Verstrahlte Helfer Zustand von Fukushima-Arbeitern stabilisiert sich

Zwei verstrahlte Arbeiter aus dem havarierten Kernkraftwerk Fukushima haben anscheinend keine schweren Gesundheitsschäden davongetragen. Die Männer leiden nicht an Übelkeit oder Schmerzen. Die Versuche, die Krisenreaktoren zu kühlen, kommen nicht voran.
Arbeiter im Unglücks-AKW Fukushima I: Verbrennungen durch Beta-Strahlen

Arbeiter im Unglücks-AKW Fukushima I: Verbrennungen durch Beta-Strahlen

Foto: REUTERS/ Nuclear and Industrial Safety Agency via Kyodo

Tokio - Die Lage der bei den Aufräumarbeiten in der Atom-Ruine von Fukushima radioaktiv verstrahlten Männer ist stabil. Schwere Gesundheitsschäden trugen die Arbeiter anscheinend nicht davon: Sie litten nicht an Übelkeit oder Schmerzen, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) unter Berufung auf AKW-Betreiber Tepco. Dies wären Symptome, die auf eine Strahlenerkrankung hinweisen würden.

Am Freitag sollen sie vom Krankenhaus in Fukushima in das nationale Institut für Strahlenforschung in der Stadt Chiba, südlich von Tokio, verlegt werden, wie Kyodo berichtet. Hier sollen sie voraussichtlich vier Tage beobachtet werden. Insgesamt haben laut Kyodo jetzt 17 Arbeiter eine Strahlenbelastung von mehr als 100 Millisievert erlitten.

Die beiden Männer hatten am Donnerstag in Reaktor 3 Kabel reparieren wollen, um das Kühlsystem wieder in Gang zu bringen. Sie hätten in radioaktiv belastetem Wasser gestanden, das ihnen in die Schuhe gelaufen sein soll, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Ihre Verbrennungen zogen sich die Männer vermutlich durch sogenannte Beta-Strahlen zu, wie die Kyodo unter Berufung auf den Tepco berichtete. Laut Atomsicherheitsbehörde NISA sollen die Arbeiter einer Strahlendosis von rund 170 oder 180 Millisievert ausgesetzt gewesen sein. Das liegt über Tepcos Grenzwert.

Japanische Regierung dämpft Hoffnung auf schnellen Fortschritt im AKW

Am Donnerstag gingen die Arbeiten am Kraftwerk trotz des Unfalls weiter. Ziel blieb es, das Pump- und Kühlsystem der beschädigten Reaktoren zu reparieren. In Reaktor 3 mussten sich einige Arbeiter nach den Verletzungen ihrer Kollegen allerdings in Sicherheit bringen.

Die japanische Regierung dämpfte die Hoffnungen auf schnelle Besserung der Lage in Fukushima. "Nach gegenwärtiger Lage dürfen wir nicht zu optimistisch sein", sagte Regierungssprecher Edano. Greenpeace urteilt, die Gesamtsituation sei "nach wie vor dramatisch". "Wir gehen aufgrund von Indizien davon aus, dass eine partielle Kernschmelze bereits stattgefunden hat", sagte Experte Karsten Smid.

Eine gute Nachricht kam aus Tokio: Die Belastung des Leitungswassers mit radioaktivem Jod sank wieder unter den für Säuglinge geltenden Grenzwert von 100 Becquerel pro Liter, wie Kyodo meldete. In Geschäften wurde dennoch das Wasser knapp. Die Verwaltung begann, 240.000 Flaschen an Familien zu verteilen. Die Behörden haben allerdings Schwierigkeiten, genug Vorräte an abgefülltem Wasser bereitzustellen. Zudem weitet sich die Verstrahlung von Lebensmitteln aus, wie der Regierungssprecher sagte. Auch die Strahlenbelastung im Meer nahe Fukushima I steigt. Wie die Internationale Energiebehörde mitteilte, konnte auch 30 Kilometer über dem offenen Meer radioaktive Strahlung jenseits der japanischen Grenzwerte nachgewiesen werden.

Offizielle Zahl der Toten steigt auf 9800

Auch die Rettungsarbeiten und die Suche nach Vermissten und Überlebenden gestaltet sich immer noch äußerst schwierig. Vor allem in der Präfektur Fukushima können die Retter wegen der Strahlung kaum nach Vermissten suchen. Die Zahl der insgesamt gefundenen Toten stieg in der Nacht zum Freitag: Sie liegt nun bei mehr als 9800, mehr als 17.500 Menschen gelten als vermisst, wie Kyodo unter Berufung auf die Polizei berichtete. Mehr als 200.000 Menschen leben in Notunterkünften.

Zwei Wochen nach dem Beginn der Atomkatastrophe beginnen die USA mit der umfassenden Sicherheitsüberprüfung ihrer Kernkraftwerke. Eine spezielle Einsatzgruppe werde in den kommenden Monaten ermitteln, welche kurz- und langfristigen Lehren aus den Geschehnissen in Fukushima gezogen werden müssten, teilte die US-Atomregulierungsbehörde NRC in Rockville (Maryland) mit. Bereits in 30 Tagen sollen erste Ergebnisse vorgelegt werden.

In Deutschland prüfen mehrere Firmen wegen der Japan-Krise die Einführung von Kurzarbeit. Sie befürchteten, dass sie wegen Lieferengpässen in einigen Wochen ihre Produktion zurückfahren müssten, sagte eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit und bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Anfragen kämen aus dem Automobilbereich. Von einer schwierigen Versorgungssituation spricht etwa der Autozulieferer Bosch.

luk/dpa/AFP/