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26. Juli 2018, 11:04 Uhr

Deutsche Feuerwehrleute in Schweden

Mit Feuer gegen Feuer

Ein Interview von

In Schweden kämpfen Feuerwehrleute aus Niedersachsen gegen verheerende Waldbrände. Wie ist die Lage vor Ort? Der Einsatzleiter berichtet.

Griechenland, Schweden, Kalifornien: Die enorme Hitze der Sommermonate schafft weltweit Probleme. In Griechenland starben bei Waldbränden mehr als 70 Menschen, das Königreich Schweden hat angesichts der heftigen Feuer im Zentrum des Landes die Europäische Union um Unterstützung gebeten.

Am Dienstag trafen Dutzende Feuerwehrleute aus dem niedersächsischen Nienburg in Särna ein, um ihren schwedischen Kollegen unter die Arme zu greifen. Sie sollen zunächst eine Woche lang den großflächigen Waldbrand mit bekämpfen. Neben den deutschen sind auch polnische und französische Kräfte vor Ort. Am Mittwoch wurden Löschflugzeuge aus Portugal erwartet.

Die Lage ist bedrohlich - in Schweden sind in den vergangenen 20 Jahren im Durchschnitt 1900 Hektar Wald pro Jahr abgebrannt. Im laufenden Jahr sind es bereits weit mehr als 30.000 Hektar. Brandrat Martin Voß, 34, leitet den Einsatz vor Ort.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist die Situation in der Provinz Dalarna, wo derzeit die größten der etwa 20 Brände in ganz Schweden wüten?

Voß: Ich habe die Region mit dem Hubschrauber überflogen, um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Ein riesiges Waldgebiet ist betroffen - etwa 3500 Hektar haben gebrannt und stehen zum Teil noch in Flammen. Es gibt hier wenig Forstwege, einige Bereiche sind mit Fahrzeugen schwer zu erreichen. Deshalb sehen wir hier sechs bis sieben Löschhubschrauber ständig starten und landen, die von oben den Brand bekämpfen.

SPIEGEL ONLINE: Mit wie vielen Fahrzeugen und Kollegen sind Sie vor Ort?

Voß: Wir sind mit 52 Mann und elf Fahrzeugen hier, davon sind fünf Löschfahrzeuge, die größere Mengen Wasser an die Einsatzstellen bringen können. Insgesamt sind rund 300 Mann im Einsatz, außerdem das schwedische Militär.

SPIEGEL ONLINE: Wie groß ist die Rauchentwicklung vor Ort?

Voß: Die ist sehr stark. Wir mussten unsere Zelte 50 Kilometer vom Brand entfernt in Särna aufschlagen, weil der ursprünglich geplante Aufenthaltsort zu gefährlich war. Dadurch hat sich die Anfahrtszeit zum Einsatzort natürlich verlängert. Aber ein Waldbrand ist nun mal ein dynamisches Geschehen, wir müssen sehr schnell auf neue Entwicklungen reagieren.

SPIEGEL ONLINE: Wurde jemand verletzt?

Voß: Nein, glücklicherweise ist die Region dünn besiedelt. Man findet nur sporadisch Gehöfte, Dörfer oder Ferienhaus-Anlagen. Die schwedische Feuerwehr hat bisher verhindert, dass die Flammen auf diese Siedlungen übergreifen.

SPIEGEL ONLINE: Wie schützen sich die Einsatzkräfte?

Voß: Wir arbeiten nicht länger als sechs Stunden am Stück und bisher nur tagsüber, weil die Situation im Dunkeln zu unübersichtlich ist. Unsere Teams werden immer von einem Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes begleitet.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es Unterschiede bei der Brandbekämpfung zwischen Ihnen und den Schweden?

Voß: Ja, wir haben heute damit begonnen, an einem Berg ein Gegenfeuer zu legen - also ein kontrolliertes Feuer, das dem ursprünglichen Brand den Brennstoff, die Nahrung entzieht. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass das Feuer genau in die geplante Richtung brennt. Das ist etwas, was wir in Niedersachsen noch nie gemacht haben. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis.

SPIEGEL ONLINE: Wie klappt die Zusammenarbeit mit den schwedischen Kollegen?

Voß: Hervorragend. Wir verständigen uns überwiegend auf Englisch, es gibt aber auch schwedische Kollegen, die Deutsch sprechen. Die Arbeit läuft sehr professionell und reibungslos ab, wir hatten uns das viel schwieriger vorgestellt. Auch technische Probleme werden schnell gelöst. Vor allem die personelle Unterstützung hilft den Schweden, hier werden Leute gebraucht. Die Einsatzkräfte sind erschöpft, sie freuen sich unheimlich, dass wir da sind und sie ablösen können.

SPIEGEL ONLINE: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Brände zeitnah gelöscht werden?

Voß: Das hängt ganz wesentlich von den Wetterbedingungen ab. Wenn der Wind wieder auffrischt und die Temperaturen steigen, haben wir ein Problem. Wir hatten den Fall, dass ein Waldgebiet bereits gelöscht war und das Feuer dann während eines Gewitters von einem Blitz wieder entfacht wurde.

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