Vor dem 11. September FBI beobachtete verdächtige Flugschüler

Offensichtlich hatte die US-Bundespolizei FBI bereits Monate vor dem 11. September den Verdacht, dass es Anschläge mit Flugzeugen geben könnte. Nach Medienberichten wurde mit Sorge beobachtet, dass sich mehrere aus dem Nahen Osten stammende Personen in Arizona zu Piloten ausbilden ließen.


FBI-Hauptquartier in Washington: Warnung nicht beachtet
AP

FBI-Hauptquartier in Washington: Warnung nicht beachtet

Washington/ Hamburg - Das FBI im US-Bundesstaat Arizona beobachtete rund zwei Monate vor den Terrorschlägen auf New York, Washington und vor dem Absturz in Pennsylvania eine Gruppe von Männern, die in einer Flugschule in Prescott Flugstunden nahmen. Das FBI-Büro habe sich besorgt gefagt, ob das eigentliche Ziel der Männer nicht das Fliegen sei, sondern möglicherweise Bombenanschläge oder Flugzeugentführungen seien, berichtet die "Washington Post" am Wochenende. Auffällig seien die Flugschüler geworden, da sie sich ungewöhnlich intensiv für Details der Flug- und Flughafensicherung interessiert hätten, heißt es in einem Beitrag der "Chicago Tribune".

Die Behörden in Arizona nahmen die Verdächtigen offenbar so ernst, dass sie der Zentrale in Washington schriftlich empfahlen, eine Erhebung über sämtliche Flugschulen im gesamten Land durchzuführen und dabei nach Flugschülern aus bestimmten Ländern des Mittleren Ostens Ausschau zu halten.

Zerstörtes World Trade Center: Rund 2800 Menschen starben in den Trümmern
REUTERS

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Doch der Anti-Terror-Plan aus Phoenix wurde nicht umgesetzt. Im Juli 2001 schickte die FBI-Zweigstelle laut "Washington Post" ihren Bericht mit den Befürchtungen über die verdächtigen Flugschüler an das Hauptquartier in der Hauptstadt. "Phoenix ist der Ansicht, dass das FBI eine Aufstellung ziviler Flugschulen im Land erstellen sollte", habe in dem Bericht gestanden. Die Zentrale solle das Thema auch mit anderen US-Geheimdienststellen erörtern. Doch in Washington wurde der Bericht aus der Provinz nicht beachtet.

Keiner der Verdächtigen aus Arizona gehörte zu der Gruppe, die später Flugzeuge als fliegende Bomben nutzte. Man konnte ihnen auch sonst keine Verbindung zu den Anschlägen nachweisen. Doch einer der Attentäter vom 11. September, Hani Hanjour, der Pilot der American-Airlines-Maschine AA-077, die ins Pentagon raste, hatte ebenfalls in Arizona eine Flugschule besucht. Hätte den Behörden Hanjour nicht auffallen müssen?

Pentagon nach dem Angriff
REUTERS

Pentagon nach dem Angriff

Möglicherweise, so wird spekuliert, gab es bereits vor dem 11. September andere Pläne, Flugzeugattentate durchzuführen, möglicherweise bestünden sie auch heute noch, berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf Geheimdienst-Quellen. Ob die Männer, die in Arizona beobachtet wurden, in irgendeiner Verbindung mit Bin Ladens al-Quaida-Organisation oder einer anderen bekannten Terrorgruppe stehen, ist nicht bekannt.



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