Waldbrände Größte Massenflucht in Kaliforniens Geschichte

Das Ausmaß der Waldbrände in Kalifornien übersteigt alle Befürchtungen: Der Bundesstaat wird von der schlimmsten Brandkatatastrophe in seiner Geschichte heimgesucht. Niemals zuvor wurden dort so viele Einwohner evakuiert.


Los Angeles - Fast 900.000 Menschen sind seit gestern auf der Flucht vor den Flammen, rund 1300 Häuser und knapp 170.000 Hektar Land sind bereits verbrannt - das entspricht ungefähr einem Gebiet von der doppelten Größe Berlins. Die Angaben über die Zahl der Todesopfer gehen auseinander, sie schwanken zwischen einem und fünf Toten. 45 Menschen wurden verletzt. US-Präsident George W. Bush kündigte für morgen einen Besuch im Katastrophengebiet an.

Der Präsident wolle die Lage vor Ort erkunden, Solidarität mit der Bevölkerung zeigen und dafür sorgen, dass die Verwaltung in Kalifornien hinreichend von den Bundesbehörden unterstützt werde, sagte Bushs Sprecherin Dana Perino. Zuvor hatte die Regierung den Notstand über das Katastrophengebiet verhängt und Finanzhilfen freigegeben.

Vor zwei Jahren war Bush für sein Krisenmanagement bei dem Desaster um Hurrikan "Katrina" in New Orleans scharf kritisiert worden. Sprecherin Perino sagte, die Regierung habe ihre Lektion daraus gelernt, vor allem, was die Koordination der Hilfen auf Bundesebene und vor Ort angehe. Bush wollte seinen Arbeitstag heute mit einer Videokonferenz zu den Waldbränden beginnen.

Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger sagte, die Brände verursachen "schreckliche und tragische Zerstörungen in unserem Bundesstaat". Er sicherte seinen Mitbürgern zu, Feuerwehrleute und Behörden würden nicht eher ruhen, "bis jeder sicher ist". Schwarzenegger erklärte, drei Faktoren seien für die Katastrophe verantwortlich: "Sehr trockene Gebiete, sehr heißes Wetter, und dann noch eine Menge Wind."

Eine Anwohnerin sagte: "Es ist verrückt, wir sind von beiden Seiten von Feuer umgeben." Allein im Bezirk San Diego wurden mehr als eine halbe Million Menschen aufgefordert, Schutz in Notunterkünften zu suchen. Manche Betroffene mussten ihre Häuser mitten in der Nacht verlassen. "Meine Frau hat mich um Mitternacht geweckt, sie schrie, die Flammen kommen", sagte ein Mann, der sich mit seiner Familie ins Qualcomm-Sportstadion in San Diego rettete.

Etwa 12.000 Menschen strömten in das Rund, viele von ihnen mit Schutzmasken gegen den feinen Aschenstaub. Dort bauten die Behörden ein Lager mit Matratzen, Decken und Lebensmitteln auf. "Anders als bei früheren Katastrophen haben wir hier dafür gesorgt, dass die Leute vor Ort, der Staat und die Bundesbehörden ganz schnell handeln", sagte Schwarzenegger.

Im Prominenten-Wohnort Malibu wurden erneut mehrere Hollywood-Stars vor den Flammen in Sicherheit gebracht, wie das "People Magazine" in seiner Online-Ausgabe berichtete. Unter anderen habe Schauspieler Mel Gibson mit seiner Familie sein Anwesen verlassen müssen. Sie hätten lediglich ihre Haustiere und ihre liebsten Fotos mitgenommen. Die Dreharbeiten zu mehreren Fernsehserien mussten unterbrochen werden - unter anderem, weil ein Hilfssheriff direkt vom Dreh zur Brandbekämpfung abberufen wurde.

Seit Sonntag hatten sich im Süden Kaliforniens insgesamt 16 Brandherde gebildet, die Flammen fraßen sich rasend schnell durch ausgetrocknetes Busch- und Waldland. Rund 8000 Feuerwehrleute waren im Dauereinsatz im Kampf gegen die Brände, unterstützt von 90 Löschflugzeugen und Helikoptern. Unter den Feuerwehrleuten waren auch etwa 2600 in der Brandbekämpfung geschulte Häftlinge. Trotzdem war die Feuerwehr vielerorts dem Ausmaß der Katastrophe nicht gewachsen. Der Feuerchef des Bezirks Orange warnte, seine Leute könnten wegen der großen Zahl der Brände den Flammen kaum Herr werden. "Wir sind völlig am Ende, aber es bleibt keine Zeit, sich auszuruhen", sagte ein Feuerwehrmann dem Sender CNN.

Das Katastrophengebiet erstreckte sich vom Norden von Los Angeles bis südlich der Grenze zu Mexiko. Ein Ende des Infernos war zunächst nicht in Sicht. Noch immer liegen die Tagestemperaturen in der Region bei weit über 30 Grad, den Sommer über hatte es kaum geregnet. Meteorologen erwarteten, dass die Winde sich heute leicht abschwächen werden, die Feuer aber weiterhin anfachen würden. Hohe Temperaturen und Trockenheit sollten bis mindestens morgen anhalten.

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