Verteidiger Mesereau Der Mann, der Jackson rausboxte

Jacksons Verteidiger Thomas Mesereau hat das geschafft, was viele nicht für möglich hielten: den Freispruch im Missbrauchs-Prozess. Mesereaus Verteidigungsstrategie ging voll auf.


Thomas Mesereau: Der Anwalt siegte auf der ganzen Linie
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Thomas Mesereau: Der Anwalt siegte auf der ganzen Linie

Santa Maria - Tag für Tag folgte der frühere "King of Pop" dem imposanten Anwalt mit grauer Löwenmähne vor Gericht und aufs Wort. Auf Wunsch seines Verteidigers trat Jackson selbst nicht in den Zeugenstand. Mit seinem Anwalt sei er "sehr zufrieden", lobte der Popstar kurz vor Ende des Verfahrens. Mit brillantem Geschick hatte Mesereau Jacksons Beschuldiger ins Kreuzverhör genommen und die Glaubwürdigkeit des 15-jährigen Jungen und dessen Mutter schwer in Zweifel gezogen.

Mesereau war von Beginn an der Wunschkandidat des Popstars. Als Jackson nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe Ende 2003 Mesereau anheuern wollte, lehnte der Mittfünfziger jedoch aus Zeitgründen ab, weil er damals noch den wegen Mordes angeklagten Schauspieler Robert Blake vertrat. Wegen unüberbrückbarer Differenzen mit Blake gab er den Fall im Februar 2004 jedoch ab. Im April trennte sich Jackson von seinen Anwälten Mark Geragos und Benjamin Brafman und ersetzte sie durch Mesereau.

Als Jackson in zehn Punkten angeklagt wurde, darunter der versuchten Kindesentführung und sexueller Handlungen an einem Minderjährigen, plädierte Mesereau auf "nicht schuldig". Sein Mandant sei das Opfer fabrizierter Lügen und geldgieriger Betrüger, die Jacksons Großzügigkeit ausnutzen wollten. Ein Staraufgebot an Entlastungszeugen hatte Mesereau versprochen, darunter Elizabeth Taylor und Diana Ross. Prominenten Schutz erhielt Jackson am Ende nur von Ex-Kinderstar Macaulay Culkin, der jedweden Missbrauch als "lächerlich" abtat.

Mesereau wurde 1950 in New York geboren, studierte in Harvard und gehört einem Anwaltsbüro in Los Angeles an. Den Umgang mit Prominenten ist er gewohnt. So stand er schon Box-Champion Mike Tyson zur Seite. Nach Angaben des Senders MSNBC traf er sich im Gefängnis mit Sekten-Führer Charles Manson, der einen Anwalt suchte. Doch vor allem Mesereaus unentgeltliche Rechtshilfe für Minderheiten und Arme soll den Ausschlag für Jacksons Entscheidung gegeben haben.

Mesereau, ein ehrenamtlicher Helfer in einer schwarzen Methodistenkirche in Los Angeles, hat in Südstaaten-Prozessen mehrere afroamerikanische Angeklagte vor der Todeszelle bewahrt. Er selbst stammt aus einer wohlhabenden, weißen Familie mit Militärtradition.



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