Was ich meinen Freunden schon immer zu ihrem Drogenkonsum sagen wollte

Von Leon Wasmann
Ich ließ mich mitreißen, fing an, Techno zu hören, begann, zu rauchen und dieselben Klamotten zu tragen wie Maries Freunde.

Dieser Rausch ist die ultimative Ausflucht aus dem Alltag. Kein Wunder, dass man sich darin verlieren kann.

Ich halte sie im Arm, als sie beginnt traurig zu seufzen und zu weinen, weil die Wirkung der Pille nachlässt. Sie zittert stumm in der Kälte vor sich hin, möchte kein Wort mehr sprechen – eine meiner besten Freundinnen so zu sehen, tut verdammt weh.

An Silvester verbringe ich die halbe Nacht mit einer Studienfreundin in der leeren Badewanne, in der sie immer wieder bewusstlos wird.

Ein guter Freund zu sein, bedeutet auch, das Schwierige auszusprechen. Unbequem zu werden, das zu sagen, was die anderen vielleicht nicht hören möchten.

Und ich frage mich, wieso ich mich so lange nicht gewehrt habe, gegen dieses zelebrierte Ideal der "abgefuckten Coolness". Gegen den traurigen Zwang meiner Freunde, sich über bunte Pillen zu definieren und existenzielle Fragen mit einem 10-Euro-Schein und einer Line Speed wegzuschniefen.