Regen machte den Flößern Probleme: In der Uckermark sind seit Donnerstag knapp 80 Liter pro Quadratmeter niedergegangen. Weil das Holz nass geworden sei, wiege das rund 480 Tonnen schwere Floß nun bis zu sechs Tonnen mehr. Nicht so schlimm, sagt der Vorsitzende des Vereins, Klaus Schöttler. "Wir sind optimistisch."

Für viele Menschen in Ostdeutschland hat der Dauerregen weitaus ernstere Folgen: Feuerwehren und Technisches Hilfswerk (THW) fuhren in der Nacht auf Samstag zwischen Rostock und allen östlichen Landesteilen Mecklenburg-Vorpommerns zahlreiche Einsätze. Sie mussten Keller leer- und unter Wasser stehende Straßen abpumpen. Binnen 24 Stunden fielen rund 84 Liter pro Quadratmeter.

"Hier war die Hölle los", sagte ein Sprecher der Feuerwehrzentrale für die Kreise Bad Doberan und Güstrow, wo allein mehr als 90 Einsätze koordiniert werden mussten. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Wetterdienst hebt Unwetterwarnung auf

Schwerpunkte der Überschwemmungen lagen in den Rostocker Stadtteilen Evershagen und Hohe Düne, in und um Torgelow und Pasewalk (Uecker-Randow-Kreis) und in Friedberg (Kreis Mecklenburg-Strelitz), wo Wasser von Äckern in Wohngebiete lief. In Greifswald war die Unterführung am Südbahnhof nicht passierbar.

Auf der Ostseeinsel Rügen haben auf der B196 zwischen Binz und Prora zwei Bäume den Halt im aufgeweichten Boden verloren und sind umgestürzt. Weitere Orte, in denen überwiegend Keller leergepumpt werden mussten, waren Loissin und Freest (Kreis Ostvorpommern) und Sagard auf Rügen. Auch auf der Ostseeinsel Usedom blieb die Lage gespannt.

Die Leitstellen gingen davon aus, dass die Einsätze teilweise den ganzen Samstag andauern werden. Kraftfahrer mussten sich darauf einstellen, dass vereinzelte Straßensperrungen vorerst nicht aufgehoben werden können.

In Brandenburg haben die Regenfälle zu keinen größeren Problemen oder Behinderungen geführt. Die Feuerwehr musste vereinzelt Keller auspumpen oder heruntergefallene Äste beseitigen. Auch die Berliner Feuerwehr meldete eine nur leicht erhöhte Zahl von Einsätzen. Einige Straßen oder Keller seien überflutet worden, die Lage sei aber nicht kritisch.

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Wetter im Juli: Selten schön
Von Donnerstag bis Samstagmittag waren in Berlin 50 bis 62 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, wie der Meteorologe Jörg Riemann vom Wetterdienst Meteogroup sagte. Das sei in anderen Jahren der Durchschnittswert für den gesamten Monat Juli.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor möglichen Erdrutschen. Zugleich hob er am Samstagvormittag die Unwetterwarnung wegen ergiebigen Regens auf. Das großflächige Regengebiet sei abgezogen, hieß es. Sommerliches Wetter ist allerdings weiterhin nicht in Sicht: Die Temperaturen bleiben in Deutschland am Wochenende meist unter 20 Grad. Die neue Woche beginnt zwar sonnig und wärmer, am Mittwoch kommen jedoch wieder Gewitter auf. Mit einer grundlegenden Wetterbesserung ist den Meteorologen zufolge auch im August nicht zu rechnen.

Am Freitag hatte der DWD seine Bilanz des Juli-Wetters bekanntgegeben: Mit durchschnittlich 16,1 Grad war der zu Ende gehende Monat gut vier Grad Celsius kühler als 2010. Zudem fiel 48 Prozent mehr Regen als üblich, die Sonne schien mit nur 162 Stunden 22 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Überflutungen in Japan, Hitze in Russland

Weitaus schlimmer ist die Lage in Japan: Bei starken Regenfällen im Norden des Landes ist am Samstag mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Weitere fünf Menschen werden vermisst. Betroffen waren vor allem die Präfekturen Niigata und Fukushima, in denen zusammen rund 400.000 Menschen ihre Häuser aus Sicherheitsgründen verlassen mussten. Das Unwetter betraf jedoch nicht die Region um das zerstörte Atomkraftwerk Fukushima.

Nach Angaben japanischer Medien gab es vielerorts Überschwemmungen und Erdrutsche. In Niigata brachen Dämme, eine Eisenbahnbrücke wurde weggeschwemmt, Straßen mussten gesperrt werden. Ein 67 Jahre alter Mann starb in der Stadt Tokamachi, als sein Auto in einen Fluss gespült wurde. Die Meteorologen rechnen mit noch mehr Regen.

Extremes Wetter herrscht auch in Moskau und Teilen Russlands: In der Hauptstadt herrschen seit Tagen tagsüber Temperaturen von mehr als 30 Grad. In anderen Landesteilen sind es sogar 40 Grad und mehr. Wegen der Hitze hat Russland mit Waldbränden zu kämpfen, bis Donnerstag breiteten sie sich auf eine Fläche von 21.500 Hektar aus.

bim/dpa/dapd/AFP



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