Verunglückte Beata C. Tod nach dem Familienfest

Ein paar Tage daheim, zur Erholung Skifahren in den Alpen - dann das Unglück: die fatale Kollision mit Thüringens Ministerpräsident Althaus. Der Witwer der 41-jährigen Beata C., ein hochrangiger Nato-Verbindungsoffizier, versucht nun, das Leben mit dem gerade einjährigen Sohn neu zu ordnen.

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Hamburg - Riegersburg ist eine kleine Gemeinde im äußersten Südosten Österreichs. 2500 Menschen leben hier, im Schatten eines Basaltfelsmassivs und der darauf thronenden Feste aus dem 13. Jahrhundert. "Ehrliche, anständige, ganz normale Leute", sagt der Bürgermeister.

Zu ihnen zählt auch die alteingesessene Familie des österreichischen Nato-Militärattachés Bernhard C., 47. Dessen Frau Beata stieß am Neujahrstag auf einer Skipiste in der Steiermark mit dem thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus, 50, zusammen. Sie erlag auf dem Weg ins Krankenhaus ihren schweren Schädelverletzungen. Die Ursache des Unfalls ist noch immer unklar - lediglich der Umstand, dass die 41-Jährige keinen Schutzhelm trug, gilt als sicher.

"Wir sind erschüttert", sagt der Riegersburger Gemeindepfarrer Alois Hauptmann, 77, SPIEGEL ONLINE. "Es ist eine Katastrophe für die Familie - und für alle, die sie kennen." An diesem Dienstag würden sich die Angehörigen zu einer Andacht versammeln, am Mittwoch finde die Beerdigung statt. Die Eheleute C. und ihr einjähriger Sohn Markus hätten "über Weihnachten die Verwandten im Ort" besucht. "Dann wollten sie noch einige Tage in der Steiermark Ski laufen."

Major der österreichischen Streitkräfte

Bernhard C. ist der älteste dreier Nachkommen eines Obst- und Weinbauern, sagt Bürgermeister Kurt Adlgasser SPIEGEL ONLINE. Ein Hobby-Motorradfahrer. Vom Beruf Major der österreichischen Streitkräfte. C. arbeitet im US-Bundesstaat Virginia im Nato Allied Command Transformation als Verbindungsoffizier. Dort lebte er mit seiner zweiten Frau Beata, einer gebürtigen Slowakin und ehemaligen Sportlehrerin, die er vor drei Jahren geheiratet hatte, und dem gemeinsamen Sohn.

Nachbarn in Virginia Beach beschrieben die Eheleute in der Lokalzeitung "The Virginian-Pilot" als freundliches, unauffälliges Paar, das augenscheinlich sehr verliebt gewesen sei. Ihnen zufolge flogen Bernhard und Beata C. vor etwa zwei Wochen nach Europa, um die Familie in Österreich zu besuchen. Am 10. Januar hätten sie zurück sein wollen.

"Bernhard trifft nun Regelungen", sagte ein Kamerad des Witwers der Zeitung. "Er hat ein kleines Kind und versucht herauszufinden, wie es weitergehen kann." Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge wurde der Sohn des Paares am vergangenen Samstag ein Jahr alt. Bernhard C. hat noch drei weitere Kinder aus einer ersten Ehe. Sie leben bei seiner Ex-Frau.

"Ein leider nicht so seltener Unfall"

"Viele Bürger unseres Ortes sprechen über das Unglück, aber es gibt niemanden, der Schuldzuweisungen macht", sagt Bürgermeister Adlgasser. "In unseren Augen war es ein tragischer, jedoch leider nicht so seltener Unfall."

Die Staatsanwaltschaft Leoben erwartet erst in etwa vier Wochen Gutachten der Sachverständigen, die den Unfallhergang und die Schuldfrage klären sollen. Ein Zeuge habe das Unglück beobachtet, sagte Staatsanwalt Walter Plöbst. "Die gerichtsmedizinische Sachverständige erhielt den Auftrag, die Blutproben der Unfallbeteiligten chemisch-toxikologisch sowie deren Kleidung und Ausrüstungsgegenstände auf Spuren zu untersuchen." Die Behörde ermittelt routinemäßig gegen Althaus wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

Nach seinem Unfall auf der Riesneralm in der Steiermark erholt sich der CDU-Politiker von seiner schweren Kopfverletzung in einer Klinik in Schwarzach im Pongau. An den Zusammenstoß könne er sich jedoch nicht erinnern, eine Befragung sei derzeit nicht möglich, hieß es. Er wisse auch noch nichts vom Tod der Frau. "Es ist möglich, dass die Erinnerung an den Unfall wiederkommen wird", sagte der Anästhesist Hubert Artmann, einer der behandelnden Ärzte.

Althaus, der am Samstag aus dem künstlichen Koma erwacht war, könne Arme und Beine bewegen. Es gebe derzeit keine Hinweise auf eine neurologische Beeinträchtigung. Der Gesundheitszustand des Ministerpräsidenten habe sich in den vergangenen beiden Tagen weiter gut entwickelt, doch sei Althaus "noch nicht hundertprozentig zeitlich und örtlich orientiert". Allerdings sei man "optimistisch, dass seine schwere Verletzung ohne relevante bleibende Schäden ausheilen wird".

mit Material von AP und dpa

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