Stiller Tag im November Woran wird am Volkstrauertag erinnert?

Am 14. November begehen die Deutschen den Volkstrauertag. Doch wessen wird dabei eigentlich gedacht? Seit wann gibt es ihn – und wie wird er in anderen Ländern begangen?
Volkstrauertag 2018 in der Gedenkstätte Neue Wache in Berlin (mit den Zeremonieteilnehmern Angela Merkel, Claudia Roth, Emmanuel Macron, Frank-Walter Steinmeier, Daniel Günther, Andreas Voßkuhle)

Volkstrauertag 2018 in der Gedenkstätte Neue Wache in Berlin (mit den Zeremonieteilnehmern Angela Merkel, Claudia Roth, Emmanuel Macron, Frank-Walter Steinmeier, Daniel Günther, Andreas Voßkuhle)

Foto: Michele Tantussi/ Getty Images

Was ist der Volkstrauertag?

Der Volkstrauertag wurde in Deutschland ursprünglich eingeführt, um der Toten des Ersten Weltkriegs zu gedenken. Mittlerweile wurde der ursprüngliche Gedanke aber erweitert: Es heißt, dass nicht nur an Kriegstote, sondern auch an Opfer von Gewaltbereitschaft und Gewaltherrschaft erinnert werden soll. Dazu zählen unter anderem auch Opfer rassistischer Übergriffe. Der Volkstrauertag ist ein sogenannter stiller Feiertag und wird immer zwei Wochen vor dem ersten Advent begangen. In diesem Jahr ist dies der 14. November.

Seit wann gibt es den Volkstrauertag?

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg, der allein zwei Millionen deutsche Soldaten das Leben kostete, wurde der Volkstrauertag erstmals 1919 vorgeschlagen. Drei Jahre später fand die erste Gedenkstunde im Reichstag statt. Der damalige Reichstagspräsident Paul Löbe sagte während der Veranstaltung:

»Leiden zu lindern, Wunden zu heilen, aber auch die Toten zu ehren, Verlorene zu beklagen, bedeutet die Abkehr vom Hass, bedeutet die Hinkehr zur Liebe, und unsere Welt hat Liebe not.«

1926 entschied die Regierung, den Volkstrauertag am fünften Sonntag nach Ostern zu begehen. Nach mehreren Änderungen hinsichtlich des Datums und des Namens – unter anderem durch die Nationalsozialisten (»Heldengedenktag«) – wurde der Volkstrauertag in der Bundesrepublik 1952 wieder eingeführt. Seither genießt er hierzulande den Status eines gesetzlichen Gedenktags.

Was sind stille Tage?

Der Volkstrauertag zählt zu den sogenannten stillen Tagen, die auch stille Feiertage genannt werden – obwohl es sich nicht bei allen stillen Feiertagen um gesetzliche Feiertage handelt.

Dazu zählen je nach Bundesland:

  • Aschermittwoch

  • Gründonnerstag

  • Karfreitag

  • Karsamstag

  • Ostersonntag

  • Pfingstsonntag

  • Allerheiligen

  • Allerseelen

  • Buß- und Bettag

  • Totensonntag

  • Heiliger Abend

An stillen Tagen sind im Alltag besondere Einschränkungen zu beachten. Es gilt – je nach Bundesland – ein Tanzverbot. Außerdem ist es Kneipenbesitzern untersagt, ab einer gewissen Uhrzeit noch Musik zu spielen. Aufgrund der Corona-Pandemie wird der Volkstrauertag ohnehin etwas anders ausfallen als in den Jahren zuvor.

Gastredner Prinz Charles im Bundestag am Volkstrauertag 2020

Gastredner Prinz Charles im Bundestag am Volkstrauertag 2020

Foto: Axel Schmidt / dpa

Was passiert am Volkstrauertag?

Überall in Deutschland finden Gottesdienste statt, in denen der Toten gedacht wird. Die zentrale Gedenkstunde findet allerdings unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten im Plenarsaal des Deutschen Bundestages statt. 2018 nahm der französische Präsident Emmanuel Macron an der Zeremonie teil. Im vergangenen Jahr waren Prinz Charles und Herzogin Camilla bei einer Gedenkveranstaltung in Berlin anwesend. In diesem Jahr wird Frank-Walter Steinmeier am Rednerpult stehen.

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

Auch in anderen Ländern wird der Opfer der Weltkriege gedacht. In den Niederlanden wird dies beispielsweise am 4. Mai ab 20 Uhr in Form von zwei Schweigeminuten getan. In Belgien und Frankreich ist der 11. November jeweils ein arbeitsfreier Gedenktag. Die USA begehen den letzten Montag im Mai als Memorial Day. Dieser ist nicht zu verwechseln mit dem Veterans Day. An diesem Tag werden die überlebenden Soldaten der Weltkriege geehrt.

bam
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