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»Was Kunden wollen«

aus DER SPIEGEL 32/1996

SPIEGEL: Woher kommen die Frauen, die in Ihren Klubs anschaffen?

Hans: Aus der ganzen Welt, vor allem aus Osteuropa. Hier ansässige Russen, Tschechen und Polen haben die Kontakte nach drüben, Mittelsmänner bringen die Mädels her, und nach außen ganz seriöse Versicherungs- und Immobilienmakler oder Gastwirte bringen sie dann zu mir.

SPIEGEL: Warum beschäftigen Sie vor allem Ausländerinnen aus Osteuropa?

Hans: Die machen eben alles, was die Kunden wollen.

SPIEGEL: Wissen die Frauen, was sie hier erwartet?

Hans: Die meisten. Aber es passiert schon mal, daß eine bis zuletzt glaubt, sie wird als Au-pair-Mädchen engagiert. Für diese Frauen bricht erst mal eine Welt zusammen, wenn sie ankommen. Und wenn die dann nach drei Tagen wirklich nicht wollen, fahre ich sie zum Bahnhof und gebe ihnen 100 Mark für die Zugkarte nach Hause. Bloß keinen Ärger.

SPIEGEL: Fast alle Prostituierten aus Osteuropa arbeiten illegal hier. Warum macht die Polizei keine Razzien?

Hans: Die Behörden hier im Osten sind da toleranter als im Westen. Sie kassieren ja auch Steuern aus meinen Klubs. Trotzdem versuchen sie immer wieder, mich wegen Menschenhandels dranzukriegen. Aber bei einem, der, behängt mit Goldkettchen, dir Mädchen aus Tschechien und Polen andient, riechst du sofort das Beamtenparfüm.

SPIEGEL: Die meisten Tschechinnen und Polinnen kommen als Touristinnen. Wenn sie als Prostituierte erwischt werden, riskieren sie die sofortige Ausweisung.

Hans: Und morgen sind sie wieder da, mit neuen Papieren, neuen Namen. Die haben ganz korrekte Papiere aus tschechischen und polnischen Amtsstuben. Die kosten heute 500 bis 1000 Mark, eine Visumsverlängerung ein paar hundert Mark. Hilfsbereite Leute gibt es überall, auch in deutschen Behörden.

SPIEGEL: Wer besorgt die Papiere?

Hans: Das organisieren die Vermittler und lassen es sich dann von den Frauen bezahlen.

SPIEGEL: Leben Sie gut von Ihrem Geschäft?

Hans: Offiziell bin ich ein kleiner Angestellter in einem Gastronomiebetrieb, und hier im Klub bin ich der Hausmeister für eine Monatspauschale von 120 Mark. Tatsächlich fahre ich den größten Mercedes, habe gerade gebaut und plane eine Geschäftserweiterung. Der nächste Laden wird in ein paar Monaten eröffnet. Ich muß mein Geld doch irgendwo investieren.

SPIEGEL: Haben Sie keine Skrupel?

Hans: Nein, ich habe ja auch ein hohes Risiko.

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