Vulkanausbruch auf Island Aschewolke zieht Richtung deutscher Küste

Schon mehr als 250 gestrichene Flüge in Schottland und Nordirland, Tausende Reisende sitzen fest: Die Aschewolke aus dem isländischen Vulkan Grímsvötn bringt den Reiseverkehr in Nordeuropa durcheinander. Laut Meteorologen wird sie wohl bis zum Abend die deutsche Nordseeküste erreichen.

REUTERS

London/Brüssel/Offenbach - Die Aschewolke aus dem isländischen Vulkan Grímsvötn könnte noch bis zum Ende dieses Dienstags Norddeutschland erreichen. Bis zum Abend werde die Aschekonzentration an der Nordseeküste vermutlich Werte zwischen 0,2 und 2,0 Milligramm je Kubikmeter Luft erreichen, sagte Meteorologe Marcus Beyer vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Bei diesen Konzentrationen seien Flüge nur unter besonderer Aufsicht möglich. Der DWD beruft sich bei seinen Angaben auf Informationen des Volcanic Ash Advisory Centre (VAAC) des britischen Wetterdienstes MetOffice.

Der Meteorologe erwartet aber zunächst nicht, dass die kritische Marke von 2,0 Milligramm überschritten werde. Diesen Grenzwert hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer nach dem Ausbruch des Eyjafjallajökull im vergangenen Jahr für Deutschland festgelegt. Bei mehr als 2,0 Milligramm Aschebelastung pro Kubikmeter Luft darf nicht mehr geflogen werden - es sei denn Triebwerk- und Flugzeughersteller geben dafür grünes Licht.

Südliche Teile Skandinaviens, Dänemark und nördliche Teile Deutschlands könnten von der Wolke bedeckt werden, sagte auch der stellvertretende Leiter der europäischen Luftaufsichtsbehörde Eurocontrol, Brian Flynn, auf einer Pressekonferenz in Brüssel. Schottland und Nordirland lägen bereits zum größten Teil unter der Wolke, so Flynn. Mehr als 250 Flüge seien dort schon gestrichen worden. "Wenn der Vulkanausstoß mit der gleichen Intensität weitergeht, könnte die Wolke den Westen Frankreichs und den Norden Spaniens am Donnerstag erreichen", hieß es einer Mitteilung von Eurocontrol. Siehe auch die animierte Grafik:

Animation: Die Ausbreitung der Aschewolke und ihre mögliche weitere Entwicklung
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Animation: Die Ausbreitung der Aschewolke und ihre mögliche weitere Entwicklung

Der spanische Fußballmeister FC Barcelona will sicherheitshalber seine Anreise zum Finale der Champions League gegen Manchester United vorziehen. Die Katalanen wollen nach Medienberichten am Dienstagabend oder am Mittwoch nach London fliegen, wo sie am Samstag im Wembley-Stadion auf das Team von Alex Ferguson treffen.

Sorge um ihre Anreise dürften sich wegen der möglichen Verbreitung der Asche auch die Staatenlenker machen, die am Donnerstag im französischen Deauville zum G-8-Gipfel zusammenkommen wollen.

Massive Behinderungen im Flugverkehr

Der aktivste isländische Vulkan Grímsvötn war am Samstag ausgebrochen und hatte Befürchtungen vor einem Szenario wie vor gut einem Jahr beim Ausbruch des Gletschervulkans Eyjafjallajökull geweckt. Wegen seiner Aschewolke mussten damals fast einen Monat lang große Teile des europäischen Luftraums geschlossen werden, Millionen Reisende in aller Welt saßen fest.

Derzeit hängen Tausende Reisende in Schottland fest. Die britische Luftverkehrsbehörde NATS teilte am frühen Morgen mit, dass die Flughäfen Glasgow und Edinburgh bereits in der Nacht von den Beeinträchtigungen betroffen gewesen seien. Störungen wurden demnach auch in Aberdeen und Inverness erwartet. Außerhalb Schottlands laufe der Flugverkehr normal, teilte die britische Behörde mit.

  • Die Lufthansa strich wegen der Aschewolke zwei Flüge. Dabei handele es sich um Flüge von Deutschland nach Edinburgh, sagte ein Airline-Sprecher. Ob am Nachmittag ein weiterer Edinburgh-Flug stattfinde, sei noch nicht entschieden (weitere Informationen finden Sie auf der Website der Lufthansa).
  • Die Fluggesellschaft British Airways hatte am Montag angekündigt, wegen der Aschewolke des Vulkans Grímsvötn bis zum frühen Dienstagnachmittag keine Flüge zwischen London und Schottland abzufertigen.
  • Die niederländische Fluggesellschaft KLM, die irische Aer Lingus und der Billigflieger Easyjet strichen vorerst ihre Flüge nach Schottland und in den Norden Großbritanniens.
  • Zuvor hatte bereits die schottische Regionalfluglinie Loganair den überwiegenden Teil ihrer für Dienstagvormittag geplanten Flüge abgesagt.

