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Was war da los, Herr Hidalgo?

Der chilenische Elektromechaniker Pascual Hidalgo, 56, über die Macht von Symbolen
aus DER SPIEGEL 19/2007

»Es war unser Gemeindepater, Pater Esteban, der die Idee hatte. Ein Mann am Kreuz, das zieht immer, sagte er. Vor genau zehn Jahren wurde die staatliche Kohlemine in Lota geschlossen, daran wollten wir erinnern. Ich habe mich freiwillig gemeldet, den Jesus zu spielen. Ich habe mir meine alte Kluft angezogen, danach haben mich die Kumpel und der Pater ans Kreuz gebunden, zwei Stunden hing ich dort, in einem der ärmsten Viertel der Stadt. In der Nähe der alten Mine durften wir nicht protestieren, die hat die Regierung schön rausgeputzt als Touristenattraktion. Viel ist uns nach der Schließung versprochen worden, Pensionen, Umschulungen, Call-Center. Es hat aber kaum einer wieder Arbeit gefunden, ich auch nicht. Mehr als 18 Prozent Arbeitslosigkeit haben wir in der Stadt, sehr viele Alkoholiker und Gewalttätigkeit. Geblieben ist uns allein die Solidarität unter den alten Kumpeln.«

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