Elterncouch Ich hasse Adventskalender

Schokoschock nach Türöffnung: Klassische Nebenwirkung des Adventskalenders
Michael Meißner

Schokoschock nach Türöffnung: Klassische Nebenwirkung des Adventskalenders

Von Tilda Beck


    Kinder sind manchmal wahnsinnig süß - und manchmal machen sie uns wahnsinnig. Für SPIEGEL ONLINE legen sich zwei Mütter und ein Vater regelmäßig auf die Elterncouch.

    Tilda Beck schreibt auf der Elterncouch im Wechsel mit Juno Vai und Jonas Ratz.
Sie sind irre aufwendig, teuer und verpassen unseren Kindern einen allmorgendlichen Zuckerschock: Die 24 Türchen bis Weihnachten sind für viele Eltern der Horror. Dabei ist die Lösung doch ganz einfach.

Letztes Jahr im Dezember. Dialog auf dem Spielplatz.

Mutter 1: "Also, wir müssen gleich mal abhauen. Emily will unbedingt noch in die Wanne. Sie hatte ja heute die Malseife in ihrem Adventskalender, da kann ich ihr das Baden ja nicht abschlagen. (Pause) Was war denn bei euch so drin?"

Mutter 2: "Tja, welchen Kalender meinst du? Mein Lennart hat dieses Jahr drei Kalender: Den Playmobil-Kalender von Oma, den selbstgemachten von mir und dann hat ihm der Onkel bei unserem Adventskaffee am Wochenende noch einen Überraschungsei-Kalender mitgebracht. Dabei war das schon der 6. Dezember!"

Mutter 1: "Drei Adventskalender? Findest du das nicht ein bisschen viel?"

Mutter 2: "Schon. Aber Oma hatte den mit Playmobil schon ganz früh besorgt. Und weißt du, irgendwie wäre das für mich total traurig gewesen, wenn ich Lennart dieses Jahr keinen Kalender selbst gebastelt hätte. Wo ich doch letztes Jahr tagelang an den 24 Säckchen genäht habe. Und naja, als mein Bruder dann mit den Überraschungseiern ankam, konnte ich auch irgendwie nichts sagen. "

Mutter 1: "Und dann hat Lennart am Sonntag sechs Überraschungseier gegessen?"

Mutter 2: "Äh, ja, das war schon ein bisschen viel. Aber er hat auch ganz lieb seinen Cousinen etwas abgegeben."

"Unruhe durch Überzuckerung"

Mutter 1: "Also, ich habe extra darauf geachtet, dass nicht so viel Naschkram in Emilys Kalender drin ist. Sondern auch mal 'ne Mandarine. Und Zahnpflegekaugummi. Gibt ja echt genug Süßigkeiten vor Weihnachten."

Mutter 2: "Da achte ich auch total drauf. Sonst werden die Kinder auch so hibbelig. Ich merk das immer ganz schnell, wenn Lennart zu viele Süßigkeiten isst. Heute ist er schon um 5.30 Uhr aufgestanden und wollte an seine Adventskalender! Das hat bestimmt was damit zu tun. Unruhe durch Überzuckerung."

Mutter 1: "Genau. Deshalb habe ich vor allem Spielsachen gekauft für Emilys Kalender. Das war gar nicht so einfach bei 24 Päckchen. Sie hat ja schon so viele Flummis und Radiergummis! Mit sowas konnte ich ihr echt nicht schon wieder kommen. Ein paar Sachen habe ich aber auch im Internet bestellt. Hörspiele zum Beispiel."

Mutter 2: "Ach, echt? Hörspiele? Gute Idee!"

Mutter 1: "Ja, sie hört ja momentan so gern Conni-Hörspiele. Und kennst du die Weihnachtslieder-CD von Rolf Zuckowski? Die gab's, glaube ich, mal bei Tchibo. Da ist auch 'In der Weihnachtsbäckerei' mit drauf. Das singen die ja immer in der Kita."

"Geht aber auch ziemlich ins Geld, oder?"

Mutter 2: "Ach, übrigens, in der Kita haben die ja auch einen Adventskalender. Jeden Tag wird ein Kind ausgelost, das ein Tütchen aufmachen darf. Ist aber immer dasselbe drin. Ein Pixi-Buch und ein Schoko-Lolli. Lennart findet das jetzt schon total langweilig."

Mutter 1: "Ist doch auch echt doof für die Kinder, die erst kurz vor Weihnachten dran sind. Emily war auch noch nicht dran. Ich habe ja extra alle Geschenke so verpackt, dass man nichts erraten kann. Für die Überraschung."

Mutter 2: "Wie cool! Das geht aber auch ziemlich ins Geld, oder?"

Mutter 1: "Da sagst du was. Ich hab bestimmt an die hundert Euro ausgegeben insgesamt. Schon die Karten für das Puppentheater nächstes Wochenende haben 18 Euro gekostet. Das darf ich meinem Mann gar nicht erzählen, der würde sich aufregen."

Mutter 2: "Hundert Euro sind schon viel. Aber es gibt ja auch so schöne Sachen. Wenn ich im Spielzeugladen stehe, kauf ich immer viel zu viel. Aber, was machen denn die Leute, die zwei oder mehr Kinder haben? Das wird ja irre teuer."

Mutter 1: "Ja, Tilda, wie machst du das eigentlich?"

Ich: "Schoko-Kalender. Stück 1,99 Euro. Und soll ich euch was sagen: Meine Kinder sind weder überzuckert, noch stehen sie um 5.30 Uhr auf. Gut, oder?"


Zur Autorin
  • Illustration: Michael Meißner
    Tilda Beck,
    Mutter von Konrad (8), Edward (5) und Stella (3)

    Liebstes Kinderbuch: "Der Wal im Wasserturm" von Rüdiger Stoye

    Nervigstes Kinderspielzeug: "Winnie the Pooh"-Lernspielzeug von VTech

    Erziehungsstil: Leben und leben lassen



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38 Leserkommentare
ge1234 29.11.2015
janne2109 29.11.2015
hwdtrier 29.11.2015
ColynCF 29.11.2015
TontonTombi 29.11.2015
gumbofroehn 29.11.2015
maddoc42 29.11.2015
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PeterPan95 29.11.2015
hwdtrier 29.11.2015
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skeptikerin007 29.11.2015
carlitom 29.11.2015
io_gbg 29.11.2015
io_gbg 29.11.2015
7eggert 29.11.2015
PeterPan95 29.11.2015
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juliaz 29.11.2015
agua 29.11.2015
wauz 30.11.2015
abby_thur 30.11.2015
kritischerkritiker 30.11.2015
portofino99 01.12.2015

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