Der Billigflieger Ryanair protestierte gegen die Entscheidung der irischen Behörden, seine Flüge von und nach Edinburgh, Glasgow und Aberdeen aus Sicherheitsgründen abzusagen. Dafür gebe es "keinen Grund", erklärte die Fluggesellschaft auf ihrer Website.

Die Aschewolke führte am Morgen auch zu Flugausfällen im Süden Norwegens. In Stavanger wurden mehrere Flüge gestrichen, wie auf der Internetseite des Flughafens zu lesen war. Island hatte am späten Montagabend dagegen seine internationalen Flughäfen wieder geöffnet.

Prominentes Opfer des isländischen Asche war am Montagabend das Ehepaar Barack und Michelle Obama. Der US-Präsident und seine Frau mussten vorzeitig von Irland nach London abreisen, um der Wolke zu entgehen.

Zehn Stunden früher als ursprünglich geplant landete die "Air Force One" am Montagabend auf dem Flughafen Stansted im Norden Londons. Obama, der am Dienstagmittag von Queen Elizabeth II. im Buckingham Palast empfangen werden sollte, wollte mit der vorzeitigen Abreise einem drohenden Flugverbot wegen der Vulkanasche entgehen.

Satellitenbilder: Die Ausbreitung der Aschewolke
SSEC

Satellitenbilder: Die Ausbreitung der Aschewolke

EU-Verkehrskommissar Siim Kallas sprach von einer "Woche voller Herausforderungen, die den Flugpassagieren bevorstehen könnte". Wegen des besseren Krisenmanagements sei aber nicht mit weiträumigen Schließungen des europäischen Luftraums zu rechnen.

Die Wetterverhältnisse in Island machten es schwierig, die Größe und Höhe der Wolke genau einzuschätzen, sagten Meteorologen des Landes. Aber Radaranzeigen machten deutlich, dass die Aschewolke nicht mehr so hoch wie kurz nach dem Ausbruch des Grímsvötn am Samstag sei. Experten gingen von fünf bis sieben Kilometern aus. Im Laufe des Tages sollte ein Erkundungsflugzeug über die Region fliegen.

Die EU-Kommission schränkte ein, es gebe wesentliche Unterschiede zu 2010. "Es weht weniger Wind, die Aschepartikel sind dicker und fallen schneller zu Boden, und wir haben ein besseres Krisenmanagement", sagte eine Sprecherin von EU-Kommissar Kallas. Auch Bundesverkehrsminister Ramsauer rechnet vorerst nicht mit massiven Beeinträchtigungen im Flugverkehr.

Jeder Staat entscheidet selbst darüber, ob er seinen Luftraum schließt - die EU-Luftsicherheitsexperten geben nur Empfehlungen ab. Das europäische Krisenzentrum EACCC empfahl den Staaten am Montag, die Airlines selbst entscheiden zu lassen, ob sie in Gebieten mit Ascheteilchen fliegen wollen oder nicht.

wit/dpa/dapd/AFP

insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
Michael Giertz, 24.05.2011
1. Soll's geben
Zitat von sysopSchon mehr als 250 gestrichene Flüge in Schottland und Nordirland, Tausende Reisende sitzen fest: Die Aschewolke aus dem isländischen Vulkan Grimsvötn bringt den Reiseverkehr in Nordeuropa durcheinander. Laut Meteorologen wird sie wohl bis zum Abend die norddeutsche Küste erreichen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,764526,00.html
So kann's gehen. Ist es eigentlich nicht möglich, einfach die Flughöhe ein bisschen anzupassen, damit die Flugzeuge nicht in Höhe der Aschewolke fliegen bzw. diese durchqueren müssen bei Starts und Landungen? Hängt die so tief? Ich frage ja nur. Für mich wäre das jedenfalls ein sinnvoller Notfallplan: Flughöhe anpassen, um Gefahr durch die Wolke zu vermeiden.
lichtschalter 24.05.2011
2. Gaia is back
Versucht die liebe Erde etwa sich ein bißchen Kühlung zu verschaffen? 1. die Vulkanwolken reflektieren Sonnenlicht zurück in den Weltraum. 2. der ausbleibende Flugverkehr verringert die erderwärmende künstliche Cirrus-Bewölkung. Beeindruckend.
c-h-i-c-k-e-n 24.05.2011
3. Genug ist genug
Langsam reichts! Irgendwer muss diesen unverschämten Isländern und ihren Vulkanen endlich Einhalt gebieten! Ruft die NATO!
alocasia 24.05.2011
4. Eine Katastrophe nach der anderen
Erst sterben sie wie die Fliegen an EHEC in Norddeutschland, jetzt wird noch alles unter meterhohen Ascheschichten versinken. Hamburg wird das neue Pompei
pips86 24.05.2011
5. Vulkanausbruch
Eyjafjallajökull heißt der Vulkan, der letztes Jahr ausgebrochen ist.
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