Weiblicher Sextourismus Ladies Night in Bangkok

Frauen erobern eine Männerdomäne: die des Sextourismus in Thailand. In den Rotlichtvierteln stellt man sich auf die liebeshungrigen Damen ein. Die sogenannten Love Boys sind häufig gut situiert - sie arbeiten auf der Eliteseite des Sex-Geschäfts.
Von Karl-Ludwig Günsche
Rotlichtviertel von Bangkok: Eine Nacht voll Spaß

Rotlichtviertel von Bangkok: Eine Nacht voll Spaß

Foto: ? Damir Sagolj / Reuters/ REUTERS

"Falscher Tag," murmelt Clubmanager Bi. Nur zwei Gäste haben sich an diesem Abend im 18 plus 1 eingefunden, einem der neuen Sexclubs für Frauen in Bangkok. "Meistens ist es brechend voll," sagt Bi. Andere Besucher des Clubs - wie die Wiener Reisejournalistin Heidi Rietsch - berichten von Abenden, an denen das 18 plus 1 vibriert habe "vor lauter sexy Frauen, die einen Tausend-Baht-Schein nach dem anderen hinblättern, um ihre Gespielen an sich zu binden".

Aber jetzt stehen die rund 30 Love-Boys gelangweilt herum. Einige spielen Billard, andere mit ihren Smartphones. "Gestern hatten wir eine Riesenparty," erklärt Manager Bi etwas verlegen.

Weit nach Mitternacht kommt Bewegung in die Szene: Ein Asiate betritt mit einer jüngeren Frau das Etablissement. Er lässt eine Flasche Whisky auffahren. Zehn adrett gekleidete Love-Boys bauen sich vor dem Paar auf. Die Gäste flüstern miteinander. Dann wählen sie drei Thais aus, die sich zu ihnen setzen. Zwei ziehen sich bald wieder zurück, einer darf bleiben. Das Geschäft ist perfekt, die Whiskyflasche halb leer. Der Rest spielt sich im Séparée ab.

Thailand wandelt sich: In Bangkok entstehen zunehmend Clubs, in denen Frauen Sex gegen Geld bekommen können. Die Etablissements heißen Nice Club House oder Mon Lady. Sha Sha verspricht "eine Nacht voll Spaß für euch, Ladies" und wirbt damit, dass seine "hübschen, schlanken Kerle" genau wissen, "wie sie Frauen in Erregung versetzen können". Weniger direkt, aber ebenso eindeutig lockt Prince Entertainment: "Werden Sie in dieser Nacht die Prinzessin unserer Prinzen." Die "Bangkok Post" resümiert: "Das ist ein neues Phänomen."

Thailands mächtige Sexindustrie hat eine Marktlücke entdeckt und macht Kenia und Jamaika Konkurrenz, den bisherigen Traumzielen liebeshungriger Frauen. Obwohl Prostitution verboten ist, setzt die Branche hohe Summen um. Hauptkunden sind die Thais selbst, gefolgt von Amerikanern, Briten und Deutschen.

Die Love-Boys sichern sich ein Nebeneinkommen

Die neuen Clubs sind schwer zu finden, Adressen werden unter der Hand weitergegeben. Soziologe Nithat Tinnakul von der Chulalongkorn-Universität in Bangkok schätzt, dass es in Thailand inzwischen über 30.000 männliche Prostituierte gibt, die sich auf die Bedürfnisse der Frauen spezialisiert haben.

Im Vergleich zu den vielen Frauen, die in dem Gewerbe arbeiten, ist die Zahl relativ gering. Doch dazu kommen noch Tausende bisexueller Prostituierter. Sie arbeiten in Läden wie dem Screw Boys, zu deutsch etwa "Liebesdiener". Kaum betritt ein Gast das dunkle Etablissement in der berüchtigten Patpong-Straße, springen zehn bis zwölf stämmige Thais in Unterhosen auf den Tresen und bieten ihre Dienste an. Auf Nachfrage präsentieren sie sich hüllenlos, damit der Besucher unverbindlich ihr Geschlecht besichtigen kann. Die Preise starten bei 2000 Baht (etwa 50 Euro) pro Nacht. Dazu kommt die übliche "bar fee", ein Anteil für den Club-Chef.

Anders als die meist aus armen ländlichen Verhältnissen stammenden weiblichen Prostituierten oder die "Liebesdiener" aus der Patpong seien die Love-Boys der gehobeneren Clubs Studenten, Büroangestellte oder Männer mit Universitätsabschluss, die sich ein stattliches Nebeneinkommen sicherten. "Sie machen signifikant mehr Geld als ihre Kolleginnen und stehen eher auf der Eliteseite des Sexgeschäfts," sagt Soziologe Nithat.

Der Professor deckte 2002 auf, dass einige Escort-Dienste in Bangkok Jamaikaner angeheuert hatten, um die Bedürfnisse frustrierter Thailänderinnen der oberen Gesellschaftsschichten zu befriedigen.

Was damals unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschah, gehört heute zum Alltag des thailändischen Sexgeschäfts: Japanerinnen, Koreanerinnen, Frauen aus Hongkong und Singapur haben Bangkok als Ziel zur Erfüllung ihrer Wünsche entdeckt.

Frauen übertrumpfen sich mit Angeboten

Auch aus Europa und den USA reisen immer mehr Frauen an: "Die Zahl der allein reisenden westlichen Frauen, die nach Thailand kommen, ist in den vergangenen zehn Jahren stark angestiegen," schrieb die Soziologin Erin Sanders in ihrer Dissertation mit dem Titel "One Night in Bangkok". Für die meisten gehöre ein - wenn auch meist passiver - Ausflug in die Sexszene zum "Teil ihrer touristischen Erfahrungen".

In verschwiegenen Nebenstraßen mischt sich hetero-, bi- und homosexuelle Kundschaft. Am offenkundigsten wird der Wandel in dem einstigen Treffpunkt der internationalen Schwulenszene. Die Soi Twilight hat sich für Sextouristinnen geöffnet. In einigen Etablissements laufen die Go-Go-Boys nach ihrer Vorstellung auf der Suche nach Kunden nur mit einem Kondom bekleidet durch die Bar. Ihnen ist es egal, ob Mann oder Frau. Der schnelle Sex kostet ab 1500 Baht.

Auch renommierte Clubs verschließen sich dem neuen Trend nicht. Sogar im In-Club Levels werden neuerdings "Six Pack Parties" veranstaltet, bei denen Männer ihre Muskeln spielen lassen. Clubmanagerin Chutima Ongsanthia sagte der "Bangkok Post", um besonders attraktive Männer habe es regelrechte Kämpfe gegeben, bei denen die Frauen nicht nur physische Gewalt eingesetzt, sondern sich gegenseitig auch mit freigebigen Angeboten versucht hätten zu übertrumpfen.

"Für unsere Sicherheitsleute wurden diese Frauen wirklich zum Problem," sagte Chutima. Trotzdem werde es auch künftig Ladies Nights geben. Denn: "So groß das Angebot für Männer ist, so wenig gibt es immer noch für Frauen".

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