Verschollene Malaysia-Boeing Neue Flugdaten weisen auf absichtliche Routenänderung hin

Eine abrupte Kursänderung, die Kommunikation abgeschaltet, merkwürdige Schwankungen in der Flughöhe: Die Suche nach der verschollenen Air-Malaysia-Boeing konzentriert sich auf zwei Korridore nordwestlich der ursprünglichen Route. Womöglich stürzte die Maschine schließlich wegen Spritmangels ab.
Verschollene Malaysia-Boeing: Neue Flugdaten weisen auf absichtliche Routenänderung hin

Verschollene Malaysia-Boeing: Neue Flugdaten weisen auf absichtliche Routenänderung hin

Foto: STRINGER/INDONESIA/ REUTERS

Kuala Lumpur/Peking - Die seit einer Woche in Südostasien vermisste Passagiermaschine ist nach Überzeugung der Ermittler von ihrem Kurs abgewichen und nach Nordwesten geflogen. Das berichtete der malaysische Ministerpräsident Najib Razak am Samstag auf einer Pressekonferenz in Kuala Lumpur. Die Kommunikationssysteme seien höchstwahrscheinlich absichtlich abgeschaltet, das Flugzeug ebenso absichtsvoll umgeleitet worden.

Das Flugzeug mit 239 Insassen an Bord sei auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking von der Route abgewichen. Das letzte von einem Satelliten empfangene Signal lasse auf zwei mögliche, nordwestlich liegende Flugkorridore schließen. Der nördliche führt über den Norden Thailands zur Grenze von Kasachstan und Turkmenistan. Der südliche erstreckt sich von Indonesien aus Richtung südlichem Indischen Ozean.

Das letzte bestätigte Signal zwischen Flugzeug und Satellit sei siebeneinhalb Stunden nach dem Start aufgefangen worden. Der Spritvorrat reicht demnach bis zu acht Stunden.

Der Premier wollte allerdings Medienberichte nicht bestätigen, dass es sich um einen Flugzeugentführung gehandelt habe. "Wir ermitteln noch alle Möglichkeiten." Die Suche nach dem Flugzeug habe aber "eine neue Phase" erreicht. Derzeit beteiligen sich 14 Nationen mit 43 Schiffen und 58 Hubschraubern und Flugzeugen an der Mission.

Nach Angaben des chinesischen Staatsfernsehens allerdings ist die Maschine laut Überzeugung der Ermittler entführt worden. Der Bericht beruft sich auf nicht näher genannte Quellen in Kuala Lumpur. Die meisten Passagiere an Bord des Flugzeugs waren chinesische Staatsbürger.

Das indische Verteidigungsministerium hatte am Vortag eine Karte veröffentlicht, auf der eine Flugroute bis über den Indischen Ozean eingezeichnet ist. Gleichzeitig treiben US-Medien die Spekulationen um eine mögliche Sabotage oder Entführung an, die Boeing 777-200 mit 239 Menschen an Bord könnte nach dem Abbruch des Funkkontaktes noch Stunden in Richtung Westen geflogen sein.

Der Sender CNN berichtet unter Verweis auf eine geheime Datenauswertung ebenfalls über zwei mögliche Routen, auf die die Maschine ausgewichen sein könnte. Diese Szenarien könnten auf eine Entführung hindeuten, spekulierte der Sender.

Nach Informationen der "New York Times" schienen Radarsignale vom malaysischen Militär aufzuzeigen, dass die Boeing 777-2000 kurz nach dem Verschwinden vom zivilen Radar auf eine Höhe von 13.700 Meter gestiegen sei - also höher, als es für diesen Flugzeugtyp zulässig sei. Dann habe sie eine scharfe Kurve in westlicher Richtung eingeschlagen und sei auf 7010 Meter abgestiegen, als sie sich der dicht bevölkerten Insel Penang genähert habe. Von dort sei sie wieder hochgeklettert und auf nordwestlichem Kurs in Richtung Indischer Ozean geflogen.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Das "Wall Street Journal" berichtete, dass Fahnder eine Sabotage des Flugzeugs für immer wahrscheinlicher hielten. Zwei Systeme zur Verfolgung der Boeing seien kurz nach dem Start am Samstagmorgen vor einer Woche abgeschaltet worden. Nach einer Stunde in der Luft sei der Transponder des Flugzeuges deaktiviert worden und wenig später auch ein zweites System zur Lokalisierung. Anschließend sei die Maschine nach Westen gedreht, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Ermittler.

In einer beispiellosen internationalen Suchaktion sind Dutzende Flugzeuge und Schiffe seit vergangenem Samstag im Einsatz, um das Malaysia-Airlines-Flugzeug zu finden. Um das Verschwinden ranken sich inzwischen etliche Spekulationen, die von einem terroristischen Anschlag bis zur Alien-Attacke reichen. Fälle großer Maschinen, die erst spät oder auch nie gefunden wurden, hat es allerdings in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gegeben.

ffr/dpa/Reuters/AP
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