Vier Offiziere versetzt Sex-Skandal in der US-Luftwaffe

Ein Sex-Skandal an der Eliteakademie für den Fliegernachwuchs erschüttert die US-Luftwaffe. Dutzende weibliche Kadetten, die Vergewaltigungen gemeldet hatten, sollen ignoriert oder eingeschüchtert worden sein. Nach einer Reihe von Ermittlungen müssen nun mehrere Führungsoffiziere gehen.


Nach dem Skandal in der US-Luftwaffe sollen Soldatinnen besser vor sexuellen Übergriffen geschützt werden
AP

Nach dem Skandal in der US-Luftwaffe sollen Soldatinnen besser vor sexuellen Übergriffen geschützt werden

Washington - An der Colorado-Springs-Akademie würden vier Führungskräfte ersetzt, zwei davon durch Frauen, berichtet der Nachrichtensender CNN. Viele Vergewaltigungsopfer sagten in Anhörungen aus, sie hätten zu viel Angst gehabt, sexuelle Übergriffe von Mitkadetten anzuzeigen, meldet BBC. Wer es dennoch tat, hatte mit Repressalien von Akademieoffiziellen zu rechnen. Die Akademieführung habe systematisch Karrieren ruiniert. Es sei sogar mit Rauswurf gedroht worden.

Bisher seien 56 Fälle von sexuellen Übergriffen seit 1993 bekannt, teilte James Roche mit, der für die Luftwaffe zuständige Staatssekretär im Pentagon. Er befürchte eine hohe Dunkelziffer. Ob Soldaten, die zurzeit im Irak-Krieg ihren Dienst tun, zu den Verdächtigen gehören, konnte Roche nicht sagen. Es sei durchaus möglich, dass einer der Vergewaltiger in Dienst gestellt worden sei, so Roche. Man müsse das herausfinden und dann über die rechtlichen Möglichkeiten nachdenken. "Wir wollen solche Leute nicht in unserer Luftwaffe", erklärte er. Bis zum Abschluss des Berichtes zu dem Skandal wird es noch einige Wochen dauern.

Ab Juni soll sich einiges ändern, um künftig die Sicherheit des Luftwaffennachwuchses zu gewährleisten. Es sollen unter anderem Überwachungssysteme installiert werden, die rund um die Uhr laufen. Wachleute werden nachts und an den Wochenenden die Runde machen. Die neuen Jahrgänge sollen nach der Ankunft übergangsweise nach Geschlechtern getrennt werden. Die Weitergabe von Alkohol an unter 21-Jährige wird mit umgehendem Rauswurf geahndet.

Eine ehemalige Kadettin, die 23-jährige Jessica Brakey, hatte angegeben, Opfer einer Vergewaltigung geworden zu sein. Sie fordert laut BBC weitere Maßnahmen gegen die Offiziere: "Sie haben unter Beweis gestellt, dass ihre Führung wirkungslos ist. Ihnen auf die Finger zu hauen ist nicht genug", sagte sie. "Soweit ich weiß, haben sie Verbrechen vertuscht. Ist das kein Verbrechen?"



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