Viel Eis, kein Salz Niedersachsen rät zum Verzicht aufs Autofahren

Der Winter bleibt hartnäckig: Am Wochenende wird es in großen Teilen Deutschlands wieder eisig. Niedersachsen muss aus Salzmangel den Winterdienst einschränken. Das Land fordert Autofahrer auf, ihre Wagen stehen zu lassen.
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Frostig wird's: Schnee und Eis auf Deutschlands Straßen

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Hannover - Am Wochenende wird es wieder frostig: Aus dem Osten wird kalte Luft erwartet, die Temperaturen sinken dort auf bis minus zehn Grad. Auch in der Nordosthälfte Deutschlands ist wieder mit Frost zu rechnen. "Der Winter kommt zurück", sagt Stefan Laps aus der Unwetterzentrale von Meteomedia.

Vor allem in Bayern und Baden-Württemberg sind die Böden trotz des momentanen Tauwetters noch hart gefroren. Dort ist die Gefahr von Glatteis angesichts des zu erwartenden Sprühregens bei Minustemperaturen in der Nacht besonders hoch. Lediglich in Westdeutschland zeigen die Thermometer Plusgrade: Am Wochenende sollen es laut Meteomedia bis zu 7 Grad werden, auch nachts hält sich die Temperatur über dem Gefrierpunkt.

"In der Südwesthälfte, von Nordrhein-Westfalen bis Bayern, erwarten wir Niederschläge", sagte Laps SPIEGEL ONLINE. Die Schneefallgrenze liege am Wochenende bei 800 bis 1000 Metern, das bedeute Neuschnee im Alpenvorland. Für Mitte der kommenden Woche sind den Meteorologen zufolge auch wieder Schneefälle im ganzen Land möglich.

Diese Aussichten stellen Niedersachsen vor eine besondere Herausforderung: Das Land muss den Winterdienst aus Mangel an Streusalz einschränken. Auch auf den Autobahnen werden am Wochenende bei Glätte nur noch die Hauptfahrstreifen gestreut, wie das Verkehrsministerium in Hannover am Freitag mitteilte. "Wir bitten daher, am Samstag und Sonntag möglichst auf Autofahrten zu verzichten", sagte Sprecher Christian Budde.

Dem Ministerium zufolge kann der Salzlieferant des Landes wegen einer Bergwerksüberprüfung am Wochenende kein Salz bringen. "Beim Streusalz leben wir ohnehin von der Hand in den Mund", so Budde in einem etwas gewagten Vergleich. Das wenige noch vorhandene Salz wolle man nutzen, um am Montag dem Berufsverkehr die Fahrt zur Arbeit zu ermöglichen. Die für Bundes- und Landstraßen zuständigen Straßenmeistereien habe in diesem Winter bereits 160.000 Tonnen Salz gestreut.

ADAC mahnt zur Vorsicht

Im Großraum Hannover droht am Montag ohnehin ein Verkehrschaos. Nach einem Streikaufruf von ver.di für den Öffentlichen Dienst sollen dort Busse und Stadtbahnen in den Depots bleiben. In der niedersächsischen Landeshauptstadt ist am Montag eine zentrale Streikkundgebung der Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes geplant.

Auf nicht gestreuten Straßen kam es in Niedersachsen erneut zu zahlreichen Unfällen. In Wolfsburg verunglückte ein 28-jähriger Autofahrer in der Nacht zum Freitag tödlich. Bei mehr als einem Dutzend weiterer Glätteunfälle wurden am Morgen drei Menschen leicht verletzt. Im Westen des Bundeslandes fiel in 13 Landkreisen wegen der Verkehrsbehinderungen erneut der Schulunterricht aus.

Der ADAC ruft Autofahrer trotz des vielen Splitts auf winterlichen Straßen zur Vorsicht auf. "Der Splitt fährt sich weg, und dann kommt das Eis wieder raus", sagte ADAC-Sprecher Maximilian Maurer. Der Splitt löse nicht wie Salz das Eis auf. Außerdem könnten die aufgewirbelten kleinen Steinchen Lackschäden verursachen.

Die seit Wochen andauernde Kälteperiode hat die Straßen schon jetzt in Mitleidenschaft gezogen. Bautechnikexperten des TÜV Rheinland schätzen, dass bis zu 40 Prozent der Straßen in Deutschland stark geschädigt sind. "Eintretendes Wasser ist der Feind aller Straßen und Wege", sagte TÜV-Experte Dieter Straußberger. "Bereits durch kleinste, kaum sichtbare Risse dringt Wasser an den vorgeschädigten Stellen ein und weicht den Untergrund auf." Kommt im Winter Frost hinzu, sprenge das Wasser in den Rissfugen den Asphalt regelrecht auf. Eine hohe Verkehrsbelastung beispielsweise durch Lkw verstärke diesen Effekt.

siu/apn/dpa

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