Verschollen im Regenwald Deutsche Forscherin im Kongo vermisst

Sorge um eine deutsche Studentin im Kongo: Seit fünf Tagen fehlt von einer Biologin, die für das Max-Planck-Institut im Salonga-Nationalpark das Verhalten von Schimpansen erforschte, jede Spur. Die Suche in dem unzugänglichen Regenwald-Gebiet gestaltet sich als äußerst schwierig.


Berlin/Leipzig - Im Kongo wird weiterhin nach einer verschwundenen Forscherin des Leipziger Max-Planck-Instituts gesucht. Von der deutschen Biologie-Studentin fehle jede Spur, teilte das Institut mit. Die junge Frau war am vergangenen Donnerstag von einer Expedition nicht mehr zurückgekehrt. Wie das Auswärtige Amt in Berlin mitteilte, ist die deutsche Botschaft in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa eingeschaltet und hält Kontakt mit den Angehörigen und den kongolesischen Behörden.

Wissenschaftler und 50 Einheimische durchkämmten auch am Dienstag pausenlos den Regenwald rund um das Forschercamp Lui Kotal im 36.000 Quadratkilometer großen Salonga-Nationalpark. Die Verständigung der Suchmannschaften untereinander soll durch weitere Satellitentelefone und Funkgeräte verbessert werden. Ausrüstung und weiteres Personal werden am Mittwoch im Camp erwartet.

Die junge Forscherin hatte sich am Morgen des 22. Mai gemeinsam mit einem Assistenten vom Camp aus in den Wald aufgemacht, um nach Nestern von Zwergschimpansen, auch Bonobos genannt, zu suchen. Beide waren komplett mit Karten, Kompass und Satellitenpeilgerät ausgerüstet.

Im Laufe des Vormittags trafen die zwei Forscher auf eine Bonobogruppe und folgten ihr.

Entgegen der strikten Anweisung, sich nicht voneinander zu trennen, machte sich die junge Frau nach Angaben des Instituts gegen Mittag allein auf den Weg zurück ins Camp. Sie benutzte dabei einen der Hauptwege, die alle 50 Meter gut sichtbar mit Markierband gekennzeichnet sind. Auch auf dem Rückweg war sie mit einer Karte und einem Kompass ausgestattet.

Nachdem der Assistent am Abend allein ins Camp zurückgekehrte, wurde die junge Forscherin als vermisst gemeldet. Eine Suchmannschaft machte sich unverzüglich auf den Weg. Die Rettungstrupps suchen seitdem gemeinsam rund um die Uhr nach der jungen Frau.

Bei der Suche besteht noch Hoffnung: Nach Angaben des Instituts gibt es vor Ort keine Hinweise auf die Anwesenheit von Rebellen.

Die junge Frau hat außerdem Zugang zu Wasser, da zahlreiche Flussläufe das Waldgebiet durchziehen.

Das Forschercamp Lui Kotal liegt gut drei Flugstunden und einen fünfstündigen Fußmarsch von Kinshasa entfernt. Es befindet sich am südwestlichen Rand des kongolesischen Salonga-Nationalparks und ist vollständig von tropischem Regenwald umgeben. Die Fortbewegung ist ausschließlich zu Fuß möglich. Die Suche gestaltet sich den Angaben zufolge schwierig und zeitintensiv. Die einzige Möglichkeit zur Kommunikation besteht bislang über das Satellitentelefon des Max-Planck-Instituts.

pad/AP



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