Zur Ausgabe
Artikel 34 / 104

GLOBALISIERUNG Villa Größenwahn

aus DER SPIEGEL 21/2008

Indien, Heimat des Taj Mahal und des Palastes der Winde, erhält eine neue, weltweit einmalige Sehenswürdigkeit. In Mumbai lässt Mukesh Ambani, Mehrheitseigentümer des Petrokonzerns Reliance Industries Limited und fünftreichster Mann der Welt, ein neues Heim für sich und seine Familie bauen. Es ist benannt nach der mythischen Insel Antilia und darf für sich in Anspruch nehmen, das teuerste Privathaus der Welt zu sein. Knapp zwei Milliarden Dollar lässt sich Ambani den Bau kosten. Der Hausherr erhält einen etwa 170 Meter hohen Wolkenkratzer, unterteilt in 27 Stockwerke, ausgestattet mit allem, was der Multimilliardär von heute und seine Familie so brauchen: ein Parkhaus über sechs Etagen für den Fuhrpark, eine Lobby mit neun Aufzügen, ein Kino, einen Ballsaal, einen Nachbau der Gärten von Babylon, ein zweistöckiges Fitnesscenter, einen Schneeraum, der die Sommerhitze lindern soll, und schließlich einen Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach, wenn der Verkehr das Fortkommen auf der Straße unmöglich macht. Rund 600 Bedienstete sollen sich um das Wohl der Familie kümmern, die in Indien nicht nur Schlagzeilen machte mit der Größe ihres Hauses, sondern auch mit der Art, wie sie das Grundstück erwarb. Ein Unternehmen von Ambani kaufte es 2002 für 14 Prozent des damaligen Marktwerts. Auch war strittig, ob das Haus überhaupt an dieser Stelle gebaut werden konnte. Das Grundstück gehörte einer religiösen Stiftung, die hier ein Waisenhaus unterhalten hatte. Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs räumte die Zweifel an der Legalität des Baus nun aus. Im September wollen die Ambanis einziehen.

Zur Ausgabe
Artikel 34 / 104
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.