Streik der britischen Rettungsdienstes 93-Jährige wartet vor Schmerzen schreiend 24 Stunden auf Ambulanz

In England und Wales streikt der Rettungsdienst. Eine Greisin mit gebrochener Hüfte musste schon vor Beginn des Ausstandes einen Tag lang auf die Ambulanz warten.
Rettungsdienst in London: Streik für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen

Rettungsdienst in London: Streik für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen

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ANDY RAIN / EPA

25 Stunden lang soll Elizabeth Davies nach einem Sturz am Samstag mit gebrochener Hüfte auf dem Boden gelegen haben, bevor endlich ein Rettungswagen in ihrem Seniorenheim in Wales eintraf. Mindestens zehnmal riefen die Angehörigen den Notruf an – vergeblich.

Erst am Sonntag gegen 13.15 Uhr traf Hilfe ein. Davies wurde laut einem Bericht des britischen »Guardian « in ein Krankenhaus in Bangor gebracht. Doch dort musste sie weitere zwölf Stunden warten, bis sie endlich auf einer Krankenstation landete, eine Diagnose bekam und operiert werden konnte.

Als vollkommen »inakzeptabel« bezeichnete Davies’ Sohn Ian den Vorfall. »Es war erschütternd, sie 24 Stunden lang vor Schmerzen schreiend auf dem Boden liegen zu sehen«, sagte er.

Die walisischen Verantwortlichen für den Rettungsdienst führten das Winterwetter, eine große Nachfrage und den hohen Krankheitsstand beim Personal als Entschuldigung an.

Bei der Krankenversorgung in Wales und Teilen Englands herrscht derzeit allerdings ohnehin Chaos. Bereits am Dienstag waren Zehntausende Pflegekräfte und Klinikpersonal zum zweiten Mal innerhalb einer Woche in den Ausstand getreten. Am 28. Dezember ist ein weiterer Streik geplant.

Angesichts eines Streiks des Rettungsdienstes hat der britische Gesundheitsdienst NHS die Bevölkerung zur Vermeidung aller Notfallrisiken aufgerufen. »Die Leute können helfen, indem sie vernünftige Schritte unternehmen, um sich und andere in dieser Zeit zu schützen und nicht in der Notaufnahme zu landen«, sagte der medizinische Direktor des NHS in England, Stephen Powis.

»Riskante Aktivitäten« vermeiden

Dazu gehöre, Alkohol nur verantwortungsbewusst zu trinken, auf Familienmitglieder oder Nachbarn zu achten sowie Medikamentenvorräte aufzustocken. Zuvor hatte bereits Staatssekretär Will Quince gemahnt, auf Kontaktsportarten und »riskante Aktivitäten« zu verzichten.

Am Mittwoch wollen Rettungshelfer in weiten Teilen Englands sowie in Wales streiken, um ihren Forderungen nach höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen Nachdruck zu verleihen. Der NHS rief die Menschen auf, die Rettungsdienste »mit Bedacht« zu nutzen und nur in einem lebensbedrohlichen Notfall einen Rettungswagen zu rufen.

Die Gewerkschaft hatte versprochen, dass akute Notdienste nicht von den Streiks betroffen sein würden. Allerdings sind die Wartezeiten für Rettungswagen schon jetzt deutlich länger als eigentlich vorgesehen.

Militär hilft aus

750 Soldatinnen und Soldaten sollen während der Streiks einspringen und Rettungswagen fahren. Sie sind allerdings nicht für Noteinsätze, sondern eher für Transporte vorgesehen.

Die konservative Regierung verweist darauf, dass ihr Tarifangebot in Einklang mit dem Vorschlag einer unabhängigen Expertenkommission liege. Darüber hinausgehende Lohnerhöhungen seien nicht zu finanzieren.

Der NHS ist chronisch unterfinanziert. Krankenstationen sind überfüllt. Vor Notaufnahmen warten die Besatzungen von Rettungswagen teilweise mehrere Stunden, um ihre Patienten zu übergeben.

ala/dpa
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