Verschüttete Bergleute in Chile Alle 48 Stunden zwei Löffel Thunfisch

Erst der Jubel, dann die Sorge: Die 33 Bergleute, die 700 Meter tief in einem Bergwerk in Chile eingeschlossen sind, müssen wohl bis Weihnachten auf ihre Rettung warten. Können sie bis dahin überleben? Immerhin klappt jetzt die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten.
Verschüttete Bergleute in Chile: Alle 48 Stunden zwei Löffel Thunfisch

Verschüttete Bergleute in Chile: Alle 48 Stunden zwei Löffel Thunfisch

Foto: HO/ REUTERS

Copiapo - Die seit 18 Tagen unter Tage eingeschlossenen 33 Bergleute in Chile haben zum ersten Mal frisches Wasser sowie Nahrung und Medikamente erhalten. Über einen Schlauch wurden die Vorräte in 700 Meter Tiefe geschickt, wo die Bergleute bei relativ guter gesundheitlicher Verfassung auf ihre Rettung warten. Als Nahrung wurde ihnen eine Glukoselösung geschickt. Die Medikamente sollen Magengeschwüre verhindern.

Behutsam bereiteten die Rettungsmannschaften die Eingeschlossenen auf eine lange Wartezeit vor. Laut dem mit der Leitung der Rettungsarbeiten betrauten Chefingenieur Andres Sougarret braucht es mindestens vier Monate und stärkere Bohrmaschinen, um einen Schacht in den instabilen Grund zu bohren, der für die Rettung der Männer breit genug wäre. Bis dahin müssen die Bergleute in dem Schutzraum ausharren. "Sie haben genügend Platz da unten", sagte der Bergarbeiter Gine Enzano. "Da passen locker mehr als 50 Menschen mitsamt Maschinen rein."

Eine in die Mine heruntergelassene Minikamera zeigte die schwitzenden Bergleute mit nackten Oberkörpern in dem in 700 Metern Tiefe gelegenen Schutzraum. Dort ist es bei Temperaturen von bis zu 36 Grad Celsius feuchtheiß. "Viele von ihnen haben sich der Kamera genähert und ihr wie Kinder ihre Gesichter entgegengestreckt", sagte Staatschef Piñera. "Wir konnten ihre Freude und ihre Hoffnung in ihren Augen sehen."

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Verschüttete Bergleute in Chile: Das große Warten

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Alle 48 Stunden zwei Löffel Thunfisch und ein halbes Glas Milch

Über Funktelefon konnten die Kumpel den Helfern und Regierungsvertretern von ihren Überlebensstrategien der vergangenen Tage berichten. "Sie haben alle 48 Stunden zwei Löffel Thunfisch gegessen und ein halbes Glas Milch getrunken", sagte Isabel Allende, die Senatorin für die Nord-Region, in der die Mine liegt. Allende zufolge gab jeder Bergarbeiter in einer individuellen, über die Sonde nach oben geleiteten Botschaft Auskunft über seinen Gesundheitszustand. "Es war bewegend, diese von jedem einzelnen geschickten Röllchen zu sehen", sagte die Tochter des 1973 ermordeten chilenischen Präsidenten Salvador Allende.

Bergbauminister Laurence Golborne sagte, die Männer hätten in den vergangenen Tagen das Wasser getrunken, das von den Höhlenwänden lief. "Sie haben nach Nahrung und Zahnbürsten verlangt und nach etwas für ihre Augen", die unter dem Staub leiden.

Verschüttete singen die Nationalhymne

Das chilenische Fernsehen zeigte Bilder von Golborne und den Rettungskräften, die um einen Telefonhörer herumstehen und mit den Verschütteten sprechen. "Herr Minister, es geht uns allen gut", sagte einer der Bergleute, der sich als "Luis Urzua, Schichtleiter" vorstellte. Der Arbeiter fragte den Minister nach dem Schicksal der Kollegen, die zum Zeitpunkt des Einsturzes der Mine auf dem Weg nach draußen waren. "Alle sind unversehrt herausgekommen", sagte Golborne. "Es gab keine Opfer." Die Verschütteten reagierten auf die Nachricht mit lautstarkem Jubel und sangen anschließend die Nationalhymne.

Ingenieure arbeiteten daran, den rund 16 Zentimeter breiten Schacht zu verstärken, der derzeit die einzige Verbindung zu den Verschütteten darstellt. Die Rettungsmannschaften ließen einen langen Schlauch in die Tiefe hinab, um die Schachtwände zu schonen und vor fallenden Steinen zu schützen. Der Schlauch ist mit einem Gleitgel überzogen, um die "Paloma" (Taube) genannten Kapseln, in denen die Vorräte hinabgeschickt werden, leichter passieren zu lassen. Bis ein solcher Behälter in dem Schutzraum in etwa 700 Metern Tiefe ankommt, dauert es etwa eine Stunde.

Die Bergarbeiter harren seit dem 5. August unter Tage aus. Damals war die kleine Gold- und Kupfermine San José am Rand von Copiapo in der Atacama-Wüste, etwa 850 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago, eingestürzt.

kng/dpa/afp
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