Verseuchtes Milchpulver Über 400 Babys erkranken in China

432 Kinder mit Nierensteinen und ein Todesfall: China hat 700 Tonnen Babymilch vom Markt genommen, die mit der Chemikalie Melamin verseucht sein sollen. Offenbar wusste Hersteller Sanlu seit Wochen Bescheid.


Peking - Der größte chinesische Produzent für Babymilch hat offenbar wochenlang wissentlich verseuchte Nahrung verkauft und damit in Kauf genommen, dass Säuglinge erkranken und sterben. Nach Angaben des Pekinger Gesundheitsministeriums bekamen bisher 432 Säuglinge Nierensteine, weil die Nahrung mit der Chemikalie Melamin belastet war. Die Behörden untersuchen außerdem, ob der Tod eines Babys in der Provinz Gansu ebenfalls auf das verseuchte Milchpulver zurückzuführen ist.

Krank durch Milch: Diese Kinder haben Nierensteine
AP

Krank durch Milch: Diese Kinder haben Nierensteine

"Das ist ein schwerer Vorfall bei der Lebensmittelsicherheit", sagte Gao Qiang, ein hochrangiger Vertreter des Gesundheitsministeriums bei einer Pressekonferenz. Das Ministerium habe die Schließung des Herstellers Sanlu angeordnet. 19 Personen seien festgenommen worden, 78 weitere würden vernommen. Gao Qiang sagte, die Sanlu-Gruppe habe es lange Zeit versäumt, der Regierung den Zwischenfall zu melden.

Der Nachrichtenagentur Xinhua zufolge entschloss sich das Unternehmen erst nach der Erkrankung zahlreicher Babys zu einer Rückrufaktion. Am Freitag wurden schließlich 700 Tonnen Milchpulver, die vor dem 6. August hergestellt worden waren, vom Markt genommen. Seit diesem Zeitpunkt soll das Unternehmen nach einem Bericht des Wirtschaftsmagazins "Caijing" von der Verunreinigung der Milch gewusst haben, ohne dies aber öffentlich zu machen.

Beschwerden bereits seit März

Einem anderen Zeitungsbericht zufolge gingen schon im März Beschwerden aus der Bevölkerung ein. Von Mitte Juli an wurde laut Xinhua dann mehrfach über Nierenprobleme bei Babys berichtet, ohne dass die Behörden etwas unternommen hätten.

Die Chemikalie Melamin wird zur Herstellung von Kunstharzen, Putzmitteln und Flammschutzmitteln verwendet. Sie sei dem Milchpulver vermutlich beigemischt worden, um den Proteingehalt nach der Zugabe von Wasser höher erscheinen zu lassen, so der Verdacht. Der Staat werde die Behandlungskosten der erkrankten Kinder übernehmen, sagte Gao: "Wir sind zuversichtlich, dass die Kinder mit einer zeitigen Diagnose und Therapie bald gesund werden."

Lebensmittelskandale haben in China in letzter Zeit häufig für Schlagzeilen gesorgt. Die Opfer waren zumeist Einheimische. In Taiwan wurden am Samstag Tausende Milchpulverpackungen aus den Regalen genommen. Sanlu habe im Juni 25.000 Kilogramm Milchpulver nach Taiwan geliefert, hieß es. Sichergestellt wurden davon zunächst 9800 Kilogramm.

hei/AP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